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Ribnitz-Damgarten „Schiffsboden“ am Hafen aus Pflastersteinen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Schiffsboden“ am Hafen aus Pflastersteinen
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00:00 13.04.2013
Friedrich-Carl Hellwig vom Bauamt zeigt einen Entwurf für die neue Treppenkonstruktion am „Steuerhaus“.
Barth

Die Ballastkiste am Barther Hafen wird in diesem Sommer eine Baustelle sein. „Das ist natürlich eine Beeinträchtigung für Urlauber und Bürger“, weiß Friedrich-Carl Hellwig vom städtischen Bauamt. Doch das, was dort passiert, sei sehr dringend, und deshalb habe die Stadtvertretung auch den sofortigen Baubeginn beschlossen.

Zur Seefahrt gehören — so besagt es der Aberglaube — auch Flüche. Muss wohl stimmen, denn auf dem „Steuerhaus“ in Barth lastet solch ein Fluch. Schon während der Bauphase auf der Ballastkiste am Hafen Ende der 90er-Jahre gab es in der beschließenden Stadtvertretersitzung beileibe nicht nur Einverständnis. Gewarnt wurde vor allem vor handwerklichen Problemen, denn die Konstruktion erforderte höchsten Einsatz — nichts war „normgerecht“. Zwar wurde das einem Schiff nachempfundene Objekt sogar mit einem Architekturpreis geehrt, doch die praktische Nutzung machte ständig Sorgen. Feuchtigkeit drang in die Räume, im Sommer stieg die Hitze ins Unermessliche.

Nun muss der Bohlenbelag rund um das „Schiff“ dringend erneuert werden. Drei Varianten hatte man im Bauamt erarbeitet: Hartholz für die „Planken“, Kunststoff für den Belag oder eine Pflasterung? „Bei Holz oder Kunststoff würde sich die Struktur kaum ändern“, sagt Hellwig. Doch nach einer Kontrolle des Unterbaus zeigte sich das Hauptproblem. „Man hat damals Nadelholzgroßträger auf Beton gesetzt.

Das ist keine gängige Konstruktion, und eine Erneuerung in dieser Art wäre extrem teuer.“ Hellwig fasst zusammen: „Man müsste so bauen, wie jeder seine Hausterrasse baut.“

Der Bauamtsmitarbeiter erinnert sich, dass es schon in der Bauphase des damals „Haus des Gastes“ genannten Objektes Streit und sogar Klageversuche gegen das Architekturbüro gegeben habe. „Wobei“, rückt Hellwig gerade, „die meiste Geldverschwendung nicht in der Holzkonstruktion, sondern im futuristischen Gebäude selbst zu finden ist.“

Rund um das Steuerhaus wird es nun eine Pflastervariante geben. Von der umlaufenden Stufenanlage geht man weg, stattdessen gibt es an den Seiten vier Meter breite und an den Fronten sechs Meter breite Treppen, auch eine Rollstuhlrampe ist geplant. Zwischen den Treppen wird eine Reling gebaut, dort soll es auch genügend Bänke geben. Der Pflasterbelag soll durch ein plankenähnliches Format den Schiffscharakter unterstreichen. Hellwig: „Wichtig ist auch, dass der anschließende Pflegeaufwand gering bleibt.“ Die gesamte Struktur wie auch das Rundumpflaster um das Steuerhaus bleiben bestehen. Auch eine ordentliche Entwässerung sei geplant.

Der Bauausschuss stimmte den Vorschlägen zu. Und aus dem Fluch wird nun vielleicht doch noch ein Segen.

Was ist eigentlich eine Ballastkiste?
In vielen Häfen finden sich Orte, die noch „Ballastkiste“ genannt werden. Diese überdimensionalen „Kisten“ an der Kaianlage stammen aus der Zeit der Segelschifffahrt. Hier wurden Gewichte zum Trimmen der Schiffe, zumeist große Steine, aufgenommen bzw. abgelegt.

Die Bebauung mit dem ursprünglich „Haus des Gastes“ genannten Gebäude war 1999 fertig. Die Herstellungskosten beliefen sich auf etwa 1,1 Millionen Euro. Architekt Reinhard Löffler lobt auf seiner Internetseite die „außergewöhnliche Materialkombination Glas-Stahl-Holz-Beton“.

Die Bezeichnung „Steuerhaus“ für den Komplex am Hafen soll wohl mit der schiffsähnlichen Konstruktion des Gebäudes in Verbindung gebracht werden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man dagegen davon, dass der Name auf die Verschwendung von Steuermitteln anspiele.hjm

Es war nicht klug, für die Konstruktion der Lagerung ausgerechnet Nadelholz zu verwenden.“Friedrich-Carl Hellwig vom Barther Bauamt

Hans-Joachim Meusel

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