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Seenotretter sind meist als Pannenhelfer unterwegs

Prerow Seenotretter sind meist als Pannenhelfer unterwegs

Crew der „Theo Fischer“ probt regelmäßig mit Kollegen aus Dänemark

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Vormann Frank Weinhold blättert auf der Brücke des Seenotrettungskreuzers „Theo Fischer“ im Einsatztagebuch.

Quelle: Foto: Timo Richter

Prerow. Sturm braust um die Brücke des Seenotrettungskreuzers „Theo Fischer“, Wolken rasen über den Darßer Ort, das Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger duckt sich im Winterwetter. „Schneeregen waagerecht“ – so die Beobachtung von Vormann Frank Weinhold an jenem frühen Donnerstagmorgen, dem Tag der Bilanz. Nicht einmal einen Hund würde man bei dem Wetter vor die Tür jagen.

Boote immer älter

Bis zu 40 Einsätze hat die Mannschaft des Seenotrettungskreuzers „Theo Fischer“ im vergangenen Jahr gefahren. Meist wurden die Seenotretter wegen technischer Hilfeleistung, zum Beispiel nach Ausfall des Motors, gerufen.

Immer älter werden laut Beobachtung des Vormanns Frank Weinhold die Boote, die im vergangenen Jahr in Not geraten sind.

Die Crew der „Theo Fischer“ steht dagegen bereit, auch bei diesen Wetterbedingungen alles zu geben. An die 40 Einsätze ist die vierköpfige Mannschaft im vergangenen Jahr gefahren. Meist, sagt der neue Vormann, waren es technische Hilfeleistungen. Wenn der Motor ausfällt, das gerne nachts, ist rasche Hilfe gefragt.

Skipper nach Beinbruch von Segelyacht geborgen

Doch es kann auch anders kommen, wie Frank Weinhold in dem Einsatztagebuch festgehalten hat. Da wurden die Seenotretter von der Besatzung einer Segelyacht gerufen. Der Skipper hatte sich ein Bein gebrochen. Schnell war die „Theo Fischer“ zur Stelle, der Patient wurde übergesetzt, ein Mitglied der Retter auf dem Wasser stieg auf die Yacht und manövrierte das Boot in den Nothafen Darßer Ort.

Dort war der Verletzte bereits von einem Rettungswagen übernommen worden, war auf dem Weg in ein Krankenhaus.

Erst im September wurde der Seenotrettungskreuzer von der Mannschaft einer Charteryacht angefordert. Ein Unterwasserhindernis hatte ein langes Leck in den Rumpf gerissen. Die Yacht drohte, auf Tiefe zu gehen, also zu sinken. Die schon stark unterkühlte Besatzung erhielt noch vor Ort einen heißen Tee. Die Seenotretter konnten mit Hilfe der Pumpen ein Sinken der Yacht letztendlich verhindern und das Schiff vorsorglich in den Nothafen schleppen.

Besonders in Erinnerung ist dem Vormann der „Tag der Seenotretter“ am 30. Juli geblieben. Begann der Aktionstag mit einem Open Ship und anschließenden Vorführungen vor der Seebrücke in Zingst, sollte sich das Kaffeetrinken an Bord verkürzen. Eine Schlechtwetterfront zog von Westen heran. Parallel dazu kamen über Funk die Alarmierungen der Seenotretter. „Lasst uns mal die Tassen wegstellen“, sagte der Vormann – und wenig später war auch die „Theo Fischer“ im Einsatz. Etliche Boote hatte der Sturm an die Strände der Halbinsel und Hiddensee geworfen. Bis Mitternacht war die Mannschaft des Seenotrettungskreuzers damit beschäftigt, die Havaristen wieder in tiefes Wasser zu ziehen. Menschen kamen abgesehen von ein paar blauen Flecken oder dem Sturz ins Wasser nicht zu Schaden. „Dieser Tag hat seinem Namen alle Ehre gemacht.“

Gemeinsam geübt mit Marinefluggeschwader

Zudem haben zahlreiche Übungen den Alltag der Seenotretter bestimmt. Da gehörten gemeinsame Aktionen mit dem in Güttin auf Rügen stationierten „Christopher Offshore“ ebenso dazu wie Übungen mit den Rettern des Marinefluggeschwaders 5 aus Warnemünde. Im September erfolgte wieder eine Zusammenarbeit mit den Seenotrettern in Dänemark. Mit einem Tausch eines Teils der Besatzungen wurde in erster Linie das gegenseitige Verständnis geprobt. Das, so Frank Weinhold, habe wieder sehr gut funktioniert. Vor allem konnten Probleme in der Kommunikation ausgeräumt werden. Zwar erfolgt die in Notfällen auf Englisch, wenn sich die Retter beider Nationen jedoch kennen, passieren weniger Missverständnisse. „Die können im Notfall tödlich sein“, weiß der Vormann der „Theo Fischer“. Zwischen den Seenotrettern vom Darß und Dänemark haben sich inzwischen freundschaftliche Bande entwickelt. „In diesem Metier gibt es keine Grenzen, da sind wir schon weiter als die EU“, so Frank Weinhold.

Wieder mehr Zulauf für den freiwilligen Dienst

Auf dem Schiff der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger findet zudem die Ausbildung von freiwilligen Seenotrettern statt. In der Organisation selbst wird dazu aktuell ein Ausbildungskonzept erarbeitet. Für Frank Weinhold ist am bedeutendsten, dass es für den freiwilligen Dienst mittlerweile wieder mehr Zulauf gebe. Die Freiwilligen werden an Bord eingewiesen und dann entsprechend ihres Kenntnisstandes und ihrer Fähigkeiten eingesetzt. Zum Vergleich: Einem bei der DGzRS fest beschäftigten Seenotretter wird eine Einarbeitungzeit von bis zu drei Jahren zugestanden, um sämtliche Handgriffe an Bord zu verinnerlichen.

Auffällig war: Die Sportboote werden immer leichter, zugleich immer schneller. Die Freizeit-Skipper selbst würden sich im Gegensatz zu früher immer weniger auf ihren Booten auskennen. Auf der anderen Seite sind immer ältere Boote unterwegs, Reparaturstau inklusive. So ist schon mal eine morsche Takelage dafür verantwortlich, wenn auf einer Segelyacht der Mast bricht.

Eine starke Böe drückt die „Theo Fischer“ gegen die Kaimauer im Nothafen Darßer Ort. Sogar die Besatzung eines Rostocker Fischerbootes hat sich gegen die Fahrt in den Heimathafen entschieden und im Nothafen Schutz vor Wind und Welle gesucht. Die Seenotretter der „Theo Fischer“ hatten deren Schiff bereits tags zuvor in den Nothafen gelotst.

Timo Richter

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