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Ribnitz-Damgarten Riesengebirgler hält an alter Heimat fest
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Riesengebirgler hält an alter Heimat fest
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00:00 12.01.2016
Zwei Zeichnungen vom Takler, Schrift- und Grafikmaler Paul Pusch — Quirl (links) und Federwisch.
Barth

Er heißt wie die Stadt, die seine neue Heimat geworden ist: Peter Barth aus Barth, der akribisch die authentischen Geschichten seiner Landsleute sammelt, wurde am 8. Februar 1937 in Trautenau (tschechisch Trutnov) geboren. Hätte es 1945/46 nicht die verhängnisvolle Vertreibung gegeben, hätte er sicher nicht Chemie studiert, lebte nicht in Barth am Bodden, sondern wäre wahrscheinlich Firmenchef des Handels- und Handwerksbetriebes seiner Großeltern Heinrich und Rosa Hoffmann in vierter Generation geworden. Die Firma gründete 1874 sein Urgroßvater Peter Hoffmann in der Altstadt von Trautenau.

„Verkauft wurden Glas- und Porzellangeschirr in jeder Form, vom stabilen ‚Baudengeschirr‘ bis zu Geschenkartikeln der bekannten Weltmarken Rosenthal, Meißen und Hutschenreuther. Kunstgegenstände, elektrische Beleuchtungsartikel wie Kristalllüster, und natürlich alles, was die Werkstatt hergab“, erzählt Peter Barth. „Das begann mit Bildeinrahmungen in Wiener Naturholz, ging über geschliffenen Glas- und Kristallwaren bis zu Spiegeln eigener Herstellung.“

Nach der Vertreibung war das Leben der Familie von Entbehrungen, Irrfahrten und Orientierungslosigkeit geprägt. In der DDR war die Vertreibung kein Thema. „Man sprach von Umsiedlern.“

Peter Barth arbeitet gegen das Vergessen an und hält die Verbindung zu den in aller Welt zerstreuten Sudetendeutschen. In Barth-Tannenheim hatte er mit seiner Ehefrau Elke nach dem Arbeitsleben in Bitterfeld ein neues Zuhause gefunden. Doch die Zeitschrift „Riesengebirgsheimat“ für die Kreise Hohenelbe und Trautenau mit Abonnenten in den USA und Australien hält die Menschen zusammen. Peter Barth bringt die Zeitschrift seit 2005 redaktionell für den Helmut Preußler Verlag in Nürnberg auf den Weg. Sie erscheint elf Mal im Jahr mit den selben Fotos auf dem Titelblatt und der Überschrift „Herrlich ist das Stückchen Erde und ich bin ja dort daheim “

Für den Rentner und Witwer seit Oktober 2015 ist die Riesengebirgszeitung eine „Volltagbeschäftigung“, die ihn wach hält. Gestaltet mit Texten, Fotos, Gedichten und Liedtexten erinnert sie an altes Volksgut und Bräuche wie das Herstellen von Quirlen und Federwischen, die es noch heute gibt.

„Es war bitterkalt. Der Schnee lag jungfräulich auf der Straße, denn niemand hatte Lust, bei dem Schnee und der Kälte sich draußen aufzuhalten. Wir saßen um den kleinen Kanonenofen, den uns der alte Starý überlassen hatte, und versuchten, uns zu wärmen. Doch der Fußboden aus bloßen Ziegeln war kalt und das einzige Fenster nicht ganz dicht.“ Das schreibt Harald Richter, ein Vertriebener aus Trautenau-Hohenbruck, in der „Riesengebirgsheimat“ vom Dezember 2015. Harald Richter erinnert an „1945 — Die erste Weihnacht in der Fremde“, als die Familie wehmütig ohne Weihnachtsbaum an ihr schönes großes Haus mit dem warmen Kachelofen im Wohnzimmer dachte, aus dem die Miliz sie entfernt hatte. Undenkbar ist es für diese Menschen, dass Weihnachtsbäume, wie allgegenwärtig in der hiesigen Region, einfach so zum Wintervergnügen verbrannt werden.

„Die Spitze des Weihnachtsbaumes, meist eine Fichte, wurde abgesägt und abgeschält und als Quirl in der Küche verwendet. Das machten die Leute auf dem Lande.“ Davon berichtet auch Landsmann Paul Pusch, Jahrgang 1930, aus dem Wallfahrtsort Ketzelsdorf, der heute in Stralsund wohnt. In seinem Heimatdorf lebten 1500 Einwohner — Handwerker, Land- und Fabrikarbeiter. „Es herrschte keine große Armut, aber es wurde an allem gespart.“ Ein Leitspruch seines Großvaters lautete: „Was ich alleine machen kann, das brauche ich nicht zu bezahlen.“ Der Weihnachtsbaum blieb bis Mariä Lichtmess am 2.

Februar in der Stube, wurde dann in eine Ecke gestellt, bis er ganz vertrocknet war, kleingehackt und als Feuerholz genutzt. Die Landleute fertigten auch „Federwische“, die „Buchta Pinsala“

(paurischer Dialekt) aus Gänsefedern an, um Hefegebäck wie gefüllte Buchteln mit ausgelassener Butter zu bestreichen oder einen Braten zu „bepinseln“.

In der DDR sprach man nicht von Vertreibung, sondern von Umsiedlern.“ Peter Barth (79)
aus Barth



Elke Erdmann

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