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Ritter Alkun und der Pudel vom Papenhof

Barth Ritter Alkun und der Pudel vom Papenhof

Lange bevor Helga Radau das dunkle Kapitel des Zweiten Weltkriegs aufarbeitetete, interessierte sie sich für die Geschichte der Heimat / Wie alles begann

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Helga Radau zeichnete für ihre Sagen-Sammlung auch ihre Uroma Wilhelmine Ventz.

Quelle: Foto: Carolin Riemer

Barth. Wer Helga Radau kennt, erinnert sich zunächst an ihre herausragenden historischen Recherchen. Wohl kaum ein anderer weiß so viel wie die 76-jährige Bartherin über das Leben der Barther Juden im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Als Vorsitzende des Fördervereins „Dokumentations- und Begegnungsstätte Barth“ arbeitet die einstige Unterstufen-Lehrerin die Geschichte auf und gegen das Vergessen.

Doch nur wenige wissen, dass die engagierte Dame schon im Jugendalter begann, die Heimatgeschichte in Büchern, Geschichten und Illustrationen festzuhalten. „Mit dem Sammeln und Aufschreiben von Sagen der Stadt Barth und der Umgebung, so fing alles einmal an“, erzählt sie.

Lange bevor Helga Radau sich dem dunklen Thema der deutschen Geschichte widmete, schrieb sie die Sagen auf, die sie im Zeitungsarchiv des Barther Tageblatts aufstöberte und die ihre Urgroßmutter einst an Winternachmittagen erzählte. Es seien die schönsten Erinnerungen an ihre Kindheit, sagt sie.

Dann erzählte ihre Urgroßmutter Wilhelmine Ventz, die im Jahr 1864 in Barth geboren wurde, beispielsweise die Geschichte vom schwarzen Pudel vom Papenhof, den Vogelsang bei Barth, die weiße Frau vom Donnerberg oder das Mordkreuz bei Divitz.

Eine ihrer liebsten Geschichten handelt von Ritter Alkun. Damals befanden sich die Barther in rechter Not, denn ihr Senkbrunnen gab nur spärlich Wasser. Doch am Fuße der ritterlichen Burg gab es eine schier unerschöpfliche Quelle reinen Wassers. Der Ritter wollte davon jedoch nichts abgeben und so schmiedeten die Barther einen Plan: Bei einem Fest machten sie Ritter Alkun so betrunken, dass er einen Vertrag unterzeichnete, der besagte, dass die Barther eine Leitung von seiner Quelle bis in die Stadt verlegen dürfen. Und so konnten die Barther aus dem Wasser Bier brauen, das bis über die Grenzen Pommerns bekannt wurde. Helga Radau glaubt, dass in dieser alten Sage durchaus ein wahrer Kern steckt. Die Quelle existiert noch heute und liefert reines Wasser.

Ihre gesammelten Geschichten erschienen bereits 1991 im Barther Heimatheft Nummer 1, das auf Initiative des damaligen Barther Bürgermeisters Otto Klimmer erschien. Ein zweiter Teil sei zwar geplant gewesen, er sollte Barther Straßennamen thematisieren, doch dazu kam es nie. Und so bleibt das Volkssagen-Buch das erste und einzige Barther Heimatheft seiner Art. Noch heute ist es für einen Euro in der Stadtbibliothek erhältlich.

In dem Heftchen finden sich zahlreiche Illustrationen, die Helga Radau mit Feder und Tusche anfertigte. Die Bartherin arbeitete zwar viele Jahre lang im Barther Archiv, doch zuvor unterrichtete sie Kinder in den Fächern Deutsch und Zeichnen. „Die Märchen bewirkten, dass mein Interesse an der Heimatgeschichte geweckt wurde.“ Sie hofft, dass die Menschen sie auch ihren Kindern weitererzählen:

„Denn nur dadurch können sie wieder zum Leben erweckt werden.“

Carolin Riemer

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