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Ribnitz-Damgarten Nordstream 2 räumt Öko-Konto fast leer
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Nordstream 2 räumt Öko-Konto fast leer
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00:00 08.09.2018
Die renaturierten Fischlandwiesen vor den Toren Wustrow bescheren der Region als Öko-Konto einen Geldsegen. Quelle: Foto: Ernst Fischer
Wustrow

Durch die umstrittene Pipeline Nordstream 2 von Russland zur Anlandestation bei Lubmin soll Gas ins europäische Netz kommen. Schon jetzt fließt mit dem Vorhaben jede Menge Geld – und zwar in erster Linie nach Wustrow: annähernd sechs Millionen Euro. Denn als Umweltausgleich für den rund 85 Kilometer langen Abschnitt der Trasse auf deutschem Gebiet hat die Projektgesellschaft Nordstream 2 einen Großteil der Ökopunkte aus der Renaturierung der Fischlandwiesen erworben. Insgesamt überweist die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern 7,6 Millionen Euro.

Auf den Fischland- wiesen sind immer noch Öko-Punkte da.Daniel Schossow, Bürgermeister in Wustrow

Auch Ribnitz-Damgarten und Dierhagen profitieren. Die Bernsteinstadt erhält neben einer Grundentschädigung gut 1,1 Millionen Euro. Dierhagen erhält zehn Prozent des Anteils für Ribnitz-Damgarten.

Dem Abschluss gingen laut des Wustrower Bürgermeisters Daniel Schossow (SPD) zähe Verhandlungen voraus.

Auch der Stromnetzbetreiber 50 Hertz hatte in der Vergangenheit bereits kleinere Kontingente von Öko-Punkten erworben. Auch nach der „Einkaufstour“ von Nordstream 2 „bleibt noch immer etwas übrig“, wie der Wustrower Bürgermeister sagt. Derzeit befinden sich die Beteiligten in Nachverhandlungen, allerdings würden die nicht mehr innerhalb der laufenden Legislaturperiode bis Mai kommenden Jahres beendet werden.

Als „perfekte Vereinigung von Ökologie und Ökonomie“ hatte Schossow die Renaturierung der Fischlandwiesen bezeichnet. Gut 218 Hektar ehemaligen Graslandes können nun zeitweise überflutet werden.

Dafür wurde das Areal neu eingedeicht – mit einem 3,4 Kilometer langen Wall. Der bestehende Deich zum Bodden wurde geöffnet, sodass die Fläche überflutet werden kann. Ziel ist die Wiederherstellung eines natürlichen Wasserregimes. Die zeitweilig überfluteten Flächen sollen neue Lebensräume für viele selten gewordene Pflanzen und Tiere bilden.

Während sich die Dierhäger Bürgermeisterin Christiane Müller (Linke) erst einmal von der konkreten Summe für ihr Ostseebad „angenehm überraschen lassen“ will, werden in der Nachbarkommune auf dem Fischland schon konkrete Pläne geschmiedet. Zu allererst will der Bürgermeister dort einen Nachtragshaushalt auflegen. Schließlich entspricht der Gewinn aus dem Verkauf von Öko-Punkten etwa dem doppelten regulären Haushaltsvolumen Wustrows. Während der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses der Gemeindevertretung am Donnerstagabend wurde der bevorstehende Geldsegen schon mal diskutiert.

Den Straßenbau komplettieren, bezahlbaren Wohnraum schaffen und ein Planetarium bauen – das steht bei Daniel Schossow ganz oben auf der Wunschliste. „Wir haben Flächen und Möglichkeiten“, sagt der Bürgermeister. Gemeint ist damit unter anderem das Grundstück der einstigen Kindertagesstätte in der Osterstraße. Gleichwohl werde der kommunale Wohnungsbau in Wustrow nicht die Größenordnung in Zingst erreichen. Dort hatte die Kommune knapp 60 Mietwohnungen gebaut, nachdem sich für das Unterfangen trotz intensiver Bemühungen kein privater Investor erwärmen konnte.

Der Bau eines Planetariums mit der geretteten Technik der einstigen Seefahrtschule scheint mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Öko-Punkten wieder mehr in den Fokus zu rücken. Ursprünglicher Plan war, ein Planetarium in dem einst geplanten Neubau des Leuchtfeuers nahe des Windrades zu installieren. „Dazu gibt es Alternativen“, sagt Daniel Schossow.

Umweltausgleich

7,6 Millionen Euro überweist die Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern als Verwalterin der Öko-Konten an Wustrow, Ribnitz-Damgarten und Dierhagen.

Wustrow erhält aus dem Verkauf von Öko-Punkten der renaturierten Fischlandwiese an den Pipeline-Bauer Nordstream 2 annähernd sechs Millionen Euro. Den Rest teilen sich die Bernsteinstadt und Dierhagen. Das Ostseebad erhält zehn Prozent des Anteils von Ribnitz-Damgarten.

85 Kilometer der zweiten Gas-Pipeline von Russland erfolgen auf deutschem Gebiet. Dafür muss ein Umweltausgleich gezahlt werden.

Timo Richter

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