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Mieter fürchten Abriss

Dierhagen Mieter fürchten Abriss

Im Vorentwurf für den geplanten Reiterhof in Dierhagen-Neuhaus ist der Abriss eines Mehrfamilienhauses vorgesehen. Die sechs Mietparteien wurden nicht informiert.

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Mieter eines Mehrfamilienhauses fürchten den Abriss des Gebäudes im Zusammenhang mit der Planung einen Pferdehofes in Dierhagen-Neuhaus.

Quelle: Richter, Timo

Dierhagen. Über dieses „Weihnachtsgeschenk“ haben sich die Mieter eines Mehrfamilienhauses im Dierhäger Ortsteil Neuhaus (Vorpommern-Rügen) gar nicht gefreut. Im Vorentwurf für den geplanten Reiterhof, der in direkter Nachbarschaft entstehen soll, wird das einstige Gutshaus als nicht sanierungsfähig und bereits als unbewohnt ausgewiesen. Folge: Der Abriss des Gebäudes ist vorgesehen und bereits in den Unterlagen dokumentiert. Die Gemeindevertretung des Ostseebades hat jüngst den Vorentwurf für den Bau eines Reiterhofes samt frühzeitiger Auslegung beschlossen.

Fehler in Bestandsaufnahme

Siegfried Kümmel, früher selbst Gemeindevertreter und auch längere Zeit als amtierender Bürgermeister in Dierhagen tätig, ist im Textteil der Entwurfsplanung über zwei Passagen gestolpert. Eine Nachnutzung des Mehrfamilienhaus sei aufgrund der schlechten Bausubstanz nicht mehr möglich, heißt es da. Das Haus steht innerhalb des gesetzlichen Waldabstandes, weil für die notwendige Anzahl von Wohneinheiten – der Investor plant Unterkünfte für spätere Mitarbeiter – die Grundfläche vergrößert werden müsste, „muss das Bestandsgebäude abgerissen werden“.

Mieter in dem Gebäude widersprechen. „Ein Dauerwohnen ist nach wie vor möglich“, konstatiert dagegen Siegfried Kümmel. Bernd Spang mag nicht glauben, dass das Gebäude als unbewohnbar gesehen wird.

Einen Fehler hat Kümmel auch in der Bestandsaufnahme festgestellt. Von drei Bestandsgebäuden in schlechtem baulichen Zustand ist da die Rede. „Hierbei handelt es sich um zwei ehemalige Wohngebäude und ein Stall- bzw. Lagergebäude.“ Keine Rede davon, dass in dem in den 70er-Jahren umgebauten früheren Gutshaus heute sechs Mietparteien leben.

Ribnitz-Damgarten hat Wörtchen mitzureden

Die Sorgen der Mieter kann der Vorsitzende des Bauausschusses der Dierhäger Gemeindevertretung, Guido Keil, gut verstehen. Die Darstellung im Textteil des Planes seien falsch. Aber: Beschlossen wurde lediglich die frühzeitige Auslegung eines Vorentwurfs. Darin fänden sich die Vorstellungen von Investor ebenso wieder wie die der Kommune. „Der Investor wird nicht alles plattmachen“, ist Guido Keil überzeugt. Er führt in diesem Zusammenhang aber auch den Wunsch des Interessenten an, Wohnraum für die künftigen Mitarbeiter auf der Anlage zu schaffen. Mit dem Investor müsse gesprochen werden, dass die schon jetzt dort lebenden Menschen in die Planung integriert werden müssen. Das ist auch Auffassung von Bürgermeisterin Christiane Müller (Linke). Darüber sei mit dem Investor zu sprechen. Denn schließlich, zitiert Bernd Spang die Bürgermeisterin aus einem Gespräch, übernehme der Investor alle Rechte und Pflichten.

Und die Stadt Ribnitz-Damgarten hat auch ein Wörtchen mitzureden, ist sie doch Eigentümerin der Fläche auf Dierhäger Hoheitsgebiet. Auf der Internetseite der Stadt prangte noch gestern die Ausschreibung des Areals für den Bau eines Reitwanderrastplatzes. Vermietet werden die Wohnungen in dem Haus von der Gebäudewirtschaft Ribnitz-Damgarten, wie Guido Keil, der im Bauamt der Bernsteinstadt arbeitet, bestätigt.

Plan biete viel Potenzial für den Ortsteil

Das alte Haus ist laut Keil nicht sanierungsfähig. Und der Investor möchte ein neues Haus bauen. Der Ausschuss-Chef ist überzeugt, dass es eine Kompromisslösung geben werde. „Aber lasst den Plan doch erst einmal auf die erste Etappe der langen Reise gehen.“ Das Vorhaben biete viel Potenzial für Neuhaus.

Mit ihrer Furcht vor einem Abriss ihrer Wohnungen wollen die Mieter ausdrücklich keine Breitseite gegen das Vorhaben abfeuern. Bedauert wird allerdings, dass mit den Mietern nicht im Vorfeld über diese Konsequenzen bei der Entwicklung des Ortsteils gesprochen wurde.

Kümmel hat bereits eine ausführliche Stellungnahme zu dem ausgelegten Vorentwurf verfasst. Der einstige Gemeindevertreter hofft, dass damit noch einiges bewirkt werden kann. Denn dieses ungeliebte „Weihnachtsgeschenk“ will Siegfried Kümmel auf jeden Fall umtauschen.

Timo Richter

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