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Ribnitz-Damgarten Ran an die Töpferscheibe!
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ran an die Töpferscheibe!
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00:00 08.03.2013
Andrea Schlief setzt ihren Raku-Ofen in Gang. Quelle: Volker Stephan
Saal

Die Regale in der Töpferei Löber in Saal werden am Wochenende zum Tag der offenen Töpferei prall gefüllt sein. Am Mittwoch wurden die letzten Stücke aus dem 1,5 Kubikmeter großen Brennofen geholt. „Wir brennen mit Holz“, berichtet Charis Löber (50), die mit ihrem Mann Reinhart vor 33 Jahren den Töpferhof eröffnete. Auch Tochter Jasmin (28) — derzeit allerdings mit ihrem zweiten Kind in Mutterschutz — und Schwiegersohn Tonio Schmidt (30) arbeiten hier.

In den ersten Jahren brannten Charis und Reinhart Löber die Keramikstücke noch in einem Elektro-Ofen, stiegen dann allerdings um. Sowohl den ersten sechs Kubikmeter großen Brennofen als auch das neue Modell hat der 59-Jährige selbst gebaut. Auch die drei Töpferscheiben stammen von ihm.

Zwei Kubikmeter Holz werden pro Brand in etwa verfeuert. Salzbrand heißt die spezielle Methode, denn am Schluss werden noch Sägespäne mit Kochsalz vermischt und in den Ofen, der eine Temperatur von 1300 Grad erreicht, gegeben. „Je heißer man brennt, desto dichter ist das Produkt“, erklärt die 50-Jährige. 15 Stunden bleiben die Tassen, Becher, Teller oder Vasen im Schnitt im Ofen — von 7 bis 22 Uhr. „Es kann aber auch schon mal nach Mitternacht werden, wenn das Holz nicht so trocken ist“, sagt die gebürtige Dresdenerin. Einmal im Monat wird in der Töpferei der Ofen angeschmissen.

Die Keramik-Liebhaber haben sich bislang jedes Jahr am Tag der offenen Töpferei beteiligt. „Vorher steht dann der Frühjahrsputz an. Das ist eine guter Anreiz“, sagt Charis Löber. Am Sonnabend und Sonntag dürfen die Besucher einen Blick in die Werkstatt werfen und haben auch die Möglichkeit, selber zu töpfern.

Auch die Keramiker Andrea Schlief (45) und Jan Mauersberger (41) öffnen am Wochenende ihre Pforten. Vor zwölf Jahren haben sich die beiden in Kronsberg niedergelassen. Mit viel Energie und Aufwand sanierten sie weitgehend originalgetreu ein altes Bauernhaus, richteten im gleichfalls wiederhergestellten Stallgebäude ihre Werkstatt ein und gestalteten den Hof nach ihren Vorstellungen mit viel Holz und Natursteinen. Hier leben auch ihre vier Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren sowie zwei ältere Katzen.

Während sich Andrea Schlief völlig dem Raku-Brand verschrieben hat und dafür einen Raku-Ofen in einer halboffenen Hofwerkstatt betreibt, wendet sich Jan Mauersberger gern auch anderen exotischen Verfahren wie dem Tonnenbrand zu. Dafür werden die Rohlinge in einer Stahltonne aufgeschichtet und mit brennbarem Material, wie kleinen Holzscheiten und Hobelspänen, umgeben. Nach dem Entzünden dauert der Brennvorgang bis zu zwölf Stunden, die Luftzufuhr erfolgt dabei über ein Rohr in der Vertikalachse der Tonne. „Es ist die abgewandelte Form des uralten Brennverfahrens afrikanischer Völker, nur dass bei denen statt der Tonne ein Erdloch als Brennofen dient“, erklärt die Keramikerin.

Am Sonnabend und Sonntag laden die beiden Kunsthandwerker auf ihren Hof ein. Während Andrea Schlief im Laufe des Tages mehrmals ihren Raku-Ofen in Gang setzen wird, will Jan Mauersberger einen Tonnenbrand vorbereiten und starten. Wer die Befüllung der Tonne mit Keramik und Brennstoff miterleben möchte, sollte sich am Sonnabend bis spätestens 10.30 Uhr einfinden. Geöffnet wird die Tonne dann am Sonntag nach dem langsamen Abkühlen.

Parallel zum Brenngeschehen will Andrea Schlief kleine Töpferkurse abhalten. Sicher wird auch die Galerie mit Gebrauchskeramik, Teekeramik, künstlerischen Unikaten und anderen Objekten viele Besucher in ihren Bann ziehen.

• Infos zu allen Werkstätten unter

www.tag-der-offenen-toepferei.de.
Die Töpfereien haben Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Je heißer man brennt, desto dichter ist das Produkt.“Charis Löber (50),

Keramikerin aus Saal

Volker Stephan und Anika Hoepken

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