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Ribnitz-Damgarten Tschüss, altes Haus!
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Tschüss, altes Haus!
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00:00 07.03.2013
Fundst�ck: Die HO-Werbeabteilung gestaltete Burg-Plakate.
Barth

Wer mag wohl künftig beim Nutzen der heimischen Toilette ein gewisses Burg-Gefühl verspüren? Oder hatten die glänzenden Teile nur einen reinen Materialwert?

Die Facebook-Gemeinde aus Barth — allen voran Mario Galepp und Holger Friedrich — dokumentiert im Moment fast jeden Abrissschritt im Internet. Ein Blick in die gespenstisch leere Bühnenöffnung ist zu sehen, Decken stürzen ein, hier und da finden sich noch alte Werbeplakate. Wertvolle Dinge werden die zum Ausschlachten aufgerufenen Bürger nicht entdeckt haben. Vieles ist kaum noch zu erkennen, vor allem für die, deren Burg-Besuch mehrere Jahre zurückliegt. Und das geht wohl vielen Barthern so. In den letzten Jahren lockte das einstige Vergnügungsrestaurant nämlich kaum zum Besuch.

Dabei hatte die „gute alte Burg“ schon immer einen rustikalen Charme. Rockbands und Theaterleute erinnern sich mit Grausen an den einst schrägen Bühnenboden. Da rollte dann schon mal ein Gitarrenverstärker unhaltbar in Richtung Saal. Dekorationen von Plattdeutschtheatern standen wackelnd schief. Tänzer weigerten sich, auf dieser Schräge zu tanzen. Es dauerte eine Weile, bis der damalige HO-Kreisbetrieb verstand, dass eine Schräge zwar nett, aber sinnlos ist. Der Umbau erwies sich als kompliziert, doch gelang schließlich. Problem Nummer 2: Die Akustik der „Burg“ ließ so manchen Tontechniker verzweifeln.

Allen Widrigkeiten zum Trotz: In der „Burg“ ließ es sich feiern. Das war nicht zuletzt der Chefin Tine Lewerenz zu danken, die resolut und einfallsreich ihre „Burg“ führte. Wer kennt nicht den BCC-Song: „Tine, mach die Bar auf!“?

Die Umbauten nach der Wende nahmen viel vom Flair der „Burg“ weg. Sitzpodeste mit Geländer im Saal brachten ebenso wenig Gemütlichkeit wie die plötzlich total verkleinerten Fenster. Dann kam die Zeit der unangenehmen Unsauberkeit. Es machte einfach keinen Spaß mehr, in die „Burg“ zu gehen.

Diverse Wiederbelebungsversuche scheiterten. Der Barther Carneval-Club hielt lange zu seinem Stamm-Etablissement. Die Narren reinigten selbst Fußböden und Toiletten, dekorierten und verhüllten Schmuddelecken. Doch dann gaben auch sie auf, zogen in die Vineta-Sport-Arena um.

Die Burg wird es nicht mehr geben. Aber erinnern kann man sich ja. Deshalb rufen wir Sie, liebe Barther und Gäste, auf: Schreiben Sie uns Ihre „Burg“-Erinnerungen: Erste Liebe, Berluc-Musik, Betriebsfeste, Bauernbälle, Versammlungen, Jugendtanz. . .

Schicken Sie uns (elektronisch oder auf Papier) Fotos und Texte. Wir werden eine Burg-Erinnerungsseite gestalten. Und uns auf ein neues Gebäude dort freuen. Wachsen und Vergehen gehören nun einmal zusammen.

Aus der Burg wird ein Palast
Die „Burg“ gehörte zu Barth wie die Barthe oder die Fische auf dem Marktbrunnen. Manche Liebe wurde in dem Saal besiegelt, der Rock‘n‘Roll feierte hier Erfolge, der Karneval erlebte Traumabende. Als ich 1976 nach Barth kam und hier Veranstaltungen organisierte, brachte ein Blick hinter die Kulissen Ernüchterung. Die Burg-Bühnenverhältnisse waren auf dem Stand von minus 40 Jahren, die Akustik im Saal eine Katastrophe. Und die HO hatte wenig Geld und Lust, da was zu ändern. Es waren die Leute, die dort arbeiteten — allen voran Tine Lewerenz —, die der Burg das Leben einhauchten. Das nun lässt sich nicht wiederholen. Deshalb ist der Plan, aus der Burg einen Wohnpalast zu machen, schon gut so. Die Burg lebt in den Erinnerungen.hjm
Tine, mach die Bar auf!“Karnevalssong für

HO-Gaststättenleiterin Tine Lewerenz

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Hans-Joachim Meusel