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Urgestein der Seefunker geehrt

A 5sp 42 16 Urgestein der Seefunker geehrt

Der Wustrower Fachmann Hans Lakowski wäre einen Tag vor dem gestrigen Welt-Funker-Tag 100 Jahre alt geworden. Seine ehemaligen Absolventen erinnern sich.

WustrowEs herrscht eine besinnliche Ruhe auf dem Friedhof in Wustrow auf dem Fischland. „Hans Lakowski 1913-1986“ ist auf einem schlichten granitgrauen Grabstein zu lesen. „Heute wäre unser fast väterlicher Freund und Lehrmeister in Seefunk-Telegrafie der ehemaligen Seefahrtschule 100 Jahre alt geworden“, erinnern sich die früheren Hochschulabsolventen am Mittwoch in Wustrow.

Die Absolventen der einstigen Seminargruppe F02 begannen im September 1970 an der Ingenieurhochschule für Seefahrt Warnemünde-Wustrow (heute Hochschule Wismar — Bereich Seefahrt) ihre Ausbildung zum Funkoffizier, als zweiter Jahrgang mit gleichzeitigem Hochschulabschluss). Und es fand sich Zeit, genau an diesem Tag einen stillen Gruß des Gedenkens zu überbringen.

Lako, wie er gern und achtungsvoll von ihnen genannt wurde, war nicht nur selbst gestandener Seefunker der einstigen Küstenfunkstelle Rügen-Radio (bis 1956), sondern hatte im Zuge der Wiedereröffnung der Seefahrtschule ab dem gleichen Jahr 1956 als Lehrer/ Fachrichtung „Seefunk-Telegrafie“ wesentlichen Anteil an der Ausbildung des dringend benötigten Funkpersonal-Nachwuchses für die damalige Handels- und Fischereiflotten der DDR.

„Unsere Erwartungshaltung und auch das Interesse waren groß, vor allem deshalb, weil wir trotz der inzwischen vollzogenen Bildungsreform neben dem eigentlichen Hochschulabschluss den klassischen Funkbetrieb professionell zu erlernen hatten“, erinnert sich Rudolf Krohn. Damit war für Lakowski einmal mehr Pionierarbeit angesagt: dafür zu sorgen, dass ein weiterer Jahrgang nach dreieinhalb Jahren Studienzeit das klassische Handwerk der Morsetelegrafie perfekt beherrscht.

‚Lako‘ hatte zudem die besondere Rolle inne, ein Studium mit dem ‘Handwerk Telegrafie (Morsen)‘ zu verbinden — das war fast so, als ob jeder Elektroingenieur nebenbei ein begnadeter Geiger werden sollte, wissen die früheren Absolventen.

Aber seine Schützlinge hatten es mit einem sehr erfahrenen Fachmann zutun, der sich in rühriger Weise um jeden einzelnen von ihnen kümmerte und es hervorragend verstand, auch bei Misserfolgen jeden zu ermuntern. Wurde es nach vier Stunden Vorlesung zu anstrengend, kam bei der praktischen Funkausbildung schon mal ein „30-er Röhrengerät“, sprich eine Bierkiste, zum Einsatz. Angeblich mit stimulierender Wirkung, damit sich die Telegrafie-Melodien wieder besser in die Funker-Ohren einschmeicheln.

Für das Wustrower Urgestein ‘Lako‘ war die Morsetelegrafie zwar wie Musik, doch er wusste ebenso seine Funkschüler davon zu überzeugen, dass nicht Musikalität allein entscheidend ist. Es galt vielmehr, jedem Einzelnen die Fähigkeit zu vermitteln, jeden Morse-Buchstaben als rhythmischen Einzelklang zu erkennen. War dies gelungen, ging es darum, sich völlig auf die unterschiedlichen Klangbilder zu konzentrieren, nicht mitzudenken und das Gehörte reflexartig mitzuschreiben. Das letztendlich hohe Tempo — zur Prüfung aus der fehlerfreien Textmitschrift bei einem Tempo von 135 Buchstaben pro Minute innerhalb von fünf Minuten — erforderte zudem, ganze Worte oder Textpassagen im Kopf „mitzulesen“. „Dieses Morse-Telegrafie-Handwerk auf uns zu übertragen, ist dem Funkervater von einst großartig gelungen“, sagt Kurt Rühl. Allein bis 1980 seien in Wustrow und Warnemünde 330 Funkoffiziere ausgebildet worden.

Die zunehmende Automatisierung im Funkwesen wies zunehmend in die ingenieurtechnische Ausbildungsrichtung. So rangierte in manchem Köpfen die Disziplin Hören und Geben als nicht „hochschulwürdig“.

Dennoch kam niemand an der einst noch gesetzgebenden Tatsache vorbei: Ohne Prüfungsabschluss in Morsetelegrafie zum Erlangen des Funkpatentes gab es keinen Einsatz als Funkoffizier an Bord. Denn bis zum Zeitalter der weltumspannenden Satellitenkommunikation um 1990 — dem gleichzeitigen Ende des klassischen Seefunks — hatten es diese Fachleute in der Hand, Funkbrücken in die Heimat oder von Schiff zu Schiff herzustellen. Eine besondere Rolle spielten sie bei der Abwicklung des Seenotverkehrs.

Hans Lakowski hat dies nicht mehr erlebt und starb am 24. September 1986. Doch die Erinnerung an ihn bleibt auch über die Zeitenwenden des nachrichtentechnischen Fortschritts hinaus.

Eckbert Balfanz und Kurt Rühl

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