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Ribnitz-Damgarten Ukrainische Familie darf bleiben
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Ukrainische Familie darf bleiben
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13:11 26.10.2018
Schulterschluss mit seinen Mitschülern: Ilja Sereda (Mitte, blaues T-Shirt) darf in Deutschland bleiben. Quelle: Robert Niemeyer
Ribnitz-Damgarten

Eigentlich sollte hier eine ganz andere Geschichte erzählt werden. Eine traurige Geschichte. Eine Geschichte, die von Abschied handelt. „Was soll ich denn noch sagen. Es hat sich nichts verändert“, hatte Illja Sereda am Donnerstagmorgen noch voller Enttäuschung gesagt, als er mit seinen Mitschülern der achten Klasse des Richard Wossidlo-Gymnasiums in Ribnitz-Damgarten seine zu diesem Zeitpunkt vorerst letzte Sportstunde in der Turnhalle absolvierte. Der 13-Jährige und seine Familie sollten am Montag ins Flugzeug steigen und in die Ukraine zurückkehren, weil der Asylantrag der Seredas abgelehnt wurde. Doch dann wendete sich das Blatt.

Als Margitta Berg am Donnerstagnachmittag in den Gruppenraum der Ribnitzer St. Marien-Kirche trat, wo sich die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer der Bernsteinstadt trafen, hatte sich die Nachricht bereits herumgesprochen. Ihr und Vladyslav Sereda war die Freude anzusehen. Die ukrainische Familie darf in Deutschland bleiben. „Das Verwaltungsgericht in Greifswald hat entschieden: Herr Sereda darf eine Ausbildung machen“, sagte Margitta Berg, die die Flüchtlingsfamilie seit drei Jahren betreut. „Wir haben Recht bekommen. Herr Sereda hat ein Recht auf eine Ausbildung.“

Drei Jahre lang gekämpft

Drei Jahre lang hat Berg gekämpft, immer wieder bei der Ausländerbehörde angeklopft. Schließlich zog sie vor Gericht. „Es war ein langer Weg voller Rückschläge. Oft sind wir gegen Wände gelaufen“, sagte sie.

Die drohende Abschiebung der ukrainischen Familie hat in Ribnitz-Damgarten für Bestürzung gesorgt. Eine gut integrierte Familie, die Söhne mit tollen Leistungen in der Schule, Mutter und Vater in Lohn und Brot. Freundlich, nett, aufgeschlossen.

Familienvater Vladyslav Sereda hatte bei der Firma Rosengart & Vagt in Ribnitz im März eine Ausbildung begonnen, musste sie abbrechen, weil der 40-Jährige nach Ansicht der Ausländerbehörde bereits eine Ausbildung hat, eine einjährige Lehre zum Elektrohelfer in der Ukraine. Doch die Handwerkskammer hatte der Ausländerbehörde einen Prüfbericht vorgelegt, der bestätigte, dass diese ukrainische Ausbilung nicht vergleichbar sei mit einer Ausbildung in Deutschland. Weil der Behörde diese Stellungnahme laut Berg ignorierte, zog sie vor Gericht. Mit Erfolg.

Bis zuletzt arbeitete der Vladyslav Sereda weiter. „Er kann alles“, sagte vor einiger Zeit Seredas Chef Roland Vagt, der händeringend nach Fachkräften sucht und nicht verstehen konnte, warum dem Ukrainer nicht die Möglichkeit gegeben wird, in Deutschland zu arbeiten. „Das ist super. Ich bin richtig glücklich. Ich brauche solche Leute“, sagte Roland Vagt jetzt, nachdem ihn die Nachricht vom Verbleib der Familie erreichte. Der ruhende Ausbildungsvertrag wird wieder aktiviert. Am Montag geht es los.

Erfolgreich gekämpft: Margitta Berg, Betreuerin der Flüchtlingsfamilie Sereda, und Vladyslav Sereda sind glücklich. Quelle: Robert Niemeyer

„Ich bin sehr froh. Ohne Frau Berg hätten wir das nicht geschafft“, sagt Vladyslav Sereda. Erleichterung auch in der Familie. „Meine Söhne sind sehr glücklich. Deutschland ist ihre Heimat“, so der 40-Jährige. Weil er für das ukrainische Militär eingezogen werden sollte und in der Ostukraine im Krieg kämpfen sollte, hatte die Familie das Land verlassen. Mehrere Monate arbeitete Vladyslav Sereda mit einem Arbeitsvisum in Polen, bevor er, seine Frau und seine Kinder nach Deutschland kamen.

Eine weitere Hürde

Einen Knackpunkt gibt es allerdings noch. Auch Vladyslav Seredas Frau braucht eine Ausbildung, um in Deutschland bleiben zu können. „Sie würde gerne im Einzelhandel arbeiten“, sagt Vladyslav Sereda. Derzeit arbeitet sie in der Jugendherberge in Ribnitz. Doch der 40-Jährige ist optimistisch, dass nach all den Sorgen der Vergangenheit auch diese Hürde genommen wird.

Und Illja Sereda kann nun doch etwas sagen. „Ich habe es erst nicht geglaubt. Doch ich bin sehr glücklich, dass wir nicht wegmüssen.“ Und so es wird noch viele weitere Sportstunden im Kreise seiner Mitschüler geben.

Robert Niemeyer

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