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Unendliche Weiten im Kunstmuseum

Ahrenshoop Unendliche Weiten im Kunstmuseum

Das Gebäudeensemble erhält eine Messingfassade. Die Eröffnung ist im Spätsommer geplant.

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Gar nicht so einfach ist es, das gekantete Messingblech in die korrekte Form zu bekommen. Die teuren Fassadenst�cke d�rfen nicht verkanten.

Ahrenshoop. Jetzt wird das neue Kunstmuseum in Ahrenshoop zum Goldstück. Die polnischen Monteure der Fassade haben damit begonnen, den ersten der insgesamt fünf „Betonsärge“ — das sind vier große und ein kleines Ausstellungshaus — mit dem markanten Messingprofil zu verkleiden.

Goldstück — auf der Baustelle hört vor allem Bauleiterin Nicole Braune (30) diese Bezeichnung gar nicht so gern. Das Museum soll nicht äußerlich strahlen, womöglich blenden, sondern nach der Eröffnung durch innere Werte begeistern. Die Messingverkleidung wird schon in kurzer Zeit Patina ansetzen und später in einem Braunton erscheinen. Von Weitem, das ist der Hintergedanke, wird das Gebäudeensemble sehr einem rohrgedeckten Haus ähneln. Wie schnell die Verwitterung des Metalls voranschreitet, ist an einem Modell zu sehen, das am Rande der Baustelle aufgestellt ist. Glänzendes Metall? Fehlanzeige!

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Gar nicht so einfach ist es, das gekantete Messingblech in die korrekte Form zu bekommen. Die teuren Fassadenst�cke d�rfen nicht verkanten.

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Dabei ist es gar nicht so einfach, das scharfkantige Messingblech in die richtige Form zu bringen. Da wird schon mal gesägt, ohne dass das Ergebnis den Segen der peniblen Bauleiterin findet. Ein neuer Anlauf und schon fliegen die klitzekleinen metallischen Sägespäne wieder durch die Luft. Nun stimmt die Schräge. Viel Zeit fürs Üben gibt es nicht. Das Material ist teuer, die Zeit sowieso.

Der lange Winter macht sich inzwischen zumindest bei den Fassadenbauern bemerkbar, sie könnten normalerweise schon weiter sein, hinken dem Zeitplan hinterher.

Dafür geht es im Inneren zügig weiter. Im Keller entsteht ein wahres Labyrinth aus Rohrleitungen und Luftschächten. Wohl dem Installateur, der angesichts des scheinbar undurchschaubaren Wirrwarrs auf den Planzeichnungen die Übersicht behält. Schließlich wollen die Heizschlangen in den Dächern der Gebäude alle korrekt angeschlossen sein und auch ein Luftaustausch in den fensterlosen Ausstellungskomplexen erfolgen.

Die nächste Sorge gilt einem angemessenen Auftritt für die Besucher. Das Museum, dessen Gebäude sich selbst schon einmal als Kunstwerk versteht, bietet dem Besucher mehr als nur Beton. Der zurzeit eingegossene Estrich wird nach dem Aushärten akribisch geschliffen, sodass später der Eindruck eines Terrazzo-Belages entsteht. Kein Problem im Erdgeschoss.

Anders sieht es eine Etage höher aus. Da kommen die Arbeiter aufgrund der Dachschrägen mit ihren Maschinen nicht wie gefordert überall bis in den letzten Winkel. Also wird mit der Bauleiterin um jeden Quadratmeter gefeilscht, der später sowieso überbaut werden soll. Doch Nicole Braune zeigt sich wenig verhandlungsbereit. Handarbeit ist angesagt.

Richtig glücklich ist die Bauleiterin in den ersten ausgegossenen Ausstellungsräumen. Die speziellen Oberlichter, die exakt nach Norden ausgerichtet sind, sperren jeglichen Sonnenstrahl aus. Nur das aus Norden einfallende Licht darf später in die „heiligen Hallen“ hinein. Vorteil der extrem aufwändigen Aktion ist: In den Ausstellungsräumen gibt es später einmal keinen Schattenwurf. Und siehe:

Während eines Gesprächs zwischen Nicole Braune und ihrer Urlaubsvertretung Fabian Weber inmitten des hellen Raumes ist tatsächlich kein Schatten zu sehen.

Im Spätsommer ist es dann soweit, das Kunstmuseum Ahrenshoop öffnet seine Türen. Marion Müller-Axt (52) vom Projektbüro für den Museumsneubau ist schon jetzt begeistert von den schier unendlichen Weiten, die sich in den Ausstellungsgebäuden auftun. „Ich bekomme jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich im Innern des Museums bin.“ Wer auf der Straße an der Baustelle vorbeifährt, kann sich das überhaupt nicht vorstellen — davon ist Marion Müller-Axt felsenfest überzeugt. Und in einem Atemzug spricht sie dann von der geplanten Eröffnung des Museums, dessen Bedeutung weit über Orts- und Landesgrenzen hinausreicht. Mit verstärktem Materialeinsatz und zusätzlichen Arbeitskräften wollen die Fassadenbauer den Zeitverzug, den ihnen der lange Winter bescherte, wieder aufholen. In der kommenden Woche soll dann ein exakter Eröffnungstermin für das Kunstmuseum Ahrenshoop ausgehandelt werden, sagt Marion Müller-Axt.

Spender zahlen ein Drittel
7,7Millionen Euro beträgt das Gesamt-Investitionsvolumen für das Kunstmuseum Ahrenshoop, inklusive Grundstück.

2,5Millionen Euro von der Gesamtinvestition wurden Angaben der Stiftung Kunstmuseum durch bürgerschaftliches Engagement aufgebracht.

5Ausstellungsgebäude — vier große und ein kleines Kabinett — sind durch ein großes Foyer miteinander verbunden.

Timo Richter

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Ahrenshoop
Elegante Lösung: Durch das Prismenglas im Dach der Ausstellungsgebäude wird nur Nordlicht in die Räume des neuen Kunstmuseums in Ahrenshoop gelassen.

Für 7,7 Millionen Euro entsteht in Ahrenshoop (Kreis Vorpommern-Rügen) ein Neubau mit innovativer Architektur.

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Von Redakteur Thorsten Richter

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