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Ribnitz-Damgarten Tagebuch findet nun seinen Abschluss
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Tagebuch findet nun seinen Abschluss
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20:43 02.05.2018
Bernd Koppehele (l.) und Pastor im Ruhestand Eckhard Kunsch im Barther Windjammer-Museum mit den Unterlagen von Liese-Lotte Struck. Quelle: Foto: Volker Stephan
Barth

Herausgegeben von der Stadt Barth und ihrem Stadtarchiv, ist vor einem Jahr der repräsentative Band „Tagebuch eines Kapitäns“ erschienen. Darin dokumentiert Bernd Koppehele, der Leiter des Windjammer-Museums, die Geschichte und die Fahrten Barther Seeschiffe zwischen 1847 und 1897. Dafür hatte er jahrelang in Archiven recherchiert sowie Tausende Reisen Barther Segelschiffe ausgewertet. Ergänzt wird die Zusammenstellung durch das unterhaltsam zu lesende Tagebuch des Barther Kapitäns Johann Christian Heinrich Kriegel. Es gibt einen lebendigen Einblick in die damaligen Sitten, Gebräuche und das Lebensgefühl der Menschen. Das Tagebuch endet jedoch im Jahr 1894. Es gab dazu nur die Überlieferung, dass Kriegel 1897 in Melbourne gestorben sei. „Ich erhielt es einst von zwei älteren Leuten aus Stade, die der Struck’schen Linie angehören, nachdem sie von der Vorbereitung einer Ausstellung erfahren hatten. Leider hatte ich mir damals ihre Namen nicht notiert. Ich hoffe sehr, dass sie mich im Windjammer-Museum besuchen werden“, sagt Bernd Koppehele.

Nun fand die Geschichte durch einen Zufall ihre Fortsetzung. Nachdem Pastor im Ruhestand Eckhard Kunsch (80) von seinem Sohn Sebastian Kunsch, dem Geschäftsführer der Schiffwerft Barth, besagten Band geschenkt bekommen hatte, konnte er beim Lesen einen Zusammenhang zwischen den Namen Kriegel und Struck erkennen. Er erinnerte sich an eine lange zurückliegende Begebenheit aus seiner aktiven Zeit als Barther Pastor. „Ich betreute damals eine ältere Dame. Sie hieß Liese-Lotte Struck und lebte in einer Plattenbauwohnung in Barth-Süd. In Anbetracht ihres Alters und der damals ungewissen Entwicklung bat sie mich, eine Anzahl privater Familiendokumente aufzubewahren, bis sich dafür eine angemessene Lösung fände“, berichtete der Prerower.

Liese-Lotte Struck war 1912 als Tochter von Elsa Marie Hedwig Struck (geb. Kriegel) auf dem Dampfer „Cap Blanco“ im Hafen von Lissabon zur Welt gekommen. Den Dampfer hatte ihre Mutter in Buenos Aires bestiegen, um nach dem frühen Tod ihres Ehemannes Wilhelm Struck im Alter von 32 Jahren in ihre Heimatstadt Barth zurückzukehren.

„Die Geburtsurkunde ist 1935 nachträglich ausgestellt worden. Es war die Zeit, als in Nazideutschland jedermann seine nichtjüdische Herkunft nachweisen musste. Und Anna Kriegel (geb. Müller), ihre Großmutter und Ehefrau von Kapitän Christian Kriegel, ist jüdischen Glaubens gewesen“, erklärte Eckhard Kunsch.

Über die letzten Tage Christian Kriegels gibt der sehr ausführliche Brief von Kapitän Rudolf Heyer an die Familie Aufschluss, der sich unter den übergebenen Dokumenten befand. Danach erlitt Christian Kriegel bei einem Arbeitsunfall an Bord eine Verletzung an der Hüfte, in deren Folge er an Blutvergiftung erkrankte. „Fahren Sie glücklich und wenn Sie nach Hause kommen, trösten Sie meine Frau“, sollen seine letzten Worte vor seinem Tod am 5. Juni 1897 in einem Melbourner Krankenhaus gewesen sein. An Blumenspenden für das Grab habe es nicht gemangelt, hieß es im Brief. Ein deutscher Pastor habe die Leichenpredigt gehalten, das Eigentum des Verstorbenen sei verpackt und versiegelt worden.

Der große Wunsch von Bernd Koppehele wäre eine zweite Publikation, um die stadt- und schifffahrtshistorisch relevante Geschichte um Kapitän Kriegel mit den neuen Erkenntnissen und Fotos abrunden zu können. „Dank eines glücklichen Umstands haben beide Komponenten zueinandergefunden. Mir ist keine zweite, derart ausführliche Lebensbeschreibung eines Barther Kapitäns bekannt."

Auch Stadtarchivarin Stephanie Mählmann freut sich über das unverhofft aufgetauchte Material, mit dem das Tagebuch Kapitän Kriegels seinen logischen Abschluss findet. „Wir haben etliches Material über die Familie Struck im Archiv. Es ist ein Glücksfall, dass wir anhand des gesamten Materials das Leben einer Barther Reeder- und Kapitänsfamilie stellvertretend für viele andere so authentisch nachvollziehen können.“

Volker Stephan

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