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Ribnitz-Damgarten Klo-Notstand: Rostock schließt öffentliche Toiletten
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Klo-Notstand: Rostock schließt öffentliche Toiletten
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00:35 16.01.2015
Der sechsjährige Max und seine Mutter Kati Noack (36) wollen die Toilette am Steintor benutzen. Fotos (2): Ove Arscholl

Die Hansestadt Rostock will 14 öffentliche Toiletten einsparen. In der Innenstadt soll es künftig nur noch sechs der aktuell zehn Anlagen geben, in Evershagen und Dierkow verschwinden sie ganz. Gleichzeitig stellt das Rathaus für die kommenden sieben Jahre 3,85 Millionen Euro in den Haushalt für die Sanierung und den Neubau von Sanitäranlagen ein. Eine entsprechende Beschlussvorlage hat Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) eingebracht. Ortsbeiräte und Seniorenvertreter kritisieren das Konzept.

Tausende Touristen im Sommer, Menschenmassen zur Hanse Sail und auf den Weihnachtsmärkten — wer dann ein stilles Örtchen braucht, wird in Zukunft suchen müssen. „Ganz besonders für die Reisegruppen, die lange im Bus gesessen haben, brauchen wir dringend noch eine weitere Toilette“, sagt Werner Simowitsch (Linke), Vorsitzender des Ortsbeirates Stadtmitte. Die Beschlussvorlage kenne er, habe sie mit seinen Mitgliedern bereits diskutiert. Die Kritik: Berechnungsgrundlage für die Anzahl der Toiletten ist ein Maximalabstand von 250 Metern zwischen den einzelnen Anlagen. „Aber das ist die Luftlinie, nicht die Entfernung, die man zu Fuß benötigt. Wir wollen deshalb eine siebente Toilette durchsetzen“, so Simowitsch.

Härter trifft es Warnemünde. Zurzeit ist die Stadt für 21 öffentliche Toiletten zuständig. Erhalten möchte sie nur noch elf. Der Ortsbeiratsvorsitzende Alexander Prechtel (CDU) ist erbost. Denn sein Gremium kämpfe seit vielen Jahren um mehr WCs im Ostseebad. „Eine Reduzierung kann nicht das Ziel sein. Dagegen spricht sich der Ortsbeirat entschieden aus“, sagt Prechtel. Seine Forderung: Mehr Toiletten, die kostenfrei und in einem hochwertigem Zustand sind. Der Ortsbeirat Warnemünde wird sich am 10. Februar mit der Beschlussvorlage befassen und eine Stellungnahme verabschieden.

Auf Unverständnis stoßen die Pläne auch bei der älteren Bevölkerung. Erst im Herbst 2014 äußerte die Mehrheit von 600 befragten Senioren in der Südstadt und in Biestow den Wunsch nach mehr öffentlichen Toiletten. Der Leiter des Projektes „Älter werden in der Südstadt/Biestow“, Robert Sonnevend, schüttelt angesichts des Wegfalls den Kopf. 45 Prozent der Stadtteileinwohner seien über 65, die Zahlen sprechen für sich. In der Bertold-Brecht-Straße in Evershagen sei das WC-Häuschen schon lange nicht mehr funktionstüchtig, sagt Ortsbeiratsvorsitzender Niels Schönwälder (SPD). Ein Abriss ist für Februar geplant, teilte die Pressestelle des Rathauses mit. „Wir haben aber schon einen Ersatz im Auge und sind im Gespräch mit einer Betreiberin“, so Schönwälder.

Nur Markgrafenheide profitiert von der neuen Toilettenordnung. Drei neue Klos sollen hinzu kommen. „Darüber freuen wir uns sehr. Die Anlagen sind im Sommer stark frequentiert“, sagt Ortsbeiratschef Frank Niehusen (CDU).

Trotz der Einsparungsmaßnahme pumpt die Stadt in den kommenden Jahren laut Konzept 3,85 Millionen Euro in die Wartung, die Sanierung und den Neubau. In den Kerngebieten sollen alle Anlagen mit Wasseranschluss ausgestattet und barrierefrei werden. Welche WC-Anlagen die Stadt schließt und neu baut, ermittelt eine Arbeitsgruppe, teilte die Pressestelle des Rathauses mit. In der Stadt gebe es weiterhin „diverse privat betriebene und öffentlich zugängliche Sanitäranlagen“, heißt es weiter. Am 25. März entscheidet die Bürgerschaft über das Papier.



Katarina Sass

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