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Ribnitz-Damgarten Rekordzahlen im Infozentrum — Neue Attraktion zum Saisonstart
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Rekordzahlen im Infozentrum — Neue Attraktion zum Saisonstart
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00:17 31.03.2015
Holzgestalter Siegfried Kümmel (r.) und Andreas Herzig, Mitarbeiter des Stadtforstes, stellten gestern die Drachenskulptur „Ribmoorli“ im Naturlehrpfad in Neuheide, gegenüber vom Infozentrum „Wald und Moor“, auf. Quelle: Anika Hoepken

Das Infozentrum „Wald und Moor“ in Neuheide erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Im vergangenen Jahr verzeichnete die touristische Einrichtung der Stadt Ribnitz-Damgarten eine Rekord-Gästezahl. Insgesamt kamen rund 10500 Menschen. Im Vergleich: 2013 waren es noch 8800 und 2007 insgesamt 7600 Besucher. Die Zahl der Wanderungen durch das Ribnitzer Große Moor hat sich inzwischen sogar verdreifacht: von 61 im Jahr 2007 auf inzwischen 180 Wanderungen im vergangenen Jahr.

„Seit 2012 machen wir die Wanderungen zu zweit. Das hat sich ausgezahlt“, berichtet Holger Tessendorf, der seit Mai 2012 im Infozentrum „Wald und Moor“ arbeitet und seit einiger Zeit bei der Stadt fest angestellt ist. Zwar sei sein Kollege Norbert Pusback mittlerweile in Rente, Wanderungen führe er aber immer noch durch.

Um in diesem Jahr die Rekordbesucherzahl von 2014 zu knacken, gibt es neue Angebote. „Wir wurden von der Stadt mit neuer Technik ausgestattet“, freut sich Tessendorf. Auf einem Flachbildfernseher können sich die Besucher nun die Live-Bilder aus dem Vogel- und dem Fledermausnistkasten ansehen. Für die kleinen Besucher gibt es Tastkästen, in denen unter anderem Wollgras oder Tannenzapfen versteckt sind.

Pünktlich zum Saisonstart hat das Schulungs- und Informationszentrum „Wald und Moor“ eine weitere Attraktion dazu bekommen. Eine acht Meter lange und drei Tonnen schwere Drachenskulptur ziert seit gestern den Naturlehrpfad. Holzgestalter Siegfried Kümmel hat den Drachen „Ribmoorli“ aus einem Eichenstamm in seiner Freiluftwerkstatt in Neuhaus angefertigt (die OZ berichtete). Andreas Herzig, Mitarbeiter des Stadtforstes, brachte den hölzernen Drachen gemeinsam mit dem Künstler an Ort und Stelle.

Stadtförster Falk Fleischer hatte den krumm gewachsenen Baum, der dem Orkan „Xaver“ zum Opfer gefallen war, ausgesucht. „Er hat nur zu mir gesagt ‘Mach was draus‘“, berichtet der Künstler. Drei Monate hat der Holzgestalter an der Skulptur gearbeitet und auch gleich eine kleine Geschichte mit dem Titel „Der kleine Drache vom Ribnitzer Moor“ geschrieben.

Holger Tessendorf ist sich sicher, dass der Drache gerade bei den kleinen Besuchern gut ankommen wird. Ab morgen hat das Infozentrum wieder täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ein großes Problem gebe es allerdings zum Saisonstart. Die drei MAE-Kräfte, früher Ein-Euro-Jobber genannt, die Tessendorf immer als Unterstützung bekam, können erst einen Monat später als bisher anfangen. „Die Maßnahme wurde auf sechs Monate verkürzt“, berichtet Tessendorf. Nun habe er Probleme, das Infozentrum zu besetzen, wenn er mit Wandergruppen unterwegs sei.

Vorzeigeprojekt: Renaturierung war ein großer Erfolg
Seit der Renaturierung des Ribnitzer Großen Moores ist die Vielfalt der Pflanzen- und Tierarten stetig gestiegen. „Wir haben hier Torfmoose, Heidekraut, Sonnentau und die Sumpf-Schwertlilie“, zählt Dr. Axel Precker nur einige Exemplare auf. „Und fast alle sind Heilpflanzen.“ In einem Vortrag informierte der Hamburger Diplomgeologe im Ribnitzer Rathaus über die Renaturierung des Moores. Vor 20 Jahren war Axel Precker zunächst an der Planung und Umsetzung der Arbeiten zur Renaturierung des Ribnitzer Großen Moores beteiligt. Seit einigen Jahren ist er auch für das so genannte Monitoring verantwortlich.
„Von den Mooren, die mir bekannt sind, die nach der Wende in MV renaturiert wurden, hat sich dieses am besten entwickelt“, erklärt der Diplomgeologe. Dass liege daran, dass es permanent Kontrollen gebe und die Stadt bei Problemen stets sofort reagiert habe. So misst ein Mitarbeiter des Stadtforstes alle zwei Wochen die Wasserpegel. „Das dauert fast einen ganzen Tag“, berichtet Stadtförster Falk Fleischer. Der Wasserspiegel im Moor sei um fast einen Meter gestiegen. Die Kosten übernimmt die Stadt Ribnitz-Damgarten. „Allein das jährliche Monitoring kostet rund 3500 Euro“, erklärt der Stadtförster. Wenn man alles zusammenrechne, komme man auf eine fünfstellige Summe.
Dabei bringe das Moor, das zahlreiche Touristen und auch Einheimische anziehe, nicht nur der Bernsteinstadt Nutzen. Auch Graal-Müritz und Dierhagen würden davon profitieren. „Eigentlich müssten sie sich auch an den Kosten beteiligen“, so Fleischer. Möglich sei aber auch eine Förderung, erklärte Axel Precker. „Die neue Förderperiode hat begonnen. Das Projekt passt perfekt dort hinein“, meint der Diplomgeologe. „Ribnitz-Damgarten sollte sich um eine Förderung bemühen.“
Dr. Axel Precker plant ein Buch über die Renaturierung des Ribnitzer Großen Moores. Wer noch alte Bilder hat, kann sich an ihn wenden (☎ 040/5133157, E-Mail:
a.precker@geoprecker.de)
Vor 14 Jahren eröffnet

10500 Besucher kamen im vergangenen Jahr ins Infozentrum „Wald und Moor“ in Neuheide, davon nahmen 3000 Besucher an Wanderungen durch das Ribnitzer Große Moor teil. Insgesamt gab es 180 Führungen im Jahr 2014.

2001 wurde das Infozentrum in Neuheide eröffnet.
Weitere Infos im Internet unter moorinfo.ribnitz-damgarten.de/de



Anika Hoepken

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