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Ribnitz-Damgarten Schicksalhaftes Register über Büdnereien
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Schicksalhaftes Register über Büdnereien
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00:00 13.04.2013
Ellen Bradhering präsentiert die Dokumentation über Büdnereien in der Bibliothek. Quelle: Timo Richter
Wustrow

Alte Briefe des Urgroßvaters ihres Mannes Peter aus den Jahren 1855 bis 1875 waren der Auslöser für ein Abtauchen in die Familiengeschichte. Doch so einfach, wie Ellen Bradhering sich das vorgestellt hatte, war es dann doch nicht. Gleiche Namen machten es schwierig, auch die wirklich eigenen Wurzeln zurückzuverfolgen. Recherchen in verschiedenen Archiven, Befragungen von Wustrowern und die Sichtung von Kirchenbüchern führten zu einer immensen Datensammlung.

Daraus hat die in Dänischenburg nördlich von Kiel lebende 69-Jährige eine gewichtige Zusammenstellung über die Büdnereien in Wustrow und deren Bewohner gemacht. Die gut 430 Seiten starke Dokumentation ist in der Bibliothek des Ostseebades im Fischlandhaus einzusehen.

Hinter der Fleißarbeit verbirgt sich ein großes Interesse für die Geschichte der Bewohner der alten Büdnereien. Hochzeiten und Trennungen, Auseinandersetzungen um geliehenes Geld und — natürlich — immer wieder Geschichten von Schiffern und ihren Schiffen lassen den Interessierten tief in die Historie des Ortes eintauchen. Ihr Mann Peter Bradhering spielt da eine wichtige Rolle, denn er nahm seine Ellen einfach mit auf große Fahrt. Damals begann ihre Liebe zu Schiffen, die sich nun in der Dokumentation über die Gebäude auf dem Land widerspiegelt.

Vor allem im Landesarchiv in Schwerin stieß sie auf zahlreiche Dokumente, die für eine Familie charakteristisch waren, in der ein Teil auf den Meeren der Welt umherschipperte. Notariell beglaubigt hatten viele Wustrower Seefahrer Vollmachten für ihre Frauen, damit die Geschäfte an Land in geordneten Bahnen verlaufen konnten. Es gibt aber auch reichlich Persönliches in dem Wälzer zu finden:

Etwa ein Bittbrief eines Seefahrers, der gleich mehrfach Schiffbruch erlitten hatte und „nun nicht einmal mehr einen Sextanten besaß“, wie Ellen Bradhering weiß. Die hochherrschaftliche Finanzspritze kam, doch setzte der Seefahrer den neuen Kahn auch gleich wieder auf Grund. Das sind die Geschichten, die Schicksale der Wustrower, die eine vermeintlich trockene Materie mit Leben füllen. Immer wieder finden sich solche „Perlen“ in dem Register über die Büdnereien.

Bürgermeister Wolfgang Permien wertet die Zusammenstellung als „interessante Sache“. Das Werk zeige, Wustrow sei „kein geschichtsloser Verein“. Und auch Kurdirektor Dirk Pasche ist begeistert. Das Werk füge sich gut ein in eine Reihe anderer Publikationen und Projekte zu Themen mit historischem Hintergrund — beispielsweise der Kulturpfad durch das Ostseebad oder der Friedhofsführer, in dem Grabstellen bedeutender Wustrower markiert sind und deren Leben skizziert wird. Solche Vorhaben werden seitens der Kurverwaltung gerne unterstützt. Künftig soll die bislang noch als fotokopierte Ringbuchsammlung existierende Geschichte der Wustrower Büdnereien auch in Buchform vorliegen. Dabei wird die Tochter der Bradherings helfen, die in einem Verlag in Großbritannien arbeitet. Ellen und Peter Bradhering wollen das in vorerst 100 Exemplaren gedruckte Buch im Sommer von der Insel abholen.

Eines hat Ellen Bradhering während der Arbeit für das Büdnereien-Register selbstkritisch erfahren: „Ich hätte früher besser zuhören sollen, wenn Ältere über die Vergangenheit gesprochen haben.“ Viel Wissen, das sie sich jetzt während des Studiums alter Dokumente in den Archiven angeeignet hat, wäre dann bereits vorhanden gewesen. Dann wäre die Dokumentation aber wohl dünner geworden.

Autorin wählte aus
256Büdnereien existierten 1930 noch in Wustrow. Das ist in etwa dieselbe Anzahl, wie nach dem großen Brand im Jahr 1841.

60Gebäude hat die Autorin der Dokumentation genauer unter die Lupe genommen.

Schon früher zogen die Menschen viel um und Gäste wollten Gebäude kaufen.“Ellen Bradhering (69), Autorin

Timo Richter

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