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Ribnitz-Damgarten Määääääächtig ökologisch, dieser Hof
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Määääääächtig ökologisch, dieser Hof
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00:00 27.04.2016
Knapp drei Wochen ist das Lämmchen alt, das Stephan Jacob Will auf dem Arm hält. Quelle: Carolin Riemer

Eigentlich lässt Stephan Jacob Will nur ungern Fremde auf seinen Bio-Hof in Fuhlendorf. Zu groß sei die Gefahr, dass die 400 Mutterschafe und die Lämmer sich durch eingeschleppte Keime mit Krankheiten infizieren. „Ich führe ja auch keinen Erlebnis-Bauernhof“, sagt der 45-Jährige. Für die OZ machte Will jedoch eine Ausnahme.

Wenn ich gern schlachten würde, wäre ich Schlachter und nicht Schäfer geworden.“Stephan Jacob Will, Öko-Bauer

Am Anfang gab es nur eine Wiese am Ortsausgang von Fuhlendorf. Aber der Schäfer, der auch gelernter Maurer ist, bewies großen Fleiß. Eigenhändig baute er Ställe, Unterstände und ein großes Wohnhaus auf den Acker. Nun lebt er Tür an Tür mit seinen Schafen. Vor sieben Jahren schaffte er sich die ersten Tiere an und machte sich selbstständig. Zwei Jahre später stellte er den Hof auf einen Bio-Betrieb um und wiederum zwei Jahre später erhielt er die Anerkennung zum Öko-Betrieb. Ein hartes Stück Arbeit. Will hat keine Mitarbeiter, er allein kümmert sich um die Tiere. Unterstützung gibt es lediglich von Bobtail Blossom — der vier Jahre alten Hüte-Hündin.

Etwa 680 Jungtiere werden in zwei Lamm-Zeiten jährlich geboren. Es handelt sich um Schwarzköpfige Fleischschafe. Der Name ist Programm. Stephan Jacob Will verkauft nicht die Wolle, sondern das Fleisch der Tiere. Er beliefert Restaurants und Hotels auf dem Darß und vertreibt seine Waren zusätzlich über einen Online-Shop bis nach Berlin. Schon seit der siebten Klasse wollte der Fuhlendorfer als Schäfer arbeiten. „Die Freiheit hat mich gereizt und das Zusammensein mit den Tieren.“ Er lernte das alte Handwerk bei Meister Harnack in der VEG Dudendorf. Heute habe der Tagesablauf eines Schäfers jedoch wenig mit dem einstigen Beruf zu tun.

Wenn er seine Tiere auf eine der Weiden zwischen Planitz und Saal bringt, macht er dieses eher selten zu Fuß, sondern mit einem Transporter. „Heutzutage gibt es viel zu viel Verkehr auf den Straßen und wenig Toleranz von den Fahrern, wenn ich die Straße mit meiner Herde blockiere.“ Es gibt viele Sorgen, die Schäfer vor hundert Jahren nicht hatten. „Steigende Pachtpreise für Weiden oder der Flächenverlust durch Renaturierungsmaßnahmen“, fallen ihm auf Anhieb ein. Auch die Rückkehr des Wolfes beschäftigt den tierlieben Öko-Landwirt, der augenscheinlich viel Wert auf saubere Ställe und einen gepflegten Hof legt. „Zwar bekommt der Schäfer eine Entschädigung für ein vom Wolf gerissenes Schaf, aber es geht ja nicht nur um das Geld, sondern um die Arbeit, die man mit der Aufzucht eines Tieres hat.“ Es gibt nur eine Sache, die der Schäfer an seinem Beruf nicht mag: das Schlachten. Er versucht keine allzu große Bindung zu den Lämmchen aufzubauen und muss sich dazu überwinden. „Sie tun mir natürlich leid. Ich schiebe es oft vor mir her“, gibt er zu. Sein Trost: Die Tiere haben wenig Stress und müssen keinen Transport über sich ergehen lassen. Will schlachtet auf seinem Hof.

„Würde ich sie in ein Schlachthaus transportieren lassen, würde es mir vorkommen, als verrate ich sie.“ Sein Hütehund ernährt sich übrigens vegan und auch der Schäfer achtet auf eine bewusste Ernährung. Fleisch isst er nur sehr selten — und wenn, dann nur von seinem Hof.

Von Carolin Riemer

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