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Ribnitz-Damgarten Senfmühle wird gläsern
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Senfmühle wird gläsern
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17:24 22.10.2017
Ostern soll die „Gläserne Senfmühle“ eröffnet werden. Ivonne (46) und Michael Kostroß (49) feierten vor wenigen Tagen Richtfest. Quelle: Robert Niemeyer
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Schlemmin

Weizen, Mais, Raps: Wer an die Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern denkt, hat sicherlich auch gleich diese Pflanzen im Kopf. Doch zumindest im Kleinen wird der Anbau im Land immer vielfältiger. Neuerdings wird sogar Senf angebaut. „Die Wertschöpfung soll hier stattfinden“, sagt Ivonne Kostroß. Sie und ihr Mann Michael eröffneten 2011 die Senfmühle in Schlemmin. Bislang wurden die Senfkörner in Thüringen eingekauft. In Kooperation mit dem Insel e.V. Kransdorf und dem Poseritzer Landwirt Mario Otto, auf dessen Flächen auch die Lupine für die Lupinen-Kaffee-Rösterei von Michelle Rost in Barth angebaut werden, holte das Ehepaar Kostroß den Senfanbau nach MV. „Wir sind im Nordosten die einzige Senfmühle, die vom Korn bis ins Glas produziert“, sagt Ivonne Kostroß. 2,5 Tonnen Senf sind dieses Jahr bereits geerntet worden.

Möglich gemacht wurde das nicht nur durch das Engagement des Ehepaars aus Nordrhein-Westfalen, sondern auch mit Unterstützung des Projektes Land(auf)Schwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Vorpommern-Rügen ist die einzige Region in MV, die Teil dieses Modellprojekts ist. Insgesamt werden in Deutschland in 13 Landkreisen Vorhaben durch das Landaufschwung-Projekt gefördert.

Ostern Eröffnung

Und dazu gehört nicht nur die Etablierung der kompletten Produktionskette vor Ort. Mit den Landaufschwung-Fördermitteln vergrößern Ivonne und Michael Kostroß derzeit auch ihre Produktionsstätte in Schlemmin. Vor wenigen Tagen wurde Richtfest für die „Gläserne Senfmühle“ gefeiert. Ende des Jahres soll der 90 Quadratmeter große Neubau fertig sein. Ostern 2018 soll die neue Produktionsstätte eröffnet werden. Es wird einen Hofladen geben, aus dem die Besucher durch eine Glasscheibe die Produktion des Schlemminer Senfs verfolgen können.

Bislang stellen Ivonne und Michael Kostroß sowie ihre drei Mitarbeiter ihre Produkte in einer umgebauten Garage her. Abnehmer sind Gastronomen, Hofläden und auch vereinzelt Supermärkte in der Region. Außerdem wird der Schlemminer Senf auf Märkten verkauft. „Eigentlich war 2011 nur eine kleine Produktionsstätte geplant. Wir hätten nie gedacht, dass sich so viele Menschen auf den Weg machen, um uns über die Schulter zu schauen“, sagt Ivonne Kostroß. Bis zu 6000 Besucher kommen jährlich wegen der Senfmühle nach Schlemmin. 250000 Euro kostet der Neubau, die Hälfte wird über das Landaufschwung-Projekt gefördert.

„Familie Kostroß hat Schlemmin bekannt gemacht. Der Schlemminer Senf ist ein Aushängeschild für unseren Ort“, freut sich Bürgermeisterin Christel Kranz über den Erfolg des kleinen Unternehmens. „Ich finde es toll, dass wir solch engagierte regionale Produzenten haben. Das ist ja auch ein Schwerpunkt unseres Tourismusvereins“, sagt Martin Hagemann, Koordinator des Tourismusvereins Vogelparregion-Recknitztal.

Problem Wald

Dabei war der Weg zum Neubau gar nicht so einfach. Denn nur ein paar Meter entfernt von dem Neubau liegt ein Wald. Und laut Waldabstandsgesetz darf nicht näher als 30 Meter von einem Wald entfernt neu gebaut werden. Dieser Umstand hätte dem Vorhaben beinahe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Viele Behörden waren in der Folge beteiligt, ein Vorgang, der Zeit und Nerven kostete. Doch es fand sich eine Lösung. Das Stückchen Wald zu einem Park umgewidmet. Es durfte gebaut werden.

Glücklicherweise hatten auch die Fördermittelgeber vom Landaufschwung-Projekt genug Glauben an die Schlemminer Senfmühle, und damit genug Geduld, die entsprechenden Fristen für die Förderung zu verlängern. „Mit dem Bau hat dann alles gut geklappt. Wichtig ist, dass wir im nächsten Jahr ordentliche Produktionsmöglichkeiten haben und die Urlauber sehen können, wie unser Senf hergestellt wird“, sagt Michael Kostroß.

Landaufschwung

Mit dem Modellvorhaben Landaufschwung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sollen strukturschwache ländliche Regionen unterstützt werden, den demografischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen entgegenzutreten. Es sollen Vorhaben initiiert werden, die neue, innovative Ideen umsetzen und den ländlichen Raum als attraktiven Lebens- und Arbeitsort begreifbar machen.

Gemeinsam mit bundesweit zwölf weiteren Landkreisen und als einziger Landkreis Mecklenburg-Vorpommerns ist der Landkreis Vorpommern-Rügen für das Modellprojekt ausgewählt worden. Bis zum 30. Juni 2018 fließen 1,5 Millionen Euro Fördermittel in unseren Landkreis.

Robert Niemeyer

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