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Ribnitz-Damgarten „Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren“
Vorpommern Ribnitz-Damgarten „Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren“
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03:34 09.09.2013
Marcus Klemp, hier beim Training auf heimischem Gewässer, wurde in Südkorea mit seiner Teamkollegin Vizeweltmeister. Quelle: OZ

Rudern — Eine Reise und ein Rennen, die Marcus Klemp sicherlich nicht vergessen wird. Nach einem langen Flug und Tagen des Jetlags wurden wegen Sturmwarnung alle Rennen der Weltmeisterschaft im Rudern in Südkorea vorverlegt. Und dennoch: Marcus Klemp vom Ribnitzer SV und Anke Molkenthien vom Waginger Ruderverein in Bayern gewannen die Silbermedaille über 1000 Meter bei den Handicap-Ruderern.

„Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren“, fasst Marcus Klemp nach seiner Rückkehr auf dem heimischen Rudergelände in Ribnitz-Damgarten zufrieden zusammen. Er und seine Ruderpartnerin Anke hatten lediglich die vergangenen zwei Monate Zeit, sich auf die Weltmeisterschaft vorzubereiten. Sie trainierten gemeinsam an Wochenenden in München und nahmen sich zusätzlich zehn intensive Tage der sportlichen Vorbereitung in Südkorea. Viel Wettkampferfahrung konnte die Besatzung nicht sammeln. „Wir haben national wenig Konkurrenz“, berichtet Marcus Klemp von der Problematik seiner Klasse: „Es werden kaum Regatten und Deutsche Meisterschaften ausgetragen.“

Noch am selben Tag der Ankunft im südkoreanischen Chungju schwang sich das deutsche Ruder-Duo auf den Ergometer. Nachdem das Boot zusammengebaut war, trainierte die Besatzung an den Folgetagen auf dem Wettkampfrevier.

Vier Tage später stand das erste Rennen, das sogenannte Verteilungsrennen, an. Die Platzierung dieses, ebenfalls einen Kilometer langen Rennens, entscheidet über die Startposition beim Finale. Eine der Mittelbahnen streben alle Ruderer an. „Der Ruderer muss sich dann nicht so weit umdrehen, um den Gegner zu sehen“, erläutert Marcus Klemp. Je mehr Kopfbewegung, desto mehr droht ein Ruderer Gefahr, den Oberkörper „mitzunehmen“. Der Ruderschlag wird ungenau. „Aber man muss sich zwangsläufig am Gegner orientieren.“

Mit der zweitbesten Zeit im Verteilungsrennen waren Marcus Klemp und Anke Molkenthien Bahn 2 im Finale sicher. Das Rennen wurde spontan für den nächsten Tag angesetzt. Auf Grund einer Sturmwarnung war die Vorverlegung nötig. Also wenig Zeit zur Regeneration für die Athleten.

Eine Strecke von 1000 Metern galt es im Finalrennen zu meistern. Der deutsche Doppelzweier legte einen sehr guten Start hin und konnte auf den ersten 500 Metern mit der Besatzung aus der Ukraine gleichziehen. Die Boote aus Korea und den USA konnten das schnelle Tempo ihrer Kontrahenten nicht halten, blieben gleich am Start weit zurück. Das Rennen konzentrierte sich auf die Doppelzweier aus der Ukraine und Deutschland. Mit jedem Meter erarbeitete sich das ukrainische Boot einen kleinen Vorsprung. Nach 3:34 Minuten kamen das deutsche Boot ins Ziel, fünf Sekunden hinter den Weltmeistern aus der Ukraine. „Es ist ein sehr starkes Boot“, zeigte Marcus Klemp sportlichen Respekt vor den Weltmeistern, weiß aber auch, die eigene Leistung zu würdigen „Anke und ich haben als Mannschaft gut gerudert und beste Leistungen gezeigt.“

Als krönenden Abschluss konnten die frisch gebackenen Vize-Weltmeister an ihrem letzten Tag eine umfangreiche Sightseeing-Tour machen. In Seoul besuchten Marcus Klemp und Anke Molkenthien einen Tempel, kamen in den Genuss traditioneller Musik und Tanz und erlebten auf dem lokalen Wochenmarkt einige Kuriositäten. Mit seinem Weltmeistertitel im Ergometer-Rudern Anfang des Jahres und nun dem Vize-Weltmeister-Titel in Mixed-Doppelzweier kann der Ruderer Ribnitzer SV mit der Saison äußerst zufrieden sein.

Paula Mittermayer