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Ribnitz-Damgarten „Mit Kunst zu leben, ist das größte Glück“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Mit Kunst zu leben, ist das größte Glück“
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00:00 29.03.2014
Hartmut Hornung (l.) und Künstlerfreund Artur Kulak stehen vor den Bildbriefen im Fischlandhaus Wustrow. Quelle: Elke Erdmann

„Lieber Artur, gegenüber dem ‚wilden Westen‘ ist es hier paradiesisch, der Arbeit förderlich, erholsam in dem Schloß ehemals ‚von Arnim‘ im Märkischen entrückt vom Alltäglichen.“ Das sind die Anfangszeilen des ersten Bildbriefes, den der Bildhauer Hartmut Hornung am 28. Dezember 1989 an Artur Kulak schrieb, der heute in München lebt.

Mit anderen Unikaten ist er im Fischlandhaus Wustrow zu sehen. Der handschriftliche Text umrahmt ein Aquarell, das eine Skulptur inmitten großer grüner Pflanzen zeigt. Es ist der Ort, in dem sich der Künstler aus dem vorpommerschen Ludwigshof als Stipendiat befand. „Wohltuend ist der geregelte Tagesablauf. Um nichts muss man sich kümmern. So sitze ich mehrere Stunden täglich in der Orangerie zeichnend oder in der Bibliothek.“ Wer ist Artur Kulak? „Ich sammle Künstler. In meiner Sammlung gibt es nur Arbeiten von Künstlern, die ich persönlich kenne“, erklärt der ehemalige Chef der Kunst-Edition S des deutschen Sparkassenverlages Stuttgart. Mit Kunst zu leben sei für ihn das größte Glück. Den Künstlerfreund lernte Hartmut Hornung im Juni 1989 zur Wendezeit am Rande eines Symposiums kennen, das wiederum der österreichische Bildhauer Alfred Hrdlicka organisiert hatte.

Artur Kulak erzählt: „Da war ich wie vom Hammer getroffen, als ich die Werke von Hartmut Hornung sah. Er ist ein eigenwilliger Mensch, nicht angepasst. Ich habe damals gleich drei Skulpturen gekauft.

Dann habe ich ihn verlegt und seine Bilder verkauft.“

Mit dem ersten Bildbrief war nicht abzusehen, welchen Verlauf die Korrespondenz nehmen würde. Angeregt durch die Malbriefkultur des Reutlinger Holzschneiders HAP Grieshaber, schrieb Hartmut Hornung bis 2011 seine eigenen. Wenn er das Gefühl hatte, dass Bildzeichen und Schriftformel ein ausgewogenes Verhältnis eingingen, die rechte Würze erreicht war, dann ging die Post ab — zu Artur Kulak.

Virtuos im Format, oft der gesamte Umschlag gestaltet, so dass er vollständig aufgeklappt werden musste, um das Gesamtkunstwerk zu entdecken. Farblich überaus vielschichtig. Die Briefinhalte sind geschichtsträchtig, offenbaren Gefühllage, Sorgen, Nöte, auch Bitten. Bei Artur Kulak lagen sie in den Schubladen. Manche konnte er nicht lesen.

Dann kam die Idee, die Briefe zu veröffentlichen. Hartmut Hornung holte sie aus München. „Da habe ich die Sachen zuerst in Gänze gesehen und war selbst von der Menge überrascht.“

Im Januar stand er mit seinen Briefen in Wustrow im Fischlandhaus. „Das war pure Malerei, expressiv und ungebärdig auf immer größer werdenden Formaten und aus einem Guss“, sagt Dr. Katrin Arrieta.

„Wir haben die Ausstellung gemeinsam kuratiert, vor Ort ‚ausbaldowert‘“.

Zwischen den Bildbriefen stehen Skulpturen im gelungenen Zusammenklang. Hilfreich beim Rundgang ist der Katalog, in dem die Briefe neben dem Original abgedruckt sind.

Ausstellung bis zum 15. Juni, Fischlandhaus Wustrow, täglich außer mittwochs.

Da war ich wie vom Hammer getroffen, als ich die Werke von Hartmut Hornung sah. Er ist ein nicht angepasster Mensch.“Artur Kulak, Kunstsammler



Elke Erdmann

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