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Ribnitz-Damgarten Klockenhagen: Neue Runde in Diskussion über Glyphosat
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Klockenhagen: Neue Runde in Diskussion über Glyphosat
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00:00 02.05.2016
Große Flächen zwischen Klockenhagen und Hirschburg wurden mit Glyphosat behandelt. Quelle: privat

Im Ribnitz-Damgartener Ortsteil Klockenhagen wurde wieder großflächig das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat gespritzt. Für Silva Müller Anlass, sich mit einem offenen Brief an Bürgermeister Frank Ilchmann (parteilos) zu wenden. In dem Schreiben wie auch in der jüngsten Stadtvertretersitzung verweist die Klockenhägerin darauf, dass das Unkrautvernichtungsmittel seit 2014 vom Gut Klockenhagen angewendet werde. Das Mittel sei zwar legal, aber niemand könne garantieren, dass es nicht gesundheitsschädlich sei, so die Klockenhägerin.

Überdies stehe die Frage, ob die Anwendung des Unkrautvernichters nicht auch dem Titel staatlich anerkannter Erholungsort widerspreche. Dass sich Silva Müller direkt an den Bürgermeister und die Stadtvertretung wandte, hat seinen Grund, schließlich ist die Bernsteinstadt mit etwa 800 Hektar größte Landverpächterin für das Gut Klockenhagen. Eben weil das so sei, stehe sie auch in besonderer Weise in der Verantwortung und sei dafür verantwortlich, wie mit diesen Flächen umgegangen wird, meint Silva Müller. „Ich fordere Sie hiermit auf, Ihrer Verantwortung gerecht zu werden und rasch zu handeln und auf eine für Mensch und Umwelt verträgliche Bewirtschaftung zu bestehen“, heißt es in dem offenen Brief.

Bauamtsleiter Heiko Körner bestätigte den Eingang des Briefes und sicherte zu, dass er bearbeitet werde. Er machte aber deutlich: Man spreche hier über ein nicht verbotenes Mittel und über einen laufenden Pachtvertrag, der bis 2021 abgeschlossen wurde. So lange sich der Pächter an die Vorgaben, die für die Anwendung von Glyphosat gelten, halte, könne die Stadt nicht einschreiten. „Bisher sind keine Verstöße festgestellt worden“, so Körner in der Stadtvertretersitzung und verwies auf Gespräche mit Fachbehörden in Rostock und Kontrollen vor Ort.

Damit geben sich die Umweltschutzorganisation BUND Stralsund und die 2015 gegründete Bürgerinitiative für Leben, Landwirtschaft, Natur und Tourismus Klockenhagen nicht zufrieden. Sie haben Glyphosat zum Thema einer Veranstaltung gemacht, zu der heute um 19 Uhr in das Hotel „Zum Honigdieb“ eingeladen wurde. Es spricht Arndt Müller, Mitglied des BUND-Landesvorstandes. In der gemeinsamen Pressemitteilung von BUND und Bürgerinitiative heißt es: „Es ist höchste Zeit, dass dieses Ackergift von den Feldern verschwindet. Ursprünglich war Glyphosat ein Rohrreiniger. Erst später wurde es zu einem häufig eingesetzten Unkrautvernichter in der Landwirtschaft, mit dem das Getreide zum Teil noch vier Tage vor der Ernte totgespritzt wird. In der Landwirtschaft muss im Interesse der Verbraucher endlich ein Umdenken stattfinden.“

Ulrich Borchert (CDU/FDP-Fraktion), Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft und selbst Klockenhäger, sagte während der Stadtvertretersitzung auf eine entsprechende Frage, dass das Problem Glyphosat von der Initiative bisher noch nicht an den öffentlich tagenden Ausschuss herangetragen worden sei. Gegenüber OZ machte er deutlich, dass er sich wünschen würde, dass die Initiative und das Gut Klockenhagen miteinander reden. „So etwas wie einen Dialog hat es ja schon mal gegeben, das Gespräch ist dann aber leider nicht weitergeführt worden“, so Borchert.

„Bei der Anwendung von Glyphosat bewegen wir uns im gesetzlichen Rahmen. Eingesetzt wird es nach einem Standardverfahren, das seit über 14 Jahren erprobt ist“, sagt Ralf Schneider, Gesellschafter des Guts Klockenhagen. Alles, was auf den Feldern passiere, werde akribisch dokumentiert und überprüft.

Weltweit eingesetzt

Glyphosat ist eine biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wird seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre in der konventionellen Landwirtschaft weltweit sowohl zur Unkrautbekämpfung als auch zur Beschleunigung der Erntereife von Nutzpflanzen (Getreide und Kartoffeln) eingesetzt. Glyphosat ist weltweit seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Etwa 40 Prozent der Ackerfläche wird bundesweit mit glyphosathaltigen Pflanzengiften behandelt.

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation hat Glyphosat als wahrscheinlich krebserzeugend eingestuft. Andere Behörden kommen zu anderen Einschätzungen.

Von Edwin Sternkiker

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