Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Die dunklen Bienen von Marlow
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Die dunklen Bienen von Marlow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:30 07.11.2018
Justus Walter Mathies hält als Imker eine besondere Bienengattung: Die mellifera mellifera. Diese Tiere können zur Stabilisierung des Ökosystems beitragen. Quelle: Moritz Naumann
Marlow

Justus Walter Mathies beherbergt einen dunklen Schatz auf seinem großen Hof im Marlower Stadtteil Neu Poggendorf: „Ich züchte hier die dunkle Biene“, sagt der 78-Jährige stolz. Diese Bienengattung ist robust, hier heimisch, wurde aber in den vergangenen Jahren von vielen anderen Arten verdrängt. Dabei könnte sie die Lösung gegen das vielfach beschriebene Insektensterben und für die Erhaltung der Artenvielfalt in unserem Ökosystem sein. Doch sowohl vom Imker-Landesvorstand als auch beim Landesamt für Umwelt und Naturschutz bekommt der Bienenzüchter keine Unterstützung für seine Zucht.

Nicht stechlustiger als andere

In Deutschland gibt es nur noch wenige Züchter, die sich auf die dunkle Biene spezialisiert haben. Justus Walter Mathies sei in Norddeutschland gar der einzige. Verdrängt wurde die als Mellifera Mellifera bekannte Gattung von den Carnica und Buckfast –Bienen aus dem Südeuropäischen Raum. Warum viele Imker auf diese statt auf die dunkle Biene setzen? „Sie sagen, die mellifera wäre stechlustiger. Aber das ist nicht wahr“, sagt der 78-Jährige Mathies.

Dabei sei, laut dem Imker, die dunkle Biene für unser Ökosystem besser als alle anderen Gattungen. Und dies bestätigte ihm auch das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie. Aus einem Schreiben, welches an Mathies gerichtet ist, heißt es: „Nicht vergessen sind auch die positiven Wirkungen der von ihnen gehaltenen ursprünglichen Rasse auf die Artenvielfalt in der Pflanzenwelt, wo die Urbiene Bestäubungsfunktionen der solitär lebenden Bienen übernehmen kann, deren Lebensstätten trotz Unterschutzstellung der Arten einen stetigen Verlust unterliegen.“ Im Gegensatz zu anderen Bienengattungen – Mathies nennt jene „Honigbomber“ – fliege die dunkle Biene nicht nur die reichhaltigen Rapsfelder an, sondern auch Kleinstblüten. Dies ermögliche eine größere Vielfalt im Ökosystem. „Mit dieser Biene erhalten wir die Natur“, sagt Mathies. Und obwohl das Landesamt dem Imker die Förderwürdigkeit der dunklen Biene bestätigt hat, gibt es bisher keine Unterstützung.

Robustes Bienenvolk

Dabei sind die Tiere nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch extrem robust: Die dunkle Biene hat ein 20 bis 30 Tage längeres Leben als andere Honigbienen. Die Wintervölker sind nur etwa halb so groß wie andere Rassen und benötigen deshalb auch weniger Winterfutter. Sie ist aufgrund der kleineren Zellgröße im Naturbau und der kürzeren Winterbrutpause resistenter gegen die Varroamilbe, ein aus Asien eingeschleppter Parasit, der viele Bienenarten immer gefährlicher wird.

Was Mathies braucht, ist die Möglichkeit seine Bienen vor dem Einfluss anderer Gattungen zu bewahren. „Auf der Mecklenburgischen Landschaftsausstellung (Mela) wurde mir im letzten Jahr eine Belegstelle zugesagt.“ So eine Belegstelle würde bedeuten, dass im Umkreis von 8 Kilometern niemand eine andere Bienenart züchten darf. Nur damit könne die Reinheit der dunklen Biene nachhaltig gesichert werden. Denn es sei unmöglich, das Paarungsverhalten mit anderen Rassen zu kontrollieren. Erhielte Mathies so eine Belegstelle, wäre er der erste Imker in ganz Deutschland. Jedoch wurde dieses mündlich gegebene Versprechen nicht eingehalten mit dem Vermerk, dass die dunkle Biene zu aggressiv sei. Dabei macht Mathies jedes Jahr Linienvergleiche, die ihm über das Verhalten seiner Tiere Aufschluss geben. „Die Tiere stechen nicht mehr als andere. Es ist meine Aufgabe mit diesem Mytos aufzuräumen“, sagt Matthies, der nun seit 52 Jahren Bienen züchtet und sich seit acht Jahren auf die dunkle Biene spezialisiert hat.

Der warme Sommer habe ihm dennoch Freude gemacht: „Wir hatten im Sommer 55 Waben und etwa 80 000 Bienen.“ Er zieht sich eine Jacke über, um auf seinem Hof nach dem Rechten zu schauen. „Im Moment sammeln sie noch Wasser für die Brut“, sagt Mathies als er an einer kleinen Wasserstelle einige seiner Bienen entdeckt. „Es ist schon spät und das könnte bedeuten, dass es einen langen Winter gibt.“ Wenn der überstanden ist, hofft Mathies auf mehr Unterstützung für die Zucht seiner dunklen Biene und damit auch für unser aller Ökosystem.

Bei Imkern beliebt

Bei Imkern ist die dunkle Biene nicht sehr beliebt. Denn andere Arten bieten ihr gegenüber wirtschaftliche Vorteile. So etwa die Carnica, auch Kärtner Biene genannt: Sie ist eine Untergruppe der Westlichen Honigbiene und kommt eigentlich aus den nördlichen Balkangebieten. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie auch in Mittel und Nordeuropa verbreitet. Durch die höhere Volksstärke und den damit zusammenhängenden höheren Honigertrag hat sie die dunkle Biene fast vollständig verdrängt.

Auch die sogenannten Buckfastbienen sind bei Imkern beliebt. Dabei handelt es sich um eine Kreuzung der dunklen Biene mit einer italienischen Bienenform. Diese Rasse gilt als friedliche und schwarmträge Rasse mit einem überdurchschnittlichen Honigertrag.

Moritz Naumann

Ribnitz-Damgarten 103 250 Euro aus „Knöllchen“ - Weniger Parksünder auf dem Darß

Hoher Überwachungsdruck und die Möglichkeit, Parkgebühren per Handy-App zu bezahlen, haben im Bereich des Amtes Darß/Fischland für einen Rückgang von Parkverstößen geführt.

07.11.2018

Derzeit proben die Kinder und Jugendlichen für den Familiennachmittag am ersten Advent. Ende Januar wird noch einmal im Barther Theater das Musical „Die gestohlene Melodie“ gezeigt.

07.11.2018

Besucher sind nach Trinwillershagen, Barth, Marlow und Ribnitz eingeladen.

07.11.2018