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Ribnitz-Damgarten Tangrim scheue Welt am Ende des Hohlwegs
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Tangrim scheue Welt am Ende des Hohlwegs
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09:46 04.06.2018
Tangrim

Von der Kreuzung in Breesen geht es nur noch geradeaus. Die Alleebäume übertunneln den Kraftfahrer und leiten ihn in einem Wald, einen Hohlweg hinab. Dann landet man an der Brücke von Tangrim. Sie ist erneuert worden und auf den ersten Blick gar nicht mehr als Brücke zu erkennen. Die Tangrimer haben in mancher Gemeindevertretersitzung darauf bestanden, dass die Überführung repariert wird, sie ist die einzige Verbindung der Dorfbevölkerung zur Außenwelt und die Außenwelt kann nur über die Brücke kommen.

Über diese Brücke ist zum Beispiel Verena Schmidt, 27 Jahre, wieder in ihren Heimatort gekommen. „Ich wohne wieder bei meinen Eltern“, sagt die gebürtiger Tangrimerin. Aus Bad Sülze ist sie zurückgekehrt, nachdem sie arbeitslos geworden ist, „da muss man auf das Geld achten“. Wenn die Hauswirtschafterin wieder eine Beschäftigung findet, dann will sie den Ort aber wieder verlassen. Im Moment jedoch ist er optimal, zumal Hund Penny seinen Auslauf genießen kann. Mit ihrer Anwesenheit hat Verena Schmidt eine Aussage von Franz Prahl widerlegt: „Hier gibt es nur Rentner“, sagt Prahl und schaut wieder in seinen Autoatlas. Ob er eine Reise machen will? „Nein, das nicht, mein Enkel geht nach Bremen und arbeitet in Bremerhaven.“ Franz Prahl will auf der Landkarte den Weg und dessen Länge nachvollziehen. „Die jungen Leute müssen raus aus dem Ort, müssen etwas sehen und erleben“, sagt Prahl, der selbst Rentner ist und sich das geerbte Haus in Tangrim ausgebaut hat. Andreas Gleisberg ist auch noch jung, aber weg will er nicht aus Tangrim. Er hat das Gebäude des Konsums gekauft und baut es jetzt nach und nach zu einer Mietwohnung um immer dann, wenn dem Vater im Babyjahr der Nachwuchs dazu Zeit lässt.

Zeit hat sich an diesem Nachmittag Michaela Dargend gelassen, sie will aus einem Nachbardorf Pflaumen holen. „Wir haben selbst nicht genug“, sagt sie und auf dem Land muss man aus allem etwas machen. Die Pflaumen werden verbacken oder zu Mus gekocht. Die ein-fache Mutter ist Pferdefreundin und hält sich Enten, Hühner und Kaninchen. Mit 14 Jahren ist sie aus Rostock nach Tangrim gezogen und dort will sie jetzt bleiben, denn es ist alles in Ordnung für sie, bis auf die Straße, die sich in Schlaglöchern erschöpft.

Über diese Holperstrecke sind Ilka Kemmsies und ihre Tochter Julia gerade vom Einkaufen aus Rostock zurückgekehrt. Die Familie wohnt bei den Eltern „auf dem Dachboden, aber ausgebaut“, sagt Ilka Kemmsies. Die 31-Jährige ist froh, dass sie auch in Tangrim Arbeit hat, Saisonarbeit bei einem Kartoffelbetrieb in Böhlendorf. So kann man leben in Tangrim.

Weitestgehend ist aber an diesem Donnerstag der Ort still. Jemand werkelt in seinem Garten, ein, zwei Autos rollen aus dem Ort auf den Hohlweg zu und der Wald schluckt das Motorengeräusch und manch anderen Lärm, der vom anderen Ufer kommen könnte.

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