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Ribnitz-Damgarten Neues Gutachten lässt Hoffnung keimen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Neues Gutachten lässt Hoffnung keimen
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00:00 11.04.2013
Vor dem Nothafen Darßer Ort lag im Juli 2012 das Tochterboot des Seenotkreuzers „Theo Fischer“. Die Landesregierung will mit der Ausbaggerung der versandeten Zufahrt weitermachen. Quelle: Bernd Wüstneck
Darßer Ort

Vögel werden durch Baggerarbeiten am Darßer Ort nicht gestört. Das ist die Kernaussage eines Gutachtens nach Umwelt- und Artenschutzrecht, das die Landesregierung in Auftrag gegeben hat. Jetzt soll die versandete Zufahrt zum Nothafen Darßer Ort möglichst rasch ausgebaggert werden. Passieren soll das im Wesentlichen im Juli.

Vorher muss der Leiter des Nationalparkamtes dem Vorhaben jedoch zustimmen. Auf OZ-Anfrage sagte Gernot Haffner gestern, dass er erst einmal genau prüfen wolle, „was uns da vorgelegt wird“. Und auch Jochen Lamp, der Leiter des Ostseebüros der Umweltstiftung World Wildlife Fund for Nature (WWF), ist gespannt auf die Ergebnisse der Gutachter. Die Umweltschutzorganisation lehnt jegliche Baggerung in der Kernzone des Nationalparks ab. Das Land habe seit der Unterbrechung wieder ein knappes Jahr ungenutzt verstreichen lassen, um eine Alternative für den Nothafen auf den Weg zubringen, kritisierte er.

In Schwerin werden derzeit Varianten für eine Anlegemöglichkeit des Seenotrettungskreuzers „Theo Fischer“ gesucht. Eine ist ein Liegeplatz an der Prerower Seebrücke. Festgelegt wurde aber noch nichts. Bei der Entscheidung wirken auch Beteiligte wie die Kommune und die Seenotretter mit. Für Frank Weinhold, den Vormann des Schiffes der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, sind die Überlegungen zur Prerower Seebrücke allerdings „absoluter Stuss und rausgeschmissenes Geld“. Kein Hinterland, fehlende Anbindung — die Männer seien nicht nur zum Arbeiten auf dem Schiff, sondern müssten während der Zwei-Wochen-Schichten auch darauf leben. „Käfighaltung bei Hühnern ist verboten, aber mit uns kann man‘s ja machen.“ Erstaunt zeigte sich der Seenotretter, dass sich in Sachen Nothafen überhaupt etwas tut. Allerdings komme die Baggerung inmitten der Saison zu spät.

Begeistert zeigt sich der Prerower Bürgermeister Andreas Meller (57, fraktionslos) über „diesen Fortschritt in der festgefahrenen Situation“. Er hofft, dass sich in der Frage um den Betrieb des Nothafens „endlich Vernunft durchsetzt“. Im Zusammenhang mit dem Hafen innerhalb der Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft könne über Naturschutz geredet werden, nicht aber über „grüne Ideologien“.

Dass sowohl das Baggern als auch der Betrieb des Nothafens Darßer Ort nicht einen Vogel stören würde, davon ist der Vorsitzende des Landes-Seglerverbandes überzeugt. Bodo Bartmann kennt zu dieser Fragestellung bereits „Gutachten ohne Ende“. Gleichwohl begrüßt Bartmann den Vorstoß seitens der Landesregierung. Wenn die Zufahrt ausgebaggert werde, könne der Nothafen Darßer Ort die kommenden beiden Jahre wieder genutzt werden. Wenig Verständnis hat der Vorsitzende des Seglerverbandes, dass für das seit 20 Jahren bekannte Problem noch keine Lösung gefunden worden sei. Der Verband sei mit dem Vorschlag abgeblitzt, den Nothafen zusammen mit dem WWF zu einem Vorzeigeobjekt zu entwickeln, bei dem die Belange von Naturschutz mit den der Wassersportler in Einklang gebracht werden könnten.

Bagger verschiebt Lösung nur
Das seit nahezu 20 Jahren bekannte Aus für den Nothafen Darßer Ort wird weiter auf die lange Bank geschoben. Wenn Seenotretter und Fischer wieder in dem Hafenbecken anlegen können, weil die Zufahrt für viel Geld noch einmal ausgebaggert wurde, ist das nur ein kurzes Gastspiel.

Was immer noch fehlt, ist eine Alternative. Die sozusagen auf den letzten Drücker zu installieren, musste scheitern. Viel zu lange hat die Landesregierung viel zu wenig Druck gemacht, um die Planungen für den so dringend benötigten Etappenhafen auf dem Darß oder Zingst voranzutreiben. Die Baumöglichkeiten sind inzwischen erschöpfend begutachtet worden, doch passiert ist an der Küste immer noch nichts. Und jede neue Baggerung der Zufahrt zum Nothafen Darßer Ort verlagert den Bau einer Alternative weiter in die Zukunft. Wassersportler müssen weiter auf einen sicheren Hafen zwischen Warnemünde im Westen und Barhöft im Osten warten.

Die verzweifelte Suche nach einem Ersatz treibt inzwischen seltsame Blüten. In Schwerin wird ernsthaft eine Minimalvariante in Erwägung gezogen. Der Seenotrettungskreuzer „Theo Fischer“ soll hinter einem eilig aufgeschütteten Wall oder vielleicht an der Prerower Seebrücke festmachen. Und um das Dilemma bei der Suche nach einem alternativen Hafenstandort wurde nun auch noch die Debatte um eine künstliche Verbindung von Ostsee in den Bodden neu entfacht. Ein astreines Ablenkungsmanöver.

Timo Richter

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