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Ribnitz-Damgarten MV-Umweltminister hilft bei Küstenputz
Vorpommern Ribnitz-Damgarten MV-Umweltminister hilft bei Küstenputz
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16:58 11.01.2019
Umweltminister Till Backhaus (re.) hat am Freitag an einer Müllsammelaktion am Weststrand teilgenommen. Quelle: Timo Richter
Born/Prerow

Kanister, einen Benzinfilter, Reste von Netzen, unzählige Styroporteile und eine Flaschenpost mit etlichen Neujahrswünschen für das Jahr 2014 haben 130 Helfer am Freitag aus dem Spülsaum am Weststrand auf dem Darß geklaubt. Sturmtief „Zeetje“ und wenige Tage später „Benjamin“ haben Unrat bis tief in den Nationalparkwald getragen. Auch Umweltminister Till Backhaus hat sich an der Aktion beteiligt.

Von Prerow und der Jugendherberge Ibenhorst aus arbeiteten sich die Mitarbeiter der Kurbetriebe von Ahrenshoop bis Prerow, alle Bürgermeister der vier Orte, Beschäftigte des Tourismusverbandes Fischland-Darß-Zingst, Unternehmer und etliche freiwillige Helfer den Weststrand entlang. Till Backhaus war angesichts der großen Teilnahme auf die kurzfristig angesetzte Aktion geradezu baff.

Abrechnung mit Verpackungswahn

40 Prozent des Mülls an den Stränden stammten vom Land, 30 Prozent von Schiffen. Allein Zigarettenkippen machten knapp 10 Prozent des Mülls an der Ostseeküste aus, rechnet Backhaus vor. Sichtbar werde darin auch der Verpackungswahn in Deutschland. Styropor und Kunststoffe zersetzten sich immer weiter, bis sie so klein seien, um von Tieren gefressen zu werden. Der Sturm habe den Wohlstandsmüll zurück an die Küsten getragen.

Die Aktion, gibt Till Backhaus zu, sei vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber man müsse endlich anfangen etwas zu tun. „Das Thema muss zu einem anderen Verhalten der Menschen führen“, lautet die Forderung des Umweltministers, während er im Unterholz nach Styroporteilchen abtaucht. Es dürfe nicht länger bei Lippenbekenntnissen bleiben. Um mehr Menschen für den Meeresschutz und die Reinigung von Stränden zu motivieren, mache er gerne den Vorturner.

Mehr Anstrengung für Müllvermeidung gefordert

Da pflichtet Dr. Andreas Röpke, Referatsleiter für Gewässer- und Meeresschutz im Umweltministerium, bei. Die öffentliche Diskussion zur Vermüllung der Meere sowie Druck durch eine EU-Richtlinie zwingen geradezu dazu, sich dem Thema zuzuwenden. Und das darf nicht allein an den Küsten bleiben. So wird darüber nachgedacht, in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin einen parlamentarischen Abend zu Müll in den Meeren zu organisieren. Während des gemeinsamen Abschieds mit Erbsensuppe und Bockwurst in der Jugendherberge Ibenhorst mahnt der Minister indes an Anstrengungen zur Müllvermeidung an. Täglich verliere die Erde 130 Arten.

Unter den Augen von Annett Storm (hinten) holt Lia Becker (5) Zettel aus der Flaschenpost. Mutter Julia (re.) und Laura Goetze sind behilflich. Quelle: Timo Richter

„Ich finde die Initiative super“, sagt Julia Becker aus Prerow. Für sie ist es selbstverständlich, sich daran zu beteiligen. „Es war klar, dass die Sturmflut viel Müll anspült.“ Ihre Tochter Lia macht während der Aktion in Höhe des Teerbrenner-Sees eine besondere Entdeckung: eine Flaschenpost. In der finden sich etliche Neujahrswünsche für 2014. Laut Annett Storm, Vorsitzende und Geschäftsführerin des Nationalparkfördervereins, lassen die Kurzbotschaften darauf schließen, dass die Flasche im Bereich Ahrenshoop beziehungsweise dem Darß der Ostsee überantwortet wurde.

Sturmflut trägt Müll in Nationalpark

Die beiden jüngsten Sturmfluten haben Müll nicht nur an die Strände gespült, sondern bis tief in den Nationalpark hinein. So sind etliche Helfer in der Heidesee-Niederung unterwegs, um Plastikteile etwa anderthalb Kilometer von der Küste entfernt aus dem Schutzgebiet zu holen. Teilbereiche des Nationalparks wurden beispielsweise über den Müllergraben überflutet. Nationalpark-Chef Gernot Haffner erwartet im Bereich des Sees ein Absterben von Bäumen infolge des Salzwassereintrags. Die Aktion am Freitag beschränkte sich auf den Bereich zwischen dem Leuchtturm Darßer Ort und den Rehbergen. Für die Kernzone ist ein ähnliches Vorhaben geplant, jedoch ließe der Wasserstand darin eine solche Aktion derzeit nicht zu, so der Leiter des Nationalparkamtes.

Seitens der Jugendherberge Ibenhorst werde Aufklärung betrieben, um auf die Gefahren von Müll in Meeren hinzuweisen und so mitzuhelfen, einen Bewusstseinswandel zu erzeugen, sagt Kai-Michael Stybel, Vorstandvorsitzender des Deutschen Jugendherbergswerks.

Timo Richter