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Ribnitz-Damgarten Immer mehr Menschen lassen sich einäschern
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Immer mehr Menschen lassen sich einäschern
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06:58 02.04.2014
Urnengemeinschafts-Stelle Alter Friedhof Ribnitz. Wolfgang Cypa (55) hält den Weg zwischen den Rasenflächen in Ordnung. Fotos (2): Paula Mittermayer

Die Zahl der traditionellen Erdbestattungen auf den fünf Friedhöfen der Stadt Ribnitz-Damgarten ist drastisch zurückgegangen. Lag das Verhältnis von Erd- zu Urnenbestattungen 1994 noch bei 43 Prozent zu 57 Prozent, so sind es heute zwölf zu 88 Prozent.

„Pro Jahr haben wir 200 Bestattungen auf den fünf Friedhöfen der Stadt, davon sind nur noch 25 Erdbestattungen“, informierte Friedhofsverwalter Matthias Paul in der Sitzung des Umwelt- und Landwirtschaftsausschusses Ribnitz-Damgarten.

Das normale Urnengrab werde von vielen Menschen gewählt, weil es am preisgünstigsten sei, sagte Paul. Urnenrasengräber und Erdrasengräber hingegen liegen preislich dicht beieinander. Der Trend zum Urnengrab sei ungebrochen, weil es pflegeleichter und damit für Hinterbliebene, die weit weg von Ribnitz-Damgarten leben, eine Alternative sei. Außerdem gebe es viele Angehörige, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage seien, ein traditionelles Erdgrab zu pflegen. 70 Prozent aller Bestattungen finden auf dem Alten Friedhof Ribnitz statt, 30 Prozent verteilen sich auf die anderen vier Friedhöfe. Auf dem Alten Friedhof in Ribnitz gebe es derzeit 270 Urnenrasengräber, erläuterte Paul weiter. Pro Jahr würden 30 hinzukommen. Im kommenden Jahr müsse man neue Flächen erschließen.

Die Veränderungen bei der Art und Weise der Bestattungen habe Auswirkungen auf die Bewirtschaftung der Friedhöfe, machte Matthias Paul deutlich. „Auf uns kommt in den nächsten Jahren durch die Zunahme der Urnen- und Erdrasengräber und die immer größer werdenden nicht mehr benötigten Freiflächen ein erhöhter Pflegeaufwand zu.“ Daneben seien auch die Ehrengräber und Soldatengräber zu pflegen. Außerdem gibt es 130 Grabpflegeverträge.

Ausschussvorsitzender Johannes Schabow (CDU/FDP) sagte, dass es noch vor gar nicht allzu langer Zeit Befürchtungen gegeben habe, dass der Platz auf den fünf städtischen Friedhöfen einmal knapp werden könnte. Jetzt sei auf Grund der Veränderungen in der Bestattungskultur das Gegenteil der Fall. Da stelle sich aus seiner Sicht die Frage, was eigentlich mit den nicht mehr benötigten Flächen passieren solle. Paul: „Da müssen wir langfristig planen. Denkbar ist es, diese Friedhofsareale in parkähnliche Flächen umzuwandeln“.

Ausschussmitglied Reinhardt Röwer (Die Unabhängigen) erinnerte daran, dass die Friedhöfe auch die Geschichte der Stadt widerspiegeln. Bei der Sicherung und Pflege der Ehrengräber habe sich die ehemalige Chefin der Friedhofsverwaltung, Brunhild Mickley, große Verdienste erworben. „Daran dürfen wir nicht rütteln. Diese Grabstätten müssen unbedingt erhalten bleiben“, sagte Röwer.

Eine Stadt — fünf Friedhöfe
5 Friedhöfe gibt es in der Stadt Ribnitz-Damgarten: Alter und Neuer Friedhof in Ribnitz, Alter und Neuer Friedhof in Damgarten und Friedhof Freudenberg. Der größte ist der Alte Friedhof Ribnitz, dort finden 70 Prozent aller Bestattungen statt. Auf dem Alten Ribnitzer Friedhof befinden sich unter anderem Soldatengräber des Ersten Weltkrieges und der ruhende Jüdische Friedhof. Weiterhin u.a. die Gräber des Volksprofessors Richard Wossidlo und von Karl Krambeer. Letzterer war Rektor der Ribnitzer Stadtschule und Verfasser der 1938 erschienenen Chronik von Ribnitz. Außerdem befindet sich hier das Grab von Ulrich Steinhauer, der 1980 an der Mauer von einem anderen Soldaten, der fliehen wollte, erschossen wurde.



Edwin Sternkiker

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