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Ribnitz-Damgarten Ricarda Heidig gibt Peterssons Hof auf
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ricarda Heidig gibt Peterssons Hof auf
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15:32 14.10.2017
Die Pächterin von Peterssons Hof in Born, Patricia Heidig, gibt nach wenigen Monaten aus gesundheitlichen und familiären Gründen auf. Quelle: Richter, Timo
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Born

Viel Energie hat Ricarda Heidig in Peterssons Hof in Born (Vorpommern-Rügen) investiert. Gut ein halbes Jahr später sind die Batterien der 44-Jährigen leer. Die gelernte Restaurant- und Hotelfachfrau hat den Pachtvertrag für das Restaurant im Herzen Borns zum Jahresende gekündigt – „schweren Herzens“, wie sie sagt. Aber Gesundheit und Familie gingen auf Dauer vor.

Verliebt in Peterssons Hof

Geradezu verliebt in die Gaststube wandert ihr Blick über Holz und Ziegel, bleibt an der prall gefüllten Kuchen- und Tortentheke hängen. Leise Musik perlt aus Lautsprechern, rund ein Dutzend Gäste staunen über die Tortenstück auf den Tellern vor ihnen. Davon Abschied zu nehmen, „das tut weh“, sagt Ricarda Heidig. Sie hat bewiesen, mit viel persönlichem Engagement „läuft der Laden. Das ist ein Goldstück.“ Doch jetzt drohte der persönliche Einsatz für die Gäste das eigene Leben zu beeinträchtigen. Darum die Kündigung des Pachtvertrages mit dem Borner Kurbetrieb. Weiterhin betreibt sie die Pension im Walsfischhaus am Borner Hafen.

Enttäuschung bei Kurbetriebsleiter

Von dem Aus zeigt sich der Leiter des Borner Kurbetriebs, Yves Scharmberg, enttäuscht. „Die Zahlen sehen sehr gut aus“, sagt er. Ausdrücklich sei die Kündigung nicht aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. Damit widerspricht er ersten Reaktionen auf die Kündigung im Internet, die er als „Stimmungsmache“ bezeichnet. Die Pacht sei nach dem Kauf nicht erhöht worden. Im Gegenteil, nun sei die Betreiberwohnung in dem Gebäude inklusive. Scharmberg geht davon aus, bis zum Jahreswechsel einen neuen Pächter gefunden zu haben. Erste Anfragen auf die seit wenigen Tagen online stehende Offerte seien bereits da.

Kontakt mit Gästen wichtig

Patricia Heidig wünscht der Kommune eine ehrgeizigen Pächter, der – wie sie – auf den Kontakt mit den Gästen setzt. Wenn die Gäste auf Peterssons Hof zur Ruhe gekommen sind, dann hat die Gastwirtin ihr Ziel erreicht. Mit dem selben Anspruch betreibe sie auch die Pension im Walfischhaus, beides zusammen mit dem eigenen hohen Anspruch zu führen, sei ohne Aufgabe des Privatlebens kaum zu schaffen.

Mit Konzept richtig gelegen

„So wie wir es gemacht haben“ – die Pächterin meint damit auch ihren ihren Lebensgefährten, der für das Wagnis einen Job in der Barther Werft aufgegeben hat, sowie den vier festangestellten Mitarbeitern und zwei Aushilfen – „funktioniert es.“ Dass Peterssons Hof auch künftig eine gute Adresse zum Einkehren ist, „liegt mir wirklich am Herzen“. Denn Peterssons Hof ist „ein tolles Objekt“. Gerade auch bei Einheimischen sei ihr Angebot gut angekommen. Geburtstage wurden gefeiert, Torten bestellt. Und etliche Karten von Urlaubern, die sich gerne an einen Aufenthalt in Peterssons Hof erinnern, bestätigen Ricarda Heidig, mit ihrem Konzept richtig gelegen zu haben. „Wir haben auf unsere Gäste gehört. Wenn der Sauerbraten nicht sauer genug war, haben wir in saurer gekocht.“ Selbst aufgrund einer Empfehlung aus Zingst seien Gäste zu Peterssons gekommen. Das nennt die Gastwirtin Wertschätzung ihrer Arbeit. Diese Anerkennung durch die Gäste hatte in den zurückliegenden Monaten die Batterie wieder und wieder aufgeladen.

Ausstattung modernisiert

Ein Nachfolger brauche nur den Schlüssel umdrehen, das Licht einschalten und könne sofort loslegen. Die Ausstattung, bestätigt auch Yves Scharmberg, sei deutlich moderner geworden.

Und dann wandert der Blick wieder über Holz und Ziegel, jetzt mit einer Träne im Auge. Am 31. Oktober wird Peterssons Hof unter der Regie von Ricarda Heidig zum letzten Mal geöffnet sein, dann kommt die Gesundheit dran.

Rechtsverstöße festgestellt

4 Anzeigen gegen den Borner Bürgermeister Gerd Scharmberg, seinen Stellvertreter Erik Roepke, den Betriebsleiter des Kurbetriebs, Yves Scharmberg und die damalige Leitende Verwaltungsbeamtin Katrin Kleist wegen des Verdachts der Untreue hatte der Ahrenshooper Ernst-Otto Kock im Zusammenhang mit dem Kauf von „Peterssons Hof“ durch die Kommune gestellt. Die Ermittlungen gegen sämtliche Beschuldigten wurden zwischenzeitlich eingestellt.

5 Verstöße gegen das Kommunalrecht sind in Verbindung mit dem Erwerb der Immobilie festgestellt worden. Unter anderem war trotz des mehrheitlich gefassten Kaufbeschlusses keine Position Etat der Kommune vorhanden. Vertreter der Borner Alternative hatten zudem eine Manipulation des Kaufvertrages sowie das Fehlen wichtiger Unterlagen im Vorfeld des Erwerbs moniert. Das Schweriner Innenministerium hatte einen eigenen Wirtschaftsprüfer mit der Begutachtung des Ensembles beauftragt. Das Ergebnis: Der Kommune ist demnach kein finanzieller Schaden entstanden.

1,825 Millionen Euro betrug der Kaufpreis für Peterssons Hof. Die Mehrheit der Gemeindevertreter wollte das Ortsbild prägende Ensemble vor einem möglichen Zugriff durch Investoren schützen. Das Restaurant wurde nach Aufgabe durch die frühere Eigentümerinzu den einstigen Bedingungen neu verpachtet. Neu: In der Pacht war die Betreiberwohnung inklusiv.

Timo Richter

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