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Ribnitz-Damgarten Vergnüglicher Tschechow-Abend in Born
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Vergnüglicher Tschechow-Abend in Born
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00:00 11.03.2013
Helga Mau und Helge Koch in dem Einakter „Der Bär“ von Anton Tschechow. Quelle: Elke Erdmann
Born

Anton Tschechows Einakter „Der Heiratsantrag“ und „Der Bär“ feiern in Born immer mal wieder Premiere mit wechselnder Besetzung. Der Borner „Spielkreis Rampenfieber“

brachte die Stücke am Sonnabend erneut auf die Bühne des Sommertheaters und löste damit herzhaftes Lachen aus.

Im Frack, mit Fliege und weißen Handschuhen erscheint der in seine Krankheit verliebte Gutsbesitzer Lomow überraschend bei seinem Nachbarn Tschubukow als Hochzeiter. Umständlich bittet er diesen um die Hand seiner Tochter Natalja. Tschubukow reagiert überschwänglich, nennt den Heiratswilligen „Mütterchen, mein Täubchen, mein Engel“. Den Tschubukow mimt der inzwischen in Hamburg lebende Volker Blaak. Er findet mit Helge Koch einen fabelhaften Gegenspieler, der die Feinheiten seiner Rolle beherrscht. Man nimmt ihm das Ohrensausen, Herzklopfen, Zittern der Lippen und Zucken des Augenliedes ab.

Natalja (Karin Katzke), von Lomows Absichten nichts wissend, begrüßt ihn liebenswürdig, schmeichelnd. Doch dann entwickelt sich ein Streit. „Die Ochsenwiesen gehören uns!“

Und „Otkatai ist doch bei weitem besser als Ihr Ugadai“, ereifert sich die zartgliedrige Natalja zänkisch und energisch über beider Jagdhunde. In der Pause musiziert der vielseitig begabte Lehrer Thomas Kampf (33) russische Volksweisen am Klavier. Er ist gleichzeitig der Repetitor für Elke Segebarth, die Zigeunerlieder singt und im zweiten Einakter „Der Bär“ vollends in die Rolle einer Dienerin schlüpft. Der Gutsbesitzers Smirnow (wieder Helge Koch) ist 70 Werst gefahren, um auch bei der Witwe Popowa (Helga Mau) Schulden einzutreiben. Verärgert über seinen Misserfolg gerät er in einen Monolog über das weibliche Geschlecht, spottet scherzhaft und beleidigt.

Horst Michael Röll, pensionierter Lehrer und profunder Kenner der Literatur, inszeniert seit Jahrzehnten als Regisseur mit Naturtalenten klassische Alltagsgeschichten. Mimik und Gestik der agierenden Personen sind ausgefeilt. Erlesene Kostüme und sparsame Requisiten unterstreichen das Theatervergnügen.

Dieser Tage war Tolstoi auf einem Tschechow-Abend und soll gelacht haben, daß er fast vom Stuhl fiel.“12. Dezember 1900: Olga Knipper schrieb nach einer Aufführung in

Moskau an Tschechow.

Elke Erdmann

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