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Provinzposse um ein Luftgewehr

Ribnitz-Damgarten Provinzposse um ein Luftgewehr

Eine Divitzerin stand in Ribnitz wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht — trauriger Höhepunkt eines Nachbarschaftsstreites.

Ribnitz-Damgarten. Bis zuletzt war sich die Angeklagte Maria Q. (32, Name geändert) keiner Schuld bewusst. Die 32-Jährige stand gestern wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz vor Gericht. Sie soll nach einem Streit im Herbst 2012 ein Luftgewehr auf ihren Schwager Martin K. (36, Name geändert) gerichtet haben.

Während der Verhandlung am Amtsgericht Ribnitz-Damgarten berichtete die Divitzerin, wie K. sie und ihren Lebensgefährten in dem vor drei Jahren gemeinsam gemieteten Haus von Anfang an provoziert und drangsaliert habe: „Mal war der Schuppen zugeparkt, dann der Briefkasten mit Schnee zugeschaufelt. Irgendwas war immer. Und leider hält meine Schwester zu ihrem Lebensgefährten.“

Der jahrelange Streit eskalierte im Herbst 2012. Maria Q. rief die Polizei, als Martin K. sie nach ihren Angaben lautstark bedrohte. Da jedoch keine unmittelbare Gefahr bestand, kam es nur zu einer Verwarnung des Schwagers durch die Beamten. „Am Abend dann wurde er richtig aggressiv, hat an unsere Wohnungsfenster gespuckt und stieß üble Drohungen aus“, sagte die Angeklagte. Als er an ihrer Tür stand, habe sie aus Angst vor ihm ein Luftgewehr aus DDR-Zeiten geholt, das er ihr aber entreißen wollte. „Ich habe mich und die Kinder massiv bedroht gefühlt“, erklärte Martin K. vor Gericht.

Deshalb habe er Anzeige gegen sie erstattet. An dem besagten Abend sei sogar ein Schuss losgegangen, behauptete er. Aber glücklicherweise sei niemand getroffen worden.

Maria Q. bestritt das jedoch vehement. Einen Schuss könne es gar nicht gegeben haben, da sie für das Gewehr überhaupt gar keine Munition habe.

Richter Neumann stellte klar, dass der Besitz eines Luftgewehres nicht verboten sei, weil davon im Sinne des Gesetzes keine Bedrohung ausgehe. Auf eigenem Boden dürfe man ein Luftgewehr besitzen.

Eine Bedrohung sei es, wenn Gefahr für Leib und Leben ausgehe, wenn beispielsweise jemand sagt: „Ich schlag dich tot.“

Dem Gericht lagen das Luftgewehr sowie ein Gutachten eines Büchsenmachermeisters über die Waffe vor. Das hatte Q.s Rechtsanwalt Diethard Guse (61) in Auftrag gegeben. Das Gutachten bestätigte, dass von dem Gewehr keine Gefahr ausgeht.

Am Ende sah der Richter den Tatbestand des Verstoßes gegen das Waffengesetz nicht erfüllt. Das Verfahren gegen Maria Q. wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Die Kosten trage die Staatskasse, sagte Guse. Muss denn ein solcher Nachbarschaftsstreit vor Gericht landen? Auseinandersetzungen dieser Art könnten auch anders geschlichtet werden, durch Einberufung eines Familienrates beispielsweise, sagt Guse.

Wilma Welzel

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