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Ribnitz-Damgarten Ohne Dampf kein Zucker
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ohne Dampf kein Zucker
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00:00 29.09.2017
Die Barther Zuckerfabrik in den 1930er-Jahren. Damals boomte die Wirtschaft in Barth. Durchschnittlich 150 Menschen arbeiteten in der Zuckerrübenproduktion – dazu kamen noch etwa 150 Saisonarbeiter. Quelle: Foto: Gerd Erwied
Barth

Am 2. Oktober 1892 nahm die Zuckerfabrik in Barth ihren Betrieb auf. Sie wurde von 200 italienischen Maurern binnen eines Jahres errichtet. Für die Stadt war es ein Feiertag – die geschmückten Rübenfuhrwerke wurden von einer Blaskapelle angeführt. Und auch 125 Jahre später feiern die Barther den Eröffnungstag. Am Sonntag öffnet das kleine Museum seine Tore für Besucher.

Der Niedergang des Barther Traditionsbetriebes kam völlig unverhofft. Obwohl unmittelbar zuvor noch einmal kräftig in Anlagen und Steuerungen investiert worden war, ging die Fabrik nach der Verarbeitung der letzten Rüben im Dezember 1990 außer Betrieb. Das gleiche Schicksal traf im Nordosten der ehemaligen DDR auch die Zuckerfabriken in Tessin, Demmin, Jarmen, Friedland, Prenzlau und Stralsund. Die Rübenverarbeitung wurde fortan in Anklam konzentriert, wo nach umfangreichen Investitionen täglich 12 000 Tonnen Rüben verarbeitet werden.

Als um das Jahr 2000 damit begonnen wurde, das Gelände des weitläufigen Barther Betriebes für den geplanten Wirtschaftshafen zu erschließen und die ehemaligen Betriebsgebäude abzureißen beziehungsweise zu verkaufen, fanden sich engagierte Technikfreunde zur Interessengemeinschaft „Barther Dampfmaschinen“ zusammen.

Die ersten Mitglieder einte der Wille zur Rettung des original erhaltenen Maschinenhauses, dem Herz des einstigen Betriebes mit der 1000-PS-Dampfmaschine und dem Siemens-Schuckert-Generator. Von hier aus wurde die Fabrik seit den 1920er-Jahren mit Elektrizität versorgt, so dass sie – als der Energiebedarf noch nicht so hoch war – sogar autonom arbeiten konnte. Das Vorhaben unter der Leitung des IG-Vorsitzenden und letzten Betriebsleiters, Siegmar Goretzki, gelang vorbildlich. Seither ist das Aggregat das Prunkstück einer mittlerweile viel größer gewordenen Ausstellung.

Die Technikenthusiasten aus der Region haben mittlerweile die Präsentation und Demonstration aller herkömmlichen Antriebstechnologien des 19. und 20. Jahrhunderts zu ihrem erklärten Ziel gemacht und innerhalb von 17 Jahren eine kleine, aber repräsentative Sammlung exzellent restaurierter Antriebs- und Transmissionsmaschinen aufgebaut.

Regelmäßige Besucher des kleinen Museums können immer wieder etwas Neues entdecken. So zum Beispiel den leuchtend roten 200-PS-Schiffsdiesel vor dem Maschinenhaus, funktionstüchtige und auf Rollwagen montierte Kleinmotoren der Marken Deutz, Faryman und Güldner sowie als Exoten einen Mazda-Wankelmotor. Zum 125. Jahrestag der Inbetriebnahme der einstigen Barther Zuckerfabrik wird die IG Barther Dampfmaschinen am Sonntag von 11 bis 16 Uhr die Tore ihres Maschinenhauses am alten Wirtschaftshafen für einen außerplanmäßigen Schautag öffnen.

Interessierte Einheimische und Urlauber, vor allem aber Kinder und Jugendliche, sind herzlich eingeladen, die restaurierten, aus Sicherheitsgründen druckluftbetriebenen Dampf- und Arbeitsmaschinen im laufenden Betrieb zu erleben.

Maßstabsgerechte Dampfmodelle unter Echtdampf werden die Augen von Vätern und Söhnen gleichermaßen glänzen lassen. Die Vereinsmitglieder stehen ihren Gästen für Erläuterungen und Informationen zur Verfügung.

200 italienische Maurer bauten die Zuckerfabrik

Im Jahre 1891/92 ließ die Maschinenfabrik Wernicke aus Halle an der Saale als Generalauftragnehmer in Barth eine Zuckerfabrik, die Barther Aktien-Zuckerfabrik, bauen.

Aktieninhaber waren gleichzeitig eine Reihe von Landwirten aus dem Territorium, so unter anderem aus Löbnitz und Karnin. Die Stadt unterstützte den Bau mit 30 000 Reichsmark. Fast zeitgleich entstand in Stralsund ein Konkurrenzunternehmen. Die Verkehrsanbindung durch die Bahn und der Wasserweg begünstigten aus damaliger Sicht den Standort Barth.

Volker Stephan

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