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Ribnitz-Damgarten Schüler machen Europapolitik im großen Stil
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Schüler machen Europapolitik im großen Stil
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00:00 02.04.2014

Die Luft im Seminarraum des Wossidlo-Gymnasiums in Damgarten ist zum Schneiden dick. Etwa 40 Schüler sitzen hier in großer Runde bei einem Planspiel zusammen und probieren sich als Europapolitiker. Sie diskutieren, beraten und fällen Entscheidungen zum Thema Asylpolitik. „Wir mediterranen Länder fühlen uns mit der Flüchtlingsfrage alleine gelassen!“, schimpft Max Levien in die Runde und haut mit der Hand auf den Tisch. Das kleine Griechenlandfähnchen vor ihm auf dem Tisch wackelt bedrohlich. Für das Planspiel ist der 17-Jährige in die Rolle des griechischen Innenministers geschlüpft — und er spielt seine Rolle gut.

Alle Schüler haben einen bestimmten Politiker zugelost bekommen: Einige vertreten die EU-Komission, andere sitzen für Polen, Deutschland oder Dänemark am Tisch der Innenminister. „Sie sollen versuchen, einen Gesetzentwurf zu einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik auf den Weg zu bringen“, erklärt Sozialkunde-Lehrer Tino Leipold. „Mit allen Schritten und Gremien die auch in der Realität nötig sind.“ Ausgedacht hat sich das realistische Szenario die Firma Planpolitik aus Berlin. „Wir wollen zeigen, dass Europapolitik gar nicht so trocken ist“, sagt Alexander Kuschel von Planpolitik. „Zum anderen lernt es sich praktisch besser. Wenn man im Spiel lange darauf warten muss, dass der Europäische Rat endlich ein Statement abgibt, dann merkt man sich das Prozedere!“

Derweil ist eine Einigung im Seminarraum nicht in Sicht. Griechenland hat den Vorsitz, Max Levien kommt langsam ins Schwitzen. „Es ist spannend, sich wie ein echter Politiker zu fühlen“, sagt er.

„Das schwierigste ist, andere Meinungen zu akzeptieren und einen Kompromiss zu finden.“ Die Schüler, die Italiens und Spaniens Minister spielen, wehren sich weiterhin vehement gegen die diskutierten Kompromissvorschläge, ihre Länder wollen nicht allein für das Schicksal der Flüchtlinge verantwortlich sein. Auch Großbritannien und Polen wollen auf gar keinen Fall mehr Flüchtlinge aufnehmen. Das erste Fazit der nach mehreren Stunden sichtlich angestrengten EU-Politiker fällt zurückhaltend aus. „Wir streben eine bessere Kooperation zwischen den Staaten und gerechtere Ausgleichszahlungen an“, fasst Max Levien zusammen. Authentischer kann EU-Sprache nicht sein. Anne Ziebarth



OZ

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