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Ribnitz-Damgarten „Ohne Handball geht’s bei mir nicht“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Ohne Handball geht’s bei mir nicht“
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00:06 13.06.2018
Die Männermannschaft des Ribnitzer HV peilt in der Saison 2018/19 eine bessere Platzierung an als im Vorjahr, als sie Tabellenneunter wurde. FOTOS (2): TOMMY BASTIAN
Ribnitz-Damgarten

Gestern Abend war Trainingsauftakt bei den MV-Liga-Handballern des Ribnitzer HV für die Saison 2018/19. Der neue Trainer Philipp Kaiser bat zum Stundenlauf mit Puls-Uhr und Zwischenzeitmessung. Vor der ersten Einheit sprach der 26-Jährige über seine Ziele mit der Mannschaft, wie er diese erreichen will und über das frühe Ende seiner aktiven Karriere.

Philipp Kaiser musste seine aktive Karriere früh beenden, mit nur 26 ist er jetzt A-Lizenz-Trainer

Philipp, was hat Sie bewogen, nach gerade bestandener A-Lizenz-Prüfung zum Ribnitzer HV zu wechseln?

Nach meinem Aus beim HC Empor habe ich während des Trainerlehrgangs einfach wieder Lust auf Handball verspürt. Und die Ribnitzer Verantwortlichen haben sich sehr um mich bemüht, das hat mir imponiert.

Worauf freuen Sie sich am meisten?

Auf die Heimspiele in einer gut gefüllten Sporthalle Am Mühlenberg. Ich habe gehört, dass der RHV im Vorjahr 180 Dauerkarten verkauft hat. Das Umfeld habe ich in den vergangenen Jahren durch die Teilnahme am Bernstein-Cup kennengelernt. Jetzt bin ich gespannt auf neue Erfahrungen und Reize im semiprofessionellen Bereich und mit Männern, die den Handball mit Job und Familie vereinbaren müssen.

Sie sind noch ein sehr junger Trainer. Haben Sie großen Respekt davor, mit Spielern zu arbeiten, die älter sind?

Respekt vor dem Gegenüber gehört im Sport und Leben dazu. Vor allem spüre ich allerdings eine riesige Vorfreude auf die neue Herausforderung.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Das hängt von der Mannschaft ab. Wir müssen uns erst einmal kennenlernen. Auf alle Fälle will ich mit Kompetenz und Menschlichkeit punkten. Früher habe ich nur aus dem Bauch heraus entschieden.

Allerdings waren Psychologie, Coaching und Gesprächsführung Schwerpunkte der A-Lizenz- Ausbildung beim DHB. Dort konnte ich tolle Erfahrungen und Erkenntnisse gewinnen, die ich fortan nutzen will.

Lassen Sie sich siezen oder duzen?

Ich werde mich natürlich duzen lassen. Alles andere wäre affig (schmunzelt).

Sie starten mit einem Stundenlauf. Was versprechen Sie sich davon?

Die Daten aus dem Lauf inklusive Pulsuhren und Zwischenzeitmessung sowie aus einem sogenannten Shuttle-Run, den wir bereits vor einiger Zeit durchgeführt haben, werden uns ermöglichen, individuelle Trainingspläne zu erstellen. So kann ich jeden einzelnen Spieler da abholen, wo er konditionell wirklich ist.

Klingt professionell. Sie haben doch nicht die A-Lizenz gemacht, um in der fünften Liga zu trainieren – oder?

Den A-Lizenz-Lehrgang absolvierst du, wenn du oben ankommen willst. Ich hätte auch Angebote annehmen und anderswo als hauptamtlicher Trainer arbeiten können. Allerdings fühle ich mich in der Region wohl. Meine Freundin und ich sind zufrieden mit unseren beruflichen Perspektiven. Daher will ich den Handball erst einmal nebenbei machen.

Das heißt, Ihr Engagement in Ribnitz wird eher von kurzer Dauer sein?

Das muss es nicht heißen. Ich kann mir auch vorstellen, längere Zeit zu bleiben. Allerdings kann und will ich keine Versprechungen machen, die ich möglicherweise nicht halten kann. Auf alle Fälle ist der Aufwand in Ribnitz mit zwei bis drei Trainingseinheiten in der Woche nicht so groß wie zuletzt bei Empor, wo ich achtmal trainiert habe. Daher passt es aktuell gut.

Wie gut kennen Sie Ihr neues Team?

Wir haben vor der Sommerpause ein Kennenlern-Training durchgeführt, in dem ich sehen wollte, wie fit die Jungs sind, wie sie sich auf dem Feld verhalten und im Kollektiv miteinander umgehen. Ihr Auftreten und ihr Ehrgeiz haben mir imponiert.

Was ist mit der Truppe drin?

Die MV-Liga hat in der Spitze zugelegt. Wismar, Güstrow und Warnemünde haben gute Teams und Ambitionen. Mit diesen Mannschaften wollen wir uns messen. Allerdings will ich mich auf keine Platzierung festlegen. Entscheidend ist, dass sich unsere Spieler verbessern und dass wir uns als Team weiterentwickeln wollen.

Soll die Mannschaft noch verstärkt werden?

Wir haben bislang 15 bis 16 Spieler. Das ist von der Quantität in Ordnung. Neu dabei sein werden Nick Meyer und Tom Moritz, die ich aus meiner Zeit beim HC Empor gut kenne. Sie kommen aus der Bundesliga-A-Jugend. Schön wäre es, wenn wir noch einen Linkshänder bekommen, der als Rechtsaußen und/oder im rechten Rückraum agieren kann.

Wie kommt es überhaupt, dass Sie so jung Trainer geworden sind?

Das ist eine lange Geschichte. Ich habe irgendwie anatomisch schlechte Kniegelenke. 2007 beim SC Magdeburg hatte ich dort erstmals größere Probleme, spielte oft unter Schmerzen. In meiner Zeit beim heutigen Chartres Métropole Handball 28 in Frankreich (Sommer 2010 bis Sommer 2012/d. Red.) wurden die Probleme immer größer. Irgendwann rissen mir beide Patellasehnen – erst im einen, dann im anderen Knie. Deshalb habe ich früh als Spieler aufgehört.

Wie sind Sie mit dem früheren Karriere-Ende umgegangen?

Anfangs war es schwierig. Aber der Übergang vom Spieler zum Trainer war ja quasi fließend. Ich will nicht nachtrauern, bin zufrieden mit dem, wie es jetzt ist. Klar ist: Ohne Handball geht es bei mir nicht.

Haben Sie ein Trainer-Vorbild?

Ja, Benneth Wiegert vom SC Magdeburg. Bei ihm habe ich im vergangenen Jahr im Rahmen meiner A-Lizenz-Ausbildung drei Wochen lang hospitiert. Er arbeitet enorm akribisch, das war beeindruckend. Allerdings haben wir viele gute deutsche Trainer. Auch Christian Prokop, unter dem ich am Sportgymnasium Magdeburg mein Frühtraining hatte, und Sven Liesegang, mein Coach bei Eintracht Glinde in der Drittliga-Saison 2008/09, haben mich beeinflusst.

Interview: Tommy Bastian

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