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Ribnitz-Damgarten Schließung des Ribnitzer Förderzentrums: Eltern in Sorge
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Schließung des Ribnitzer Förderzentrums: Eltern in Sorge
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12:15 07.05.2018
Die Förderschule in Ribnitz könnte im Zuge der Inklusion geschlossen werden. Nur vier Förderzentren in Mecklenburg-Vorpommern bleiben erhalten. Quelle: Carolin Riemer
Ribnitz-Damgarten

Das Förderzentrum Johann Heinrich Pestalozzi in der Minsker Straße in Ribnitz-Damgarten bewegte sich in der Vergangenheit oftmals unterhalb des Radars der öffentlichen Wahrnehmung. Seit einigen Monaten jedoch steht die Förderschule stärker im Fokus, scheint fast schon Spielball politischer Diskussionen zu werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Zukunft des Hauses. Im Zuge der Inklusion, das steht fest, werden in Mecklenburg-Vorpommern Förderschulen aus der Schullandschaft verschwinden. Bildungsministerin Birgit Hesse hatte Ende im August jedoch relativiert und angekündigt, dass womöglich vier Förderschulen im Land bestehen bleiben. Welche? Nach wie vor offen.

Schüler und Eltern bangen um ihre Schule

Bei Eltern und Schülern des Pestalozzi-Förderzentrums sorgt dieser Schwebezustand für Unsicherheit. Dass gleichzeitig auch noch im Rahmen der Planungen zum neuen Bildungscampus in der Georg-Adolf-Demmler-Straße die Schließung der Förderschule teilweise eingepriesen wird – sollte die Förderschule wegfallen, käme das Gebäude als Standort des Hortes der Bernsteinschule in Betracht – trägt ebenfalls nicht unbedingt zur Beruhigung bei.

Vorteil Praxisnähe

„Diese Schule muss bleiben“, sagt Sylvia Hilpert, Schulelternratsvorsitzende des Pestalozzi-Förderzentrums, „hier werden unsere Kinder auf das Leben vorbereitet.“ Hilperts 16-jähriger Sohn besucht die zehnte Klasse des Förderzentrums, einer von etwa 80 Schülern, die von 15 Lehrern unterrichtet werden. Vor allem die Praxisnähe des Unterrichts unterscheide die Förderschule von der Regionalschule. „Meine Tochter konnte an einer Regelschule nicht so gefördert werden wie hier“, sagt auch Anett Haack. Sie habe sich ganz bewusst dafür entschieden, ihre Tochter in der Minsker Straße anzumelden. Hier habe die 13-Jährige wieder Freude am Lernen gefunden. „Viele der Kinder haben Angst, an eine Regelschule zu gehen“, sagt Sylvia Hilpert.Und die aktuelle Inklusions-Debatte sorgt auch bei den Mädchen und Jungen für Unsicherheit. „Die Kinder bekommen die Diskussion mit und fragen, ob ihre Schule geschlossen wird“, berichtet Haack. Ihre Tochter dürfte zwar nicht betroffen sein, da die Inklusion mit der ersten Klasse startet. Kinder mit Förderbedarf, die eingeschult werden, sollen dann eine Regelschule besuchen. Die Inklusion an den Regelschulen wächst also quasi mit jedem neuen Jahrgang. Kinder, die bereits eine Förderschule besuchen, können diese bis zum Schulabschluss besuchen.

Viele Kinder würden Regelschule nicht schaffen

Kleinere Klassen (maximal 15 Schüler, Regionalschule maximal 28 Schüler) und eine differenziertere Unterrichtsgestaltung, angepasst an den Leistungsstand der Schüler, seien zwei Vorteile der Förderschule. Zudem sei die Schule technisch gut ausgestattet, auch bestehe keinerlei Sanierungsbedarf am Gebäude. „Viele unsere Schüler würden die Regelschule nicht schaffen“, sagt Jacqueline Dietzel, Leiterin des Pestalozzi-Förderzentrums. Im Normalfall beenden die Schüler die Förderschule nach der neunten Klasse, etwa 90 Prozent der Schüler entscheiden sich jedoch dafür, auch noch die zehnte Klasse in Angriff zu nehmen, um die Berufsreife zu machen. „Die Schüler lernen, durchzuhalten. Wir haben so gut wie keine Schulabbrecher“, sagt Ralph-Wilhelm Harnack, stellvertretender Schulleiter des Pestalozzi-Förderzentrums.

Schulleiter skeptisch

Wann und ob die Förderschule in Ribnitz geschlossen wird, darüber habe auch die Schulleitung in Ribnitz noch keinerlei Informationen erhalten. „Es geht um die Schüler. Ich habe nichts gegen Inklusion. Aber so lange unsere Schüler an Regelschulen schlechter versorgt werden, bin ich gegen eine Schließung von Förderschulen“, sagt Harnack.Ähnlich sieht das Christina Bonke, Schulleiterin der Bernsteinschule. „Grundsätzlich bin ich für Inklusion. Wir müssen für Ribnitz-Damgarten aber überlegen, mit welchem Konzept wir das umsetzen. Bei diesen Überlegungen müssen alle Schulen eingebunden werden“, sagt Bonke. In der ersten und zweiten Klasse werden seit ein paar Jahren alle Kinder in einer Schule unterrichtet. Allerdings werde auch hier wieder getrennt. Unter anderem gibt es sogenannte Diagnose-Förder-Klassen (DFK) für Schüler mit Defiziten, ebenso das Produktive Lernen, Fördergruppen für Lese-Rechtschreibschwache sowie eine Schulwerkstatt für schulaversive Kinder.

Auch an der Regionalschule „Rudolf Harbig“ in Damgarten gebe es bereits diverse Angebote, „um Schüler aller Couleur zu fördern“, wie Schulleiterin Kerstin Schaperjahn sagt. Derzeit finden zudem Weiterbildungen für die Schulleitung und für Lehrer der fünften und sechsten Klassen statt. Seh- und hörbehinderte Kinder und auch verhaltensauffällige Schüler gehen auf die Regionalschule. „Es funktioniert mehr oder weniger, vor allem dann, wenn auch die Mitarbeit der Eltern klappt“, sagt Schaperjahn. Dennoch: „Wir brauchen weitere Hilfe, um das Konzept Inklusion umzusetzen“, sagt die Schulleiterin. Damit meint sie zum einen den verstärkten Einsatz von Sonderpädagogen, aber auch die feste Integration von Schulsozialarbeitern.

Ministerium zurückhaltend

Aus dem Bildungsministerium in Schwerin zur Zukunft der Ribnitzer Förderschule nur eine allgemeine Antwort. „Im Rahmen der Umsetzung der Landesstrategie zur Inklusion ist die Aufhebung der Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen zum 31. Juli 2024 geplant“, heißt es auf Anfrage lediglich. Ob der Erhalt von vier Standorten überhaupt noch Thema ist und ob das gleichzeitig bedeutet, dass die Ribnitzer Schule unweigerlich geschlossen wird, blieb unbeantwortet.

Robert Niemeyer

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