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Schützengilde war finanziell nie auf Rosen gebettet

Ribnitz-Damgarten Schützengilde war finanziell nie auf Rosen gebettet

Das aktive Vereinsleben in Damgarten hatte über Jahrzehnte Bestand — erlosch jedoch mit dem Zweiten Weltkrieg.

Ribnitz-Damgarten. Seit 1873 existierten in Damgarten zwei Schützengilden. Neben der traditionellen Gilde der Herren wurde in jenem Jahr die „Junge Schützenkompagnie“

gegründet. 1923 erfolgte deren Umbenennung in „Schützenverein der jungen Leute“.

Wie der Name schon verrät, setzte es sich diese Gilde zum Ziel, „das alte deutsche Schützenwesen auch in dem jungen Geschlecht der Gegenwart lebendig zu erhalten“. Mitglied konnte „jeder unbescholtene junge Mann werden, der das 18. Lebensjahr erreicht (hatte)“.

Zu den Aktivitäten gehörte die Organisation von Masken-, Sommer- und Winterbällen. Jährlicher Höhepunkt des Vereins war ein separat veranstaltetes Schützenfest. Der Festablauf ähnelte jenem der Herrengilde. Am frühen Morgen wurde der König von den Vereinsmitgliedern abgeholt. Es folgte eine Frühstückstafel mit Frühschoppen im Gasthaus von Carl Benz. Dann zog der Verein durch die Stadt, um beim anschließenden Schießen „nach der Scheibe“ seinen König zu ermitteln. Die Frauen ermittelten parallel ihre Königin. Der anschließende Freitag war den Damgartener Schulkindern im Rahmen eines Kinderfestes vorbehalten. Von der Schule aus starteten sie einen Festumzug bunt geschmückt mit „Blumen, Fahnen und Fähnchen“.

Finanziell war der Verein nie auf Rosen gebettet. Er war auf Spenden — gerade ehemaliger Mitglieder — dringend angewiesen. Zum Vereinsvermögen der „jungen Leute“ zählten eine „Fahne, Königsschilder, zwei Degen, verschiedene Schärpen und Epuletts, Fahnenkoppel usw.“. Laut Satzung sollten diese Stücke bei einer Auflösung des Vereins nicht in den Besitz der Herrengilde übergehen, sondern „der Stadt Damgarten zur Aufbewahrung übergeben werden“.

Das letzte Kapitel des Vereins war auf der Mitgliederversammlung vom 3. Februar 1940 eingeläutet worden. Im dazugehörigen Protokoll heißt es: „Der Vereinsführer gab der Versammlung bekannt, daß es ihm unmöglich sei, den Verein weiterzuführen, da er aus den wenigen Einnahmen (…) die Unkosten des Vereins nicht mehr decken kann. Die Versammlung beschloß (einstimmig), den Verein während des Krieges ruhen zu lassen. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, so soll der Verein aufgelöst werden.“ Im darauffolgenden Jahr berichtete der letzte „Vereinsführer“ Frisör Otto Wulf dem Barther Amtsgericht, dass der Verein aufgelöst worden ist. Das aktive Vereinsleben erlosch. Jan Berg

OZ-historisch
Damalige Schützenkönige
Ermittelte Schützenkönige des Vereins in den 1920er Jahren:

1921 Hugo Pfahl

1922 Willi Deu

1925 Willi Lindgrön

1926 Heinrich Spehr jun.

1927 Walter Millow

1929 Karl Evert

1930 Walter Schütt

OZ

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