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Ribnitz-Damgarten Riesenlücke bei Senioren-Wohnungen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Riesenlücke bei Senioren-Wohnungen
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04:26 12.07.2013
Irmgard und Gotthold Hentschel sind im April in die seniorengerechte Wohnung gezogen. In dem Haus gibt es auch einen Fahrstuhl. Quelle: Fotos: Anika Hoepken (1), Paula Mittermayer (2), OZ (2)
Ribnitz-Damgarten

Enormer Mangel an Senioren-Wohnungen: Im Landkreis Vorpommern-Rügen werden in den kommenden Jahren rund 9870 altengerechte Wohnungen fehlen. Das jedenfalls prognostiziert die aktuelle Studie „Wohnen 65plus“, die das Regionaldaten-Institut Pestel jetzt vorgelegt hat. Die Wissenschaftler geben darin eine Prognose für die Bevölkerungsentwicklung. Demnach wird es im Jahr 2035 im Landkreis 40 Prozent mehr Menschen über 65 Jahre geben als heute. Grundlage sind die neuen Zensus-Zahlen. Auch die Zahl der Pflegebedürftigen werde rasant wachsen, sagt Pestel-Studienleiter Matthias Günther. Werden nicht genug altersgerechte Wohnungen für die Menschen geschaffen, bliebe vielen nur der Umzug ins Pflegeheim.

In Ribnitz-Damgarten, der zweitgrößten Stadt in Vorpommern- Rügen, sieht man das Ganze etwas gelassener. Heiko Werth vom Stadtbauamt verweist darauf, dass in der Bernsteinstadt kein extremer Fehlbedarf an altersgerechten Wohnungen erkennbar sei. „Es gibt keinen Grund, sich verrückt zu machen. Wir als Stadt beobachten die Entwicklung sehr genau. Wo Bedarf entsteht, werden wir entsprechend reagieren.“

Auch Ullrich Balke, Geschäftsführer der Gebäudewirtschaft in Ribnitz-Damgarten, bezweifelt, dass der Bedarf an altersgerechten Wohnungen so dramatisch ansteigen werde wie in der Pestel-Studie dargestellt. Das Thema altersgerechtes Wohnen habe man aber im Auge. Das spiegele sich auch in den Investitionen des Unternehmens wider, sagt Balke. Im nächsten Jahr will die Gebäudewirtschaft im Körkwitzer Weg 34 altersgerechte Wohnungen bauen. Kostenpunkt: fünf Millionen Euro. „Das wird unser größtes Einzelvorhaben im kommenden Jahr“, erläutert Balke weiter. Er erinnert daran, dass erst in diesem Jahr im Stadtteil Damgarten zwölf altersgerechte Wohnungen in der Stralsunder Straße übergeben werden konnten. Unter anderem an Irmgard und Gotthold Henschke (beide 80). „Wir haben einen Fahrstuhl im Haus. Außerdem sind die Türen breiter, so dass man auch mit einem Rollstuhl ohne Probleme durchkommen würde“, berichtet Irmgard Henschke.

Auch für den Neubau im Körkwitzer Weg gebe es bereits Interessenten. Eines sei aber klar, macht Ullrich Balke deutlich: Altersgerechtes Bauen sei teuer, eine Vermietung unter acht Euro Kaltmiete pro Quadratmeter sei wirtschaftlich nicht machbar. Eine solche Miete könne sich aber nicht jeder leisten. Aber manchmal würden ja auch teilweise Verbesserungen etwas bringen, erläutert er weiter. So seien Erdgeschosswohnungen so umgebaut worden, dass sie auch ebenerdig erreichbar sind. Solche Verbesserungen in Bestandswohnungen werden künftig sicher eine immer größere Rolle spielen, bestätigt Heiko Werth.

Dass in Ribnitz-Damgarten kein Grund zur Panik besteht, sagt auch Barbara Genschow vom Rostocker Wirtschaftsinstitut für Marktforschung, Evaluation und Strukturentwicklung (Wimes). Sie führt jedes Jahr ein Montoring in der Bernsteinstadt durch. In puncto altersgerechte Wohnungen, wie im Übrigen auch bei Betreuung und Pflege, sei die Stadt „bestens ausgestattet“. Insgesamt, so hat das Institut ermittelt, gibt es in Ribnitz-Damgarten derzeit 216 altersgerechte oder barrierefreie Wohneinheiten.

Klar sei, dass auch in Ribnitz-Damgarten die Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen weiter ansteigen wird, geht aus der Untersuchung des Rostocker Institutes hervor. Laut Bevölkerungsprognose wird die Zahl der Einwohner , die 80 Jahre und älter sind, bis zum Jahr 2020 auf über 1600 ansteigen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren lediglich 926 Ribnitz-Damgartener 80 Jahre und älter.

Es gibt keinen Grund, sich verrückt zu machen. Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Wo Bedarf entsteht, werden wir reagieren.“ Heiko Werth, Bauamt Ribnitz-Damgarten
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Edwin Sternkiker

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