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Ribnitz-Damgarten Langsdorf: Ärger über „Mautflüchtlinge“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Langsdorf: Ärger über „Mautflüchtlinge“
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00:05 07.05.2016
Am Rande der L 19: Wolfgang und Eva Knieling im Gespräch mit Hartmut Kolschewski (von links). Quelle: Peter Schlag

Wenn Eva und Manfred Knieling in ihrer Küche sitzen, ist bei gekipptem Fenster ein Gespräch kaum möglich. Acht Meter weiter ist die Landesstraße 19 — und dort donnern alle Nase lang Brummis vorbei. Für das Seniorenpaar, das im vergangenen Herbst aus Thüringen nach Langsdorf gezogen ist, ein Dauer-Ärgernis. Das Haus der Beiden liegt etwas tiefer als die Straße. Das verstärkt den Verkehrslärm. „Wir haben neue Fenster einbauen lassen. Klasse 3, die höchste, die ging“, erzählt Eva Knieling zum Thema Lärmschutz.

Eigentlich sind die Langsdorfer Fahrzeugverkehr gewohnt. Früher rollten auf der L 19 jede Menge Autos und Lkw durchs Dorf, zwischen Rostock und Grimmen. Dann wurde die Autobahn fertig. Ende 2005 erfolgte die Einweihung des letzten A 20-Abschnittes, gleich hinter Langsdorf. Dann wurde es schlagartig ruhig. Sehr ruhig, erinnert sich Hartmut Kolschewski. Der Lindholzer Bürgermeister wohnt selber in Langsdorf und hat Auf und Ab beim Fahrzeugverkehr mitgemacht. Inklusive eines 17,50-Meter-Brummis, der nachts bei ihm in den Garten rauschte und 100 Sträucher und Bäumchen wegfräste.

„Vorher hatten wir sehr viel Fahrzeugverkehr. Dann wurde es sehr ruhig. Nun ist es wieder mehr, wenn auch kein Vergleich zu ganz früher“, fasst Hartmut Kolschewski das Thema Straßenverkehr in Langsdorf zusammen. Was auffällt: Seit Maut erhoben wird, hat der Anteil des Lkw-Verkehrs, der durch den Ort rollt, sehr zugenommen.

Das bestätigen die Erfahrungen, die Familie Knieling gemacht hat. Wobei das nur ein Kritikpunkt ist. „Es geht mir auch um die Geschwindigkeit“, sieht Eva Knieling nicht ein, dass viele Kraftfahrer Tempo 50 in Langsdorf nicht einhalten. Das Paar hatte sich zunächst an die Polizei gewandt, dann auch ans Landratsamt. Beide Behörden haben in den vergangenen Monaten Messungen in Langsdorf gemacht.

Innerhalb von 24 Stunden rollen demnach 2820 Fahrzeuge durch den Ort, schreibt das Landratsamt an die Senioren. Die Hälfte der Kraftfahrer halte sich an Tempo 50, 40 Prozent seien mit bis zu 60 km/h unterwegs. Was Eva Knieling zu den restlichen zehn Prozent bringt, die schneller als mit Tempo 60 durchs Dorf fahren: „Das wären dann immerhin 282 Fahrzeuge“, rechnet sie vor.

Ein ganz interessanter Satz im Schreiben des Landratsamtes: „Die einzige Besonderheit, die durch die Messung nachgewiesen wurde, ist der hohe Anteil von Schwerverkehr an der Gesamtzahl der Fahrzeuge.

Sein Anteil beträgt circa 20 Prozent und ist höher als auf anderen Landesstraßen.“ Was für die Theorie von den „Mautflüchtlingen“ spricht und sich auch mit Erfahrungen deckt, die im benachbarten Marlow gemacht werden — auch dort gibt‘s Beschwerden über zunehmenden Brummi-Verkehr auf den Straßen rund und in Marlow. Was Langsdorf betrifft, weiß man im Landratsamt dazu mehr: „Beobachtungen haben ergeben, dass die Lkw vom Hafen Rostock in Richtung Demmin überwiegend diese Strecke nutzen.“ Allerdings habe man keine Handhabe, diesen Lkw-Verkehr zu unterbinden oder die Lkw zu zwingen, über die Autobahn zu fahren.

Das hilft den Langsdorfern erst mal nicht. Für Hartmut Kolschewski wäre etwas anderes sinnvoll: Die Gemeinde plant Radwegebau in und um Langsdorf. Vielleicht lasse sich in Zusammenhang mit diesem Projekt etwas zum Thema Verkehrsberuhigung in Langsdorf machen...

191 Fahrzeuge pro Stunde

2820 Fahrzeuge rollen innerhalb von 24 Stunden auf der Landesstraße 19 durch Langsdorf, haben Messungen des Landkreises ergeben. Die Einwohner zählen auch selbst — und haben für die Zeit zwischen 15 und 16 Uhr schon mal 191 Fahrzeuge ermittelt.

Die L 19 war früher Hauptverbindung von Rostock Richtung Grimmen und Demmin. Ende 2005 wurde südlich von Langsdorf das letzte Teilstück der Autobahn 20 übergeben.

Von Peter Schlag

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