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Ribnitz-Damgarten Politikstunde mit Joachim Gauck
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Politikstunde mit Joachim Gauck
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18:54 29.11.2017
Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck gab im Wossidlo-Gymnasium Einblicke in seine Amtszeit, die im März endete. Der 77-Jährige war der elfte Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland. Quelle: Robert Niemeyer
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Ribnitz-Damgarten

Eine Unterrichtsstunde der besonderen Art erlebten am Mittwoch Schüler der 10. und 11. Klassen des Richard-Wossidlo-Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten. Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck stattete der Schule einen Besuch ab. Knapp zwei Stunden lang erzählte der 77-Jährige aus seinem bewegten Leben zwischen DDR-Sozialisation und Weltpolitik.

Grenzen des Amtes

Der Vorteil dabei: Da er seit März diesen Jahres nicht mehr das höchste Amt in der Bundesrepublik bekleidet, konnte Gauck die Fragen der Schüler sehr viel offener beantworten. „Es gibt durch das Amt bedingte Zwänge. Das macht nicht immer Spaß“, sagte der gebürtige Rostocker. Er habe oft seine persönliche Meinung im Sinne diplomatischer Verständigung zurückstellen müssen, etwa bei seinen Reisen in die Türkei oder nach China. „Da möchte man auf den Putz hauen“, so Gauck. Der Bundespräsident sei jedoch vor allem Repräsentant Deutschlands. „Es gibt Grenzen, die einem das Amt auferlegt.“ Gleichwohl habe er diese Grenzen ausgetestet.

„Ich fand es sehr interessant. Über einige Dinge habe ich noch gar nicht nachgedacht“, sagte Agathe Bender. Die 14-Jährige kam zudem in den Genuss eines persönlichen Fotos mit Joachim Gauck, der vor einigen Jahren ihre Eltern getroffen hatte. „Er ist sehr sympathisch“, sagte Agathe Bender.

Lieber Groko als Neuwahlen

Sie und ihre Mitschüler hatten reichlich Fragen vorbereitet. Eines der brennendsten Themen war die aktuelle bundespolitische Lage. Eine Minderheitsregierung oder eine Jamaika-Koalition fände Gauck interessant. „Manchmal ist das Ausprobieren von etwas Neuem nicht schlecht“, sagte er. Zielführender wäre aber eine erneute große Koalition. Im Vergleich zu anderen Ländern in Europa hätten CDU/CSU und SPD „gar nicht so schlecht gearbeitet“. Für Neuwahlen sei er dagegen nicht. „Da kommt ungefähr dasselbe raus.“

Der Besuch des ehemaligen Bundespräsidenten war zustandegekommen, weil die Großeltern von Melanie Reiche, einer Schülerin des Gymnasiums, sehr eng mit Gauck befreundet seien. Die Lehrer nahmen die Gelegenheit dankend an. „Es ist eine Ehre, dass ein ehemaliger Bundespräsident unsere Schule besucht“, sagte Schulleiterin Sigrid Schermuk, die betonte, dass es von Gauck ein gutes Signal an die Schüler gewesen sei, auf die Eigenverantwortung der Menschen hinzuweisen.

Freiheit heißt Verantwortung

„Die Freiheit der Erwachsenen heißt Verantwortung.“ Dieser Satz sei laut Gauck prägend für seine Amtszeit als Bundespräsident. Gerade in den neuen Bundesländern gebe es aber eine Fremdheit gegenüber einer offenen Gesellschaft. „Von 1933 bis 1989 gab es im Nordosten keine Demokratie“, betonte der 77-Jährige. Über zwei Generationen sei eine gegenüber dem Staat eher zurückhaltende Haltung entstanden, das Selbstverständnis als autonomer Bürger fehle.

Jungen Menschen wie den Schüler des Wossidlo-Gymnasiums würden sich jedoch alle Möglichkeiten der freiheitlichen Gesellschaft bieten. „Man kann nach oben kommen“, sagte Gauck, der den Zehnt- und Elftklässlern Mut zusprach, selbst Verantwortung zu übernehmen, ob für die Schülerzeitung oder als Schülersprecher oder später als Erwachsener in Gemeindevertretungen, Verbänden oder Gewerkschaften.

Robert Niemeyer

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