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Ribnitz-Damgarten Saniert: 600 Jahre alte Kunst aus Kenz
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Saniert: 600 Jahre alte Kunst aus Kenz
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16:06 18.10.2017
Alexandra Jung restauriert die bedeutsamen Fenster aus der Kenzer Kirche. Quelle: Carolin Riemer
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Kenz/Barth

Behutsam hält Restauratorin Alexandra Jung das Kirchenfenster in den Händen. Ein mittelalterliches Bleiglasfenster, mindestens 600 Jahre alt, das ist auch für die 34-jährige Expertin aus dem hessischen Taunusstein eine Besonderheit. „Eine ganz schöne Hausnummer“, sagt sie und begutachtet die Kunst in ihren Händen. In dieser Woche begannen die Arbeiten zur Sicherung und Sanierung der sechs Fenster in der einstigen Wallfahrtskirche St. Marien Kenz (Vorpommern-Rügen).

Reiner Luxus, der die Bedeutsamkeit der Kirche zeigt

Die Besonderheit der insgesamt 170 Felder aus denen die sechs Kirchenfenster bestehen, erklärt Pastor Kai Steffen Völker: „Sie entstanden Ende des 14. beziehungsweise am Anfang des 15. Jahrhunderts und stellen den umfangreichsten und bedeutendsten Bestand mittelalterlicher Bleiglasfenster im gesamten Bundesland dar.“ Reinen Luxus habe sich die Kenzer Kirche mit dieser filigranen Kunst geleistet. Nachvollziehbar wenn man bedenkt, dass die Kirche in Kenz im 14. Jahrhundert auch der bedeutendste Wallfahrtsort Vorpommerns war. Durch den Gesundbrunnen, einer Wasserstelle neben der heutigen Kirche, wurde Kenz berühmt. Tausende Gläubige pilgerten zu dem Brunnen und beteten um Erlösung oder hofften auf die Heilung ihrer Krankheiten. Als die Pest ausbrach, wurden es immer mehr Pilger, die dem Kenzer Wasser höchste religiöse Bedeutung beimaßen.

Und diese bedeutsame Geschichte spiegelt sich auch in den Kirchenfenstern wider. Eine halbe Million Euro Fördermittel und Geld aus Stiftungen ist zunächst eingeplant, um sie zu reinigen, Risse auszubessern und ihnen wieder neue Stabilität zu verleihen. Dafür werden sie derzeit von Glas-Restauratorin Alexandra Jung ausgebaut. In etwa sieben Metern Höhe arbeitet sie auf einem Baugerüst. Vorsichtig löst sie die Fenster und trägt sie drei Leitern hinunter auf den Boden. Dort werden sie sorgfältig verpackt und ins fast 800 Kilometer entfernte Städtchen Taunusstein gefahren. „Es gibt im Norden Deutschlands kaum Firmen, die diese Arbeiten durchführen“, sagt Pastor Völker. Im Mai oder Juni soll die Restauration abgeschlossen sein. Bis dahin werden Holzbretter die Löcher schließen.

Im Zweiten Weltkrieg wurden sie in einem Berliner Luftschutzbunker aufbewahrt

So lange müssen Pastor und Gemeinde auf ihre wertvollen Fenster verzichten, auf denen Gestalten der Bibel, Szenen aus dem Marienleben und Wappen des pommerschen Herzogshauses und Adel verewigt sind. „Die Malerei lässt Einflüsse der Kunst des französisch-burgundischen Hofes sowie der Hofkunst des Prager Königshofes erkennen.“ Pastor Völker beschäftigte sich intensiv mit den Fenstern und vermutet, dass ein größerer Teil vermutlich vom pommerschen Herzog gestiftet wurde. Doch, dass die Fenster die vergangenen 600 Jahre und die Kriege überstanden, sei nur dem Glück zu verdanken. Im Zweiten Weltkrieg wurden sie, wie viele andere wertvollen Kunstschätze, in einem Luftschutzbunker in Berlin sicher aufbewahrt und erst 1952 wieder in Kenz eingebaut. Zuletzt wurden sie 1895 aufwendig instand gesetzt. 1976 erfolgten die letzten kleinen Reparaturen. Wenn Alexandra Jung und ihr Team aus dem „Derix Glasstudio“ ihre Arbeit beendet haben, sollten die Fenster für ein weiteres Jahrhundert gewappnet sein. Und während diese Arbeiten laufen, werden auch das Mauerwerk und das angrenzende Gewölbe des Chores saniert und restauriert. 250 000 Euro stellte die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, sowie Stiftungen und die Sparkasse dafür zur Verfügung.

Carolin Riemer

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