Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Ribnitz-Damgarten Um drei Uhr klingelt der Wecker
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Um drei Uhr klingelt der Wecker
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 12.04.2013
500 Kilogramm Hering in der Transportbox. Quelle: Fotos: Volker Stephan
Barth

Heringe, Heringe und noch mehr Heringe . . . Über zu geringe Erträge können die Fischer André Grählert aus Pruchten und Christian Permien aus Wieck nicht klagen. Um ihre Kräfte während der diesjährigen Heringssaison zu bündeln, haben sie ihre Quoten zusammengelegt und dürfen nun gemeinsam 72 Tonnen vom Silber des Meeres anlanden.

Normalerweise hätte die Heringssaison schon lange laufen müssen, doch das Boddeneis verhinderte ihren rechtzeitigen Beginn. Am Ostersonntag war es endlich so weit zurückgewichen, dass die Fischer erstmals ihre Heringsnetze in der Grabow ausbringen konnten. An den folgenden Tagen fischten sie jeweils die durchschnittliche Menge von einer Tonne.

„Wir können nur Heringe fangen, wenn der Schwarm sich bewegt. Das tut er aber nur, wenn das Wasser eine gewisse Mindesttemperatur erreicht hat“, nannte André Grählert eine der Grundbedingungen für einen erfolgreichen Fang. Daneben begünstigte am vergangenen Freitag wohl auch das aus der Ostsee einströmende Frischwasser das Fangergebnis: drei Tonnen der von der fischverarbeitenden Industrie, der Gastronomie und den Privatverbrauchern gleichermaßen geschätzten Speisefische ließen kaum noch Platz auf dem Deck des Kutters.

Weil aber die meisten Heringe mit ihren Kiemen noch in den Maschen der Heringsnetze festhingen, war die Arbeit der Fischer noch lange nicht zu Ende. Ihrer nasskalten Schicht auf dem Bodden folgte eine zweite auf der Fischereipier. Bei kaltem Regen im unangenehmen Nordostwind stehend, mussten sie nun Tausende Heringe aus den Maschen puken. Mittels einer Winde wurden dazu die Netze mitsamt den Heringen direkt vom Kutter auf einen Arbeitstisch gezogen. Nachdem sie geleert waren, wanderten sie umgehend in ein Plastefass, um dort bis zum nächsten Einsatz zu verbleiben.

Es ist eine mühselige und stupide Arbeit, die bestimmt keinen Spaß bereitet — zumal es kein Entrinnen vor den allgegenwärtigen, klebrig-schleimigen und fest anhaftenden Schuppen gibt.

Doch den Profis ging die unbeliebte Tätigkeit flott von der Hand, so dass sich die 500-Kilo-Transportbehälter recht schnell füllten. Bestimmt waren sie für der Rügener Verarbeitungsbetrieb Euro-Baltic GmbH.

„Die Standorte für unsere Heringsnetze dürfen wir frei wählen“, erklärte André Grählert, „zusammen mit den übrigen Fischnetzen (unter anderem Zander und Barsch) haben wir gegenwärtig 2,5 Kilometer Netz im Bodden.“

Eine Runde, um alle Netze aufzunehmen und neu auszubringen, dauere etwa fünf bis sechs Stunden, fügte Fischer i. R. Horst Grählert hinzu. Um das tägliche Pensum während der Heringszeit zu bewältigen, müsse man morgens um 3 Uhr aufstehen und würde nicht vor 17 Uhr nach Hause zurückkehren. „Deshalb geht um 20 Uhr im Schlafzimmer das Licht aus.“

Dieser Tagesablauf wird sich — ob Wochen- oder Feiertag — bis Ende April hinziehen. Die Fischer, hoffen, dass sich das Wasser in den nächsten Tagen nicht allzu sehr erwärmt. „Dann laichen die Heringe nämlich sofort ab und verschwinden in Richtung Ostsee. Wegen des späten Beginns der Saison würden wir es nicht schaffen, unsere Quote vollständig abzufischen.“

Horst Grählert konnte sich erinnern, dass die Heringe erstmals in der ersten Hälfte der 1970er Jahre in lohnenden Mengen in der Grabow auftauchten. Dann wurden es von Jahr zu Jahr mehr. „Mitte der 80er hatten die Brigaden Grählert und Suhr der FPG eine gemeinsame Quote von 100 Tonnen. Weil in einem Jahr wegen des Eises in anderen Küstenregionen noch nicht gefischt wurde, aber die Industrie dringend auf den Fisch wartete, wurden es sogar 200 Tonnen.“ Die gute Erholung und Zunahme der Bestände führt Horst Grählert auf die langjährigen Quotenbegrenzungen zurück.

Zum Hering eine Stulle
Fischer André Grählert verrät: „Zum gebratenen Hering esse ich am liebsten nur eine Weißbrotstulle.“ Er nennt gleich noch die Alternative: „Frisch

eingelegter Brathering mit Bratkar-

toffeln.“ Tipp: Dazu noch Salat aus

frischen Barther Gurken — die gibt es nämlich auch schon.

Zusammen mit den übrigen Fischnetzen haben wir 2,5 Kilometer Netz im Bodden.“André Grählert,

Fischer aus Pruchten

Volker Stephan