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Ribnitz-Damgarten Wehmütige Klänge zum Abschied
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wehmütige Klänge zum Abschied
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00:00 09.03.2013
Passend zum Abschied: Das Heeresmusikkorps Neubrandenburg spielt „Time to Say Goodbye“.
Bad Sülze

Wie passend: „Time to Say Goodbye“ (Zeit, um „Auf Wiedersehen“ zu sagen) spielte des Heeresmusikkorps Neubrandenburg gestern auf dem Appellplatz der Recknitztal-Kaserne und betonte damit instrumental den wehmütigen Augenblick, als das Flugabwehrraketengeschwader 2 „Mecklenburg- Vorpommern“ in Bad Sülze aufgelöst und die Standortfahne eingeholt wurde. Es ist als erste Luftwaffeneinheit in Mecklenburg-Vorpommern gestern wegen der Bundeswehrreform außer Dienst gestellt worden. Mit rund 1500 Dienstposten war das Flugabwehrraketengeschwader 2 der größte Verband der Luftwaffe in den neuen Bundesländern.

Nach Auflösung des Geschwaderstabes und der Stabsstaffel blieben allerdings noch gut 1200 Soldaten und Zivilbedienstete an den Standorten in Bad Sülze und Sanitz stationiert, wie Innenminister Lorenz Caffier (CDU) beim Auflöseappell sagte. Die zwei bisher dem Flugabwehrraketengeschwader 2 unterstellten Gruppen 21 und 24 blieben erhalten und würden, wenn auch personell reduziert, ab 1. April dem Flugabwehrraketengeschwader 1 „Schleswig-Holstein“ in Husum unterstellt.

„Damit verbleibt das Rückgrat der zur Flugkörperabwehr befähigten modernen Patriot-Verbände hier in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Generalmajor Robert Löwenstein (59), Kommandeur der 1.

Luftwaffendivision. So werde die Tradition der Flugabwehr, aber auch die dauerhafte Verbundenheit der Soldaten mit den Menschen aus der Region an der Ostseeküste aufrechterhalten werden können.

„Dass wir es uns heute leisten können, die Landesverteidigung auf kleiner Flamme zu kochen, hängt mit der sicherheitspolitischen Lage auf unserem Kontinent und der umfänglichen Einbindung in Systeme kollektiver Sicherheit zusammen“, sagte Löwenstein und ergänzte: „Die deutschen Außengrenzen waren noch nie so sicher.“

Der stellvertretende Kommodore, Oberleutnant Mohamed Ibrahim (48), bezeichnete die Auflösung als für die Betroffenen schmerzlich. „Aber wir sollten nicht vergessen“, führte er vor Augen, „dass unser Geschwader mit seinen Verbänden im direkten Vergleich mit den beiden anderen Flugabwehrraketengeschwadern der Luftwaffe weit weniger hart von der Reduzierung getroffen wurde.“ Das Flugabwehrraketengeschwader 5 in Oberbayern mit ebenfalls etwa 1500 Dienstposten wurde gänzlich aufgelöst und das Flugabwehrraketengeschwader 1 verlor eine komplette Flugabwehrraketengruppe.

„Dass die Flugabwehrraketengruppen 21 und 24 in der neuen Struktur weiterbestehen und die Patrioten der Ostseeküste künftig zwei Drittel der zur Flugabwehr befähigten Patriot-Verbände im Flugabwehrraketengeschwader 1 bilden, macht den Abschied leichter“, unterstrich Ibrahim. Er wünschte, „dass schnell zusammenwächst, was zusammen gehört“ und dass die über 300 Kilometer Entfernung zum Geschwaderstab in Husum kein Hindernis für einen einsatzbereiten Verband darstellen.

Stationen aus über 50 Jahren

1961 wurde das Flugabwehr- raketengeschwader 2 „Mecklenburg-Vorpommern“ als Flugabwehrregiment 4 im niedersächsischen Osnabrück aufgestellt. Nach

Stationierungen im niedersächsischen Oldenburg und Bremervörde sowie drei Umbenennungen erfolgte nach der deutschen Wiedervereinigung für zwei Jahre eine zwischenzeitliche Verlegung nach Ladeburg bei Berlin.

1996 schloss der Geschwaderstab die Verlegung nach Bad Sülze ab. 2004 wurde dem Flugabwehrraketengeschwader 2 durch die Landesregierung der Beiname „Mecklenburg-Vorpommern“ verliehen. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) verlieh dem Geschwader 2010 das Fahnenband des Landes, die höchste Auszeichnung Mecklenburg-Vorpommerns für einen Verband der Streitkräfte.

Detlef Lübcke

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