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Nicht nur mit Loris auf Tuchfühlung

Die Direktkandidatin im Wahlkreis 15: Angela Merkel (CDU) Nicht nur mit Loris auf Tuchfühlung

Die Bundestagsabgeordnete der Christdemokraten kommt gern in die Region.

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Der Abstecher in die Lori-Voliere des Marlower Vogelparkes im April dieses Jahres machte der Kanzlerin offensichtlich besonders viel Freude.

Quelle: Franzi Zöger

Marlow. Kritiker mögen ihr vieles vorwerfen, aber eines mit Sicherheit nicht: dass sie sich zu wenig im „schönsten Wahlkreis“ überhaupt, wie sie ihn oft nennt, sehen lässt.

Wann immer ein Wahlkampf ruft, Angela Merkel (59) beginnt die Werbetour in Zingst. Da hat sie mit dem Bürgermeister Andreas Kuhn (48) nicht nur einen glühenden Verfechter christdemokratischer Vorstellungen, in dem Seeheilbad wächst die Kanzlerin und CDU-Chefin auch schon mal über sich hinaus und offenbart Seiten, die im politischen Alltag allzu oft verborgen bleiben.

Es liegt zwar schon ein wenig zurück, aber Andreas Kuhn erinnert sich, als wäre es gestern gewesen. Das Richtfest der neuen Schulküche sollte durch die Anwesenheit der Kanzlerin nicht nur die richtige Würze, sondern auch die angemessene Bedeutung erhalten. Und als Angela Merkel zu dem Anlass in die vielen freudestrahlenden Kindergesichter blickt, war sie auf einmal gar nicht mehr die Coole, Unnahbare. Ganz entspannt verließ Angela Merkel den vom Protokoll vorgegebenen Weg, schüttelte Kinderhände, lachte . . . „Das hätte ich ihr gar nicht zugetraut“, sagt ein noch lange Zeit später beeindruckter Andreas Kuhn. Er habe gemerkt, dass der Kanzlerin Kinder „richtig doll am Herzen liegen“.

Und auch sonst ist Merkel in der Region präsent: Sie fütterte die Loris im Vogelpark Marlow, aß mit US-Präsident George Bush in Trinwillershagen Wildschwein am Spieß und besuchte das Ribnitzer Kloster.

„Sie war sicher schon zehn Mal bei uns in Trinwillershagen“, berichtet Olaf Micheel, Besitzer der Gaststätte „Zu den Linden“ in Trinwillershagen. „Sie ist sehr natürlich, sehr bodenständig und bürgernah. In den Gesprächen auf den Neujahrsempfängen reden wir über alltägliche Dinge. Sie fragt zum Beispiel, wie es meiner Tochter geht.“ Ein Thema sei auch immer das Wildschwein am Spieß. 2005 hatte Olaf Micheel die Spezialität zum ersten Mal für Angela Merkel gemacht, als sie im Kulturhaus in Trinwillershagen zur Direktkandidatin des Wahlkreises gekürt wurde. „Damals habe ich noch gedacht: Wenn sie Kanzlerin wird, siehst du sie nie wieder. Aber da habe ich mich getäuscht. Seitdem ist sie sogar noch häufiger hier.“

Erst im April dieses Jahres stattete Merkel dem Vogelpark Marlow einen Besuch ab. Das Foto der Bundeskanzlerin, wie sie gut gelaunt mit den Loris auf Tuchfühlung ging, machte weit über Deutschland hinaus die Runde. „Für uns war das natürlich eine tolle Werbung“ freut sich Vogelparkchef Matthias Haase noch heute. „Ich war erstaunt, wie gut informiert und entspannt sie war. Sie ging auch auf die Mitarbeiter des Vogelparkes zu, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen.“ Und trotz eines ziemlich engen Zeitkorsetts habe sie sich Zeit genommen.

Sehr gut kann sich Axel Attula, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten, an den Besuch von Angela Merkel im Mai 2010 erinnern. Damals wurde die Klosterkirche mit ihrer lang vorbereiteten Ausstellung zur Kloster- und Stiftsgeschichte eröffnet. Attula: „In ihrer Rede erinnerte sie an die Heilige Beate von Ribnitz, die Glückselige, und daran, dass Glück nur durch die Zuwendung zu einem anderen entstehen kann.“ Für eine kleine Führung durch die neu inszenierten Klosterschätze waren knappe 15 Minuten Zeit. „Als Pastorentochter nicht unvertraut mit der klösterlichen Welt war sie sehr interessiert an den so intimen Funden aus dem Nonnengestühl“, erinnert sich Attula.

Merkel selbst hält die Besuche in ihrer „politischen Heimat“ für sehr wichtig. „Ich erfahre direkt, wie die Politik bei den Menschen ankommt, und erhalte Impulse und Ideen, die in meine politische Arbeit in Berlin einfließen.“ Denn die Menschen in Vorpommern nähmen „kein Blatt vor den Mund“.

Natürlich bläst Angela Merkel auch immer wieder Gegenwind aus der Region entgegen. Gewerkschafter Volker Schulz, DGB-Vorsitzender in Vorpommern, kritisiert den Merkel-Wahlkreis als „Billiglohn-Region. Der Tourismus ist wie eine Monokultur. Es gibt ein großes Lohngefälle. Nur 30 Prozent der Unternehmen sind tarifgebunden“.

Serie

Bundestagswahl

2013

Von der Naturwissenschaftlerin zur Bundeskanzlerin
Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg-Barmbek-Nord als erstes von drei Kindern des Theologen Horst Kasner (1926-2011) und seiner Frau Herlind geboren.


Noch im selben Jahr siedelte die Familie in die DDR über, wo der Vater eine Pfarrstelle antrat. 1957 zogen die Kasners nach Templin. Hier legte Tochter Angela auch das Abi ab — mit einem Durchschnitt von 1,0.


In Leipzig studierte Angela Merkel Physik. Bei einem Jugendaustausch traf sie mit ihren ersten Mann, Ulrich Merkel, zusammen. Mit dem Physiker war sie bis 1982 verheiratet. An der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo sie auch ihren Doktor machte, lernte sie 1984 ihren Ehemann kennen. Den Quantenchemiker Joachim Sauer heiratete sie 1998.


1990 trat Angela Merkel im Bundestagswahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen zum ersten Mal für die CDU als Direktkandidatin an. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 gewann sie mit 48,5 Prozent der Erststimmen. Bundeskanzler Helmut Kohl machte „sein Mädchen“ überraschend zur Ministerin für Frauen und Jugend. Bei der Bundestagswahl am 16. Oktober 1994 erreichte sie 48,6 Prozent der Erststimmen und wurde Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (bis 1998).


Die Bundestagswahl am 27. September 1998 endete für die Union mit einem Debakel. Die Kohl-Regierung wurde abgewählt. Merkels Erststimmenanteil sank auf 37,3 Prozent.


2000 wurde sie zur CDU-Bundesvorsitzenden gewählt.


Seit dem 22. November 2005 ist Angela Merkel Bundeskanzlerin. Die Naturwissenschaftlerin war damit nicht nur die erste Frau, sondern mit 51 Jahren auch die Jüngste in diesem Amt.

Zum Wahlkreis 15 gehören der Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Greifswald und das Amt Landhagen (beides Landkreis Vorpommern-Greifswald).


Als Direktkandidaten im Wahlkreis 15 treten neben Angela Merkel noch Kerstin Kassner (Die Linke, OZ vom 1. August), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen, OZ vom 8. August), Sonja Steffen (SPD, OZ vom 15. August), Gino Leonhard (FDP, OZ vom 22. August), Michael Adomeit (parteilos, OZ vom 27. August), Susanne Wiest (Piraten, OZ vom 29. August), Jürgen Dettmann (Freie Wähler, OZ vom 3. September) und Michael Andrejewski (NPD) an.

 

 

Marlies Walther, Anika Hoepken, Timo Richter und E

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