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Meister der Stille im Ahrenshooper Dornenhaus

Ahrenshoop Meister der Stille im Ahrenshooper Dornenhaus

Zum 70. Geburtstag des Schweriner Künstlers Hartwig Hamer: Ausstellung mit Aquarellen, Zeichnungen und Radierungen eröffnet.

Ahrenshoop. Als die Tochter nach Rostock zog, kaufte sich die Mutter eine Radierung von Hartwig Hamer, eine unverkennbare Stadtansicht mit den hohen majestätischen Kirchtürmen, die sich dem Besucher bieten, wenn er vom Petridamm kommt. Das Kunstwerk hängt im Treppenaufgang so, dass sie es beim Hinuntergehen immer im Blick hat.

Wie ein Architekt hat Hartwig Hamer mit wenigen Strichen den Raum für die dunkel gehaltenen Gotteshäuser geschaffen. Der Schweriner feiert am 4. Juli seinen 70. Geburtstag. Ihm ist die Ausstellung mit Aquarellen, Zeichnungen und Radierungen im Ahrenshooper Dornenhaus gewidmet. Zur Radierung „Rostock“ sind die „Lübecker Türme“ und „Hamburg“, beide Bilder mit Pinsel, Feder und Tusche 2005 gemalt, ein schönes Pendant.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonnabend drängte viel Publikum in das 350 Jahre alte Dornenhaus. Der promovierte Philosoph Sebastian Kleinschmidt aus Berlin sang ein Loblied auf den Weißdorn, der dem Haus den Namen gab und auf die Werke des Künstlers Hartwig Hamer. „Seine Bilder atmen den Zauber geweiteter Räume, gesteigerter Sichtbarkeit, gestimmter Existenz.“ Mit einer „Guige“ (Tanzform) von Bach auf ihrer Violine gab Grit Löhner aus Stralsund den feierlichen musikalischen Rahmen.

Hartwig Hamer ist der sensible feine Zeichner. „Himmel Erde Horizonte“ lautet der Titel eines Kataloges, worin Diether Schmidt, der ihm gewiss bei seiner Arbeit zugesehen hat, das Schaffen des Künstlers beschreibt: „Zum Hauptinstrument der Skizzen wurde der Fineliner. Den Stift fasst er, wie die chinesischen Künstler ihre Pinsel, am oberen Ende. Ganz locker strichelt er um die Motive herum… Er verdichtet allmählich den Raum um seine Markierungen durch Haus und Baum, Busch, Ackerfurche und Wolke. Alles behält die verwebende Leichtigkeit der Atmosphäre, des umspülenden Luftraums.“

Ganz klar treten hingegen in einer Radierung von 1986 die „Häuser am Pfaffenteich Schwerin“ hervor. Seine Aquarelle auf Japanpapier, darunter „Berlin Mitte“, lassen an den Engländer William Turner denken, der richtungsweisend für die impressionistische Malweise war.

Auch Hartwig Hamer schafft atmosphärische Stimmungen. Für ihn gelten die Worte des norwegischen Schriftstellers Jostein Gaarder: „Es gibt genau zwei Möglichkeiten, weise zu werden. Eine ist die, hinaus in die Welt zu ziehen und sich soviel wie möglich von Gottes Schöpfung anzusehen. Die andere bedeutet, an einer bestimmten Stelle Wurzeln zu schlagen und alles, was dort geschieht, so sorgfältig wie nur möglich zu studieren.“ Seit seiner Geburt ist Hartwig Hamer mit Schwerin verwurzelt. Er kennt die Fassaden der Häuser, die Straßen und Plätze genau, die ihm als Motive wichtig erscheinen und in ihrer Eigenart verhalten ins Bild gelangen. Und er hat die norddeutsche Landschaft mit allen Sinnen erfühlt. Ausstellung: bis 13. Juni;

geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr

Elke Erdmann

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