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Mühlendamm: Brücke kommt, Schleuse bleibt weiter dicht

Rostock Mühlendamm: Brücke kommt, Schleuse bleibt weiter dicht

Die Hansestadt Rostock strebt ein neues Bauwerk über die Warnow an. Die Option eines Durchgangs für die Warnow soll bleiben. Zunehmend mehr Vereine fordern Klarheit.

Rostock. Überraschende Wendung am Mühlendamm in Rostock: Die Variante, einen Damm statt einer Brücke zu bauen, ist vom Tisch. Die Hansestadt hat entschieden, nun doch die Brücke zu bauen. Damit sind auch für die seit nunmehr 18 Monaten geschlossene Mühlendamm-Schleuse alle Optionen offen — zumindest nicht verbaut.

„Das Projekt soll zeitnah ausgeschrieben werden, um noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen zu können“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (UFR). Die Brücke sei derzeit eines der bedeutendsten Straßenbauprojekte in der Hansestadt. Die Bauzeit umfasse 14 Monate, so dass die Brücke Ende 2014 fertig wäre.

Entscheidende Argumente gegen den Damm und für die Brücke sind, dass der Bund so die Chance bekomme, die Schleuse später zu sanieren oder eine andere Durchfahrtmöglichkeit für Boote zu schaffen und dass ein Damm wegen der komplizierten Gründung im Wasser nicht preiswerter als eine Brücke ist. Die Entscheidung für eine Brücke ändert nichts daran, dass die Schleuse erst mal dicht bleibt.

Der Druck aus den zahlreichen Sport-, Angel- und Freizeitvereinen entlang der Warnow über die desolate Mühlendamm-Schleuse wächst mit jedem Tag. Gestern hat die „Interessengemeinschaft Oberwarnow“, die sechs Angel-, Freizeit- und Sportvereine vertritt, eine Petition beim Oberbürgermeister abgegeben. Darin fordert sie die Wiederinstandsetzung der Schleusenanlage. Sollte die geschlossen bleiben, heißt es, „wäre dies ein Messerstich ins Herz aller hier beheimateten Wassersportler“.

Rüdiger Leppack, Vorsitzender des Anglervereins „Warnowinsel“, sagt, dass „rund 110 motorbetriebene Boote quasi auf dem Trockenen sitzen, solange die Verbindung zur Unterwarnow gekappt ist, betroffen sind auch rund 400 Ruder- und Paddelboote.

Hans-Peter Kröger von der IG Oberwarnow erinnert daran, dass die Schleuse beim Erarbeiten des Uferkonzeptes Oberwarnow von der Stadtplanung stets als „historisches Kulturgut“ bezeichnet worden ist.

Er fordert: „Das Gerangel zwischen Bund, Land und Stadt in der Sache muss beendet werden.“ Ihn ärgert, dass die gestern geplante Veranstaltung zum Uferkonzept abgesagt worden ist, weil das Konzept der Stadt nun ohne Schleuse überarbeitet werden soll.

„Es ist das elementare Interesse unseres Vereins, dass die Schleuse offen gehalten wird“, setzt sich auch Walter Arnold, Vorsitzender des Olympischen Ruder-Club Rostock, für die Schleuse ein. Der jetzige Zustand sei auf Dauer „nicht zu akzeptieren“, so Arnold. Auch wenn der Vereinssitz in Kessin sei, seien besonders die Nachwuchsgruppen im Leistungs- und Breitensport auf der Unterwarnow unterwegs, denn nur dort gebe es eine vermessene Regattastrecke. Die Steganlage aus Kessin würde Jahr für Jahr über die Schleuse zu dieser Regattastrecke transportiert. Er habe sich bereits, so Arnold, an den Landesruderverband mit der Bitte um Hilfe gewandt.

Rostocks Stadtverwaltung kann da erst mal nur trösten: „Bis zur Fertigstellung der Brücke prüft die für die Schleuse verantwortliche Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, in welcher Form die Schleuse zukünftig weiter betrieben werden kann.“

Thomas Sternberg

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