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Ribnitz-Damgarten Unfall am Boddencenter: Fahrer zu Geldstrafe verurteilt
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Unfall am Boddencenter: Fahrer zu Geldstrafe verurteilt
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00:00 29.03.2014

Verkrampft sitzt Armin M.* auf der Anklagebank im Amtsgericht Ribnitz-Damgarten. Die Nervosität steht dem 42-Jährigen, der wegen fahrlässiger Tötung angeklagt ist, ins Gesicht geschrieben. Am 9. November 2012 hatte der Ribnitz-Damgartener kurz hinter dem Boddencenter einen Fußgänger übersehen und ihn angefahren (die OZ berichtete). Der 68-Jährige Rentner erlitt schwere Verletzungen und verstarb einen Tag später im Krankenhaus.

Der Unfall ereignete sich gegen 17.15 Uhr. „Ich kam von zu Hause und wollte zur Waschstraße. Das Auto war ein Firmenwagen“, erklärte der Angeklagte vor Gericht. „Am Boddencenter musste ich anhalten, weil einige Autos dort abbogen. Dann bin ich wieder losgefahren. Ich habe den Mann im Dunkeln zu spät gesehen“, sagte Armin M., der als Kraftfahrer arbeitet. Die Entfernung zwischen der Ausfahrt des Boddencenters und dem Unfallort schätzte er auf rund 70 Meter. „Ich habe eine Schatten wahrgenommen und gebremst, aber da war es schon zu spät.“

Die Untersuchungen des Sachverständigen der Dekra ergaben, dass der Angeklagten statt der erlaubten 50 km/h mit 60 bis 68 km/h fuhr. „Mit dem Auto, einem Scoda Fabia, erreicht man diese Geschwindigkeit auf dieser Strecke ohne Probleme. Dafür muss man nicht aufs Gaspedal drücken“, erklärte der Sachverständige. Doch trotz dieser erhöhten Geschwindigkeit hätte der Fahrer aus Sicht des Experten der Dekra noch rechtzeitig bremsen können.

Um auszuschließen, dass er den Fußgänger aufgrund der Sichtverhältnisse nicht sehen konnte, sei zudem eine lichttechnische Untersuchung in Auftrag gegeben worden. Das Ergebnis: Trotz der Dämmerung hätte der Angeklagte den Fußgänger früh genug sehen müssen. Die einzige Erklärung: Ein unachtsamer Augenblick des Autofahrers.

„Mir tut es sehr leid, dass ein Mensch zu Tode gekommen ist“, erklärte der Angeklagte. „Aber es war ein Unfall.“

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe — 120 Tagessätze à 30 Euro. „Der Angeklagte war unaufmerksam und ist zu schnell gefahren“, begründete der Staatsanwalt seine Forderung. „Der Unfall hätte vermieden werden können.“ Eine härtere Strafe — möglich seien bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe — sei dennoch unangemessen. „Der Angeklagte ist nicht vorbestraft und ein schweres Verschulden konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Auch ein Mitverschulden des Geschädigten kann nicht ausgeschlossen werden.“

Richter Chris Neumann blieb leicht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Er verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 25 Euro. „Das Gutachten wäre eigentlich nicht nötig gewesen. Es ist egal, wie schnell Sie gefahren sind, denn man muss die Geschwindigkeit den äußeren Verhältnissen anpassen.“ Im konkreten Fall — bei Dämmerung an einer von Fußgängern häufig überquerten Straße — wären 30 km/h angemessen. „Mir ist klar, dass das niemand macht. Aber wenn etwas passiert muss man die Konsequenzen tragen“, sagt Neumann. *

Name von der Redaktion geändert



Anika Hoepken

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