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Verliebt in eine urige Uhr

Barth Verliebt in eine urige Uhr

Martin Manzei passt seit 16 Jahren auf, dass die 150 Jahre alte Turmuhr der Barther Kirche richtig geht. Die alte Dame ist nicht immer einfach.

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Martin Manzei sorgt seit 16 Jahren dafür, dass die Zeit in Barth nicht still steht.

Quelle: Carolin Riemer

Barth. Wie über eine alte Freundin, so spricht Martin Manzei von der Turmuhr in der Barther Kirche. „Sie fordert ihre Aufmerksamkeit und benötigt Pflege, dann geht sie aber auch auf die Minute genau“, sagt der 38-Jährige beispielsweise. Die Aufmerksamkeit bekommt sie seit 16 Jahren von ihm und seinem Kollegen Jobst Zimmermann.

 

Seit fast 150 Jahren läuft die Turmuhr ununterbrochen

Alle zwei Tage klettert Manzei die 86 Stufen zum Dachboden der Kirche hinauf und zieht die Uhr mithilfe einer großen Handkurbel auf. Hier läuft nichts elektrisch. Seit dem Jahr 1870 tickt das mechanische Uhrwerk fast ununterbrochen. Das fasziniert den Mann aus Lüdershagen besonders: „Ich würde gern wissen, was der Uhrmachermeister Möllinger aus der Großuhrenfabrik in Berlin sagen würde, wenn er wüsste, dass seine Uhr noch heute so einwandfrei funktioniert.“ Wahrscheinlich würde er sich bei Martin Manzei bedanken. Dafür, dass er regelmäßig die Lager mit Öl schmiert, abgenutzte Zahnräder repariert, lockere Schrauben anzieht und nachschaut, wo ein Gegengewicht hängen blieb.

Oft müsse er wie ein Detektiv arbeiten. Bleibt die Uhr aus unersichtlichem Grund stehen, steigt Manzei auch zehnmal pro Tag auf den Turm und sucht nach dem Fehler. Manchmal sind die Dohlen schuld, die hinter dem Ziffernblatt der Turmuhr ihre Nester so groß bauen, dass der große Zeiger nicht mehr an ihnen vorbei kommt. Dann bleibt die Uhr stehen und Martin Manzei liegt zuhause in seinem Bett in Lüdershagen wach. „Ich bin da wirklich ehrgeizig und möchte, dass sie immer genau geht“, sagt er und lacht. Stehende Uhren, die könne er nicht ausstehen: „Da kribbelt es in meinen Händen.“ Ein Gebäude, an dem eine nicht funktionierende Uhr hänge, das sei doch tot, findet er.

Eine eigene Turmuhr für die Scheune

Den Faible für alte Möbel, Technik und Uhren hat er schon seit seinem 13. Lebensjahr. Er sammelt urige Wecker und Standuhren und an seiner Scheune hat er sich eine eigene Turmuhr angebaut, die vermutlich aus dem einstigen Postamt in Bergen auf Rügen stammt. Nach der Schule ließ Manzei sich zum Koch ausbilden. „Aber nur, weil ich einen Beruf lernen musste.“ Die Leidenschaft für Antiquitäten stillte er in seinem eigenen Geschäft. Elf Jahre lang führte er einen Laden, bevor er „zur richtigen Zeit noch den Absprung fand“. Der Laden ist geschlossen, die Kirchturmuhren sind in seinem Leben geblieben.

Auch um die Turmuhr in Lüdershagen kümmert er sich mit seinem liebevollen Eifer. Windanfällig sei diese und ab und an friert sie ein. Dann steht die Zeit still, bis Martin Manzei kommt. So war es auch in Schlemmin. Martin Manzei und Wolfram Stornowski, Gemeindepädagoge aus Ahrenshagen, spürten eine alte Uhr in einem Gutshaus auf und bauten sie in die Schlemminer Kirche ein. Beigebracht habe Manzei sich alles selbst. „Viele Bücher gelesen und ausprobiert“, sagt er. Und es funktioniert. In einem Heft neben dem Uhrwerk notiert er penibel, wenn die Barther Turmuhr mit ihren 1,25 Meter langen Zeigern eine Minute im Verzug ist. „Es ist verrückt: Macht die Barther Uhr Probleme, ist damit zu rechnen, dass parallel auch die in Lüdershagen rumzickt.“ Als würden sich die beiden alten Damen absprechen.Übernommen hat er seine Aufgabe von Friedhelm Wiechering. Doch um den urigen Zeitmesser kümmerten sich schon etliche Uhrmacher in den vergangenen 150 Jahren. Viele von ihnen haben sich mit heiteren Sprüchen auf den Wänden verewigt, in denen das Uhrwerk unermüdlich tickt. Martin Manzei hatte noch nicht das Bedürfnis, einen Spruch an die Wand zu kritzeln: „Ich möchte sie ja noch lange betreuen und hoffe, dass nicht so schnell eine moderne elektrische Uhr eingebaut wird.“

Carolin Riemer

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