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Ribnitz-Damgarten Wenn Tod zum Tagesgeschäft gehört
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wenn Tod zum Tagesgeschäft gehört
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00:00 26.03.2014

Dieses Haus in der Barther Straße 15 betreten die meisten nur ein, zwei Mal in ihrem Leben — und manchmal auch erst danach. Der Arbeitsalltag ist vielseitig, wenn auch für einen Außenstehenden etwas gewöhnungsbedürftig. Für Christoph Winkler (36), Nachfolger im Beerdigungsinstitut Schwinkendorf, gehört der Tod zum Tagesgeschäft — angefangen von der Beratung, über die Begleitung bis zur abschließenden Bestattung.

Um zehn Uhr steht ein erstes Beratungsgespräch an. Vorher musste eines der Fahrzeuge in die Werkstatt. Später folgt noch eine Leichenüberführung aus dem Krankenhaus. So sieht der Vormittag für mich an diesem Tag aus. „Es ist nicht jeden Tag so viel los“, sagt Christoph Winkler. Aber eine Vorhersage für den Terminplan lässt sich in diesem Beruf eben schwer treffen.

Auch Mitarbeiter Bianka Giese und Volker Klinge wissen um die schwankenden Termine. „Manchmal führe ich drei Gespräche am Tag“, erzählt Bianka Giese von den geschäftigen Tagen. Als Trauerrednerin findet sie bei weltlichen Bestattungen die richtigen Worte. „Obwohl ich ja die Bezeichnung Trauerrednerin nicht gut finde“, korrigiert die 46-Jährige: „Ich verstehe mich als Abschiedsrednerin.“

Die tiefe Dankbarkeit der Menschen, sagt Winkler, sei das Besondere an seinem Beruf. Trotz der 24-Stunden-Bereitschaft und der fast täglichen Begegnung mit dem Tod, gelingt es ihm zum Feierabend abzuschalten.

Mittlerweile wünschen sich viele Menschen keine Trauerfeier, sondern eine Abschiedsfeier, hat Volker Klinge festgestellt. Der hochgewachsene Bestatter ist seit 2006 im Damgartener Beerdigungsinstitut. „Das ist mein Reich“, sagt er und öffnet die Tür zum Kühlraum. Im Gegensatz zum restlichen Haus, das mit warmen Holzmöbeln und dezenten Farben beruhigend wirkt, ist es hier hell gefliest. Die silberglänzenden großen Kühlschränke, die metallische Trage, viele Flaschen mit unterschiedlichen Chemikalien — dass Hygiene von großer Bedeutung ist, wird schnell klar. Nach der Überführung eines Verstorbenen in die Kühlung des Institutes, wird dieser für die Bestattung vorbereitet. Den Hinterbliebenen möchten die Bestatter den angenehmsten letzten Eindruck, der möglich ist, bereiten. Nase, Augen, Mund und Ohren müssen eingesalbt werden; die Haut würde sonst lederartig und spröde werden, erklären die Fachleute. Sollte sich die Bestattung aus unterschiedlichen Gründen verschieben, können die Hinterbliebenen auf Wunsch den Leichnam einbalsamieren lassen. Hierzu werden die menschlichen Körperflüssigkeiten gegen eine Lösung aus verschiedenen Chemikalien ersetzt. Auch die dicken Nähte, die bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung verwendet wurden, tauscht Volker Klinge gegen Dünnere aus.

Unternehmensführer Christoph Winkler hatte vor der Arbeit mit Toten einen sehr lebendigen Beruf. Er absolvierte eine Krankenpfleger- Ausbildung: „Ich habe anschließend einige Jahre in einer Klinik gearbeitet und war vier Jahre im Sanitätsdienst der Bundeswehr.“ 2002 machte er sich als Bestatter in Neustrelitz selbstständig. 2008 übernahm er das Beerdigungsinstitut in Damgarten. Vor vier Jahren erweiterte Winkler das Repertoire. Als studierter Thanatopraktiker ist er beispielsweise mit der Rekonstruktion von Unfallopfern vertraut. Darüber hinaus legt Winkler Wert auf Qualitätsprüfungen:

„Wir lassen uns regelmäßig vom TÜV kontrollieren.“



Paula Mittermayer

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