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Ribnitz-Damgarten Mit Vollgas über die Wellen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Mit Vollgas über die Wellen
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08:58 15.07.2013
Nur noch den Strand im Blick: Die DLRG-Lebensretter in den roten Inflatable Rescue Boats kämpfen um jede Platzierung. Quelle: Fotos: Paula Mittermayer
Prerow

Trotz des langen Neoprenanzugs hatten diese vier Freiwilligen den vermutlich härtesten Job an diesem Wochenende. Erst wurden sie von den Schlauchbooten der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) an einer Boje ausgesetzt, dann mussten sie viele Minuten im kühlen Ostseewasser ausharren. Und dann rast auch noch eben jenes Schlauchboot wieder zurück auf die „freiwilligen Opfer“ zu. In Prerow fand der IRB- (Inflatable Rescue Boats) Wettkampf statt: Trainieren des Rettungseinsatzes unter Wettkampfbedingungen.

Elf Teams verschiedener Ortsgruppen der DLRG aus ganz Deutschland sowie Belgien trafen sich an der Seebrücke des Ostseebades. Zwei Tage lang lieferten sich die Mannschaften spannende Rennen in ihren 30-PS-Rettungsschlauchbooten. Am Ende überzeugte die DLRG-Ortsgruppe Rheurdt-Schaephuysen aus der Nähe von Duisburg und holte sich mit großem Abstand auf die Konkurrenz den Sieg.

„Der Wettkampf ist Probe für den Ernstfall“, weiß Caroline „Humi“ Redemund. Die Rostockerin schiebt derzeit Wachdienst auf dem DLRG-Turm am Prerower Strand.

Bei den IRB-Wettkämpfen sind Fitness und die richtige Taktik ausschlaggebend. Wie wichtig Fitness ist, davon konnten sich die Zuschauer am Strand überzeugen: Mit einer gekonnten, kräftigen Bewegung wurden die zu rettenden Personen in Windeseile auf das Schlauchboot gehievt, bevor es mit Vollgas zurück an Land ging.

Für schwache Bandscheiben ist dieser Wettkampf nichts. Mit 20 bis 30 Kilometern in der Stunde schießen die kleinen roten Boote über die Ostsee-Wellen. Immer wieder schlägt das Boot auf dem Wasser auf, hebt wieder ab. Ein jeder auf den Booten hält sich an einer der Handschlaufen gut fest. Vier Disziplinen umfasste der Wettkampf. Ebenso viele Teams, bestehend aus dem Bootsführer und dem Retter, traten zeitgleich gegeneinander an. Beim „Single Rescue“, der einfachen Personenrettung, mussten die Bootsbesatzungen nach der Umrundung einer Boje die Person an Bord holen. Jeder Handgriff saß.

Mit einem Rutsch waren die „freiwilligen Opfer“ in das rote Schlauchboot geholt. Nonstop zurück an den Strand war jedoch in Prerow nicht möglich: Eine heimtückische Sandbank, gut fünfzehn Meter vom Strand entfernt, verhinderte oft die ungebremste Rückfahrt. Wer genug Schwung mitbrachte und zufällig eine Welle erwischte, schaffte es über die Sandbank. Für alle anderen hieß es, unfreiwilliges ‚Abparken‘. Der Bootsführer sprang aus dem Boot und hechtete durchs Wasser in Richtung Ziellinie.

Die weiteren Disziplinen beinhalteten die „Mass Rescue“ (Rettung von zwei Verunglückten), die Tube Rescue (Rettung unter Einsatz eines Schwimmkörpers) und die „Team Rescue“ (Zusammenarbeit zweier Teams). Die Team Rescue verlangt, neben dem sportlichen Anspruch, vor allem viel Vertrauen von den DLRG-Ehrenamtlichen. „Man muss sich auf jeden verlassen können“, ist Caroline Redemunde überzeugt.

Durch den Team Rescue Wettbewerb können Lebensretter unterschiedlicher Ortsgruppen gemeinsam sowohl eine wichtige Übung absolvieren, als sich auch gegenseitig über die Techniken austauschen.

Am Ende siegte die DLRG Ortsgruppe Rheurdt-Schaephuysen mit 56 Punkten. Auf Rang zwei folgten die OG Haffkrug-Scharbeutz II (45 Punkte). Platz drei belegte die OG Meißen I (42 Punkte).

Rettungsschlauchboot IRB
Die Inflatable Rescue Boats (IRB) gehen auf ein Konzept des Australiers Warren Mitchell aus dem Jahr 1969 zurück. Der Rettungsschwimmer suchte nach einem geeigneten und flexiblen Boot für die australischen Gewässer. Das erste Rettungsschlauchboot, auch damals schon auffallend rot, maß gute vier Meter. Die heutigen IRBs sind etwas kürzer; das Konzept hat sich kaum geändert und auch die Signalfarbe hat sich bewährt.

IRB-Wettkämpfe werden regional, national und international ausgetragen. Im September 2013 findet in Dänemark die Europameisterschaft statt. 2014 wird es die nächste Weltmeisterschaft in Frankreich geben.

Paula Mittermayer

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