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Ribnitz-Damgarten Wie fühlt man sich als Lebensretter?
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Wie fühlt man sich als Lebensretter?
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00:05 10.06.2017
Andrew Jones, Nordrhein-Westfale mit englischen Wurzeln, Animateur und Lebensretter. Quelle: Foto: Robert Niemeyer
Prerow

„Wie fühlt man sich als Lebensretter?“ Mit dieser Frage wurde Andrew Jones begrüßt, als er vor drei Jahren in einem Kölner Krankenhaus aus der Narkose aufwachte. Wie fühlt man sich als Lebensretter? Eine Frage, die wahrscheinlich viel zu wenigen Menschen gestellt wird.

Andrew Jones verbringt in diesem Sommer die erste Saison im Regenbogen-Camp in Prerow. „Wenn Erwachsene lächeln, kann es ernstgemeint sein oder nicht. Wenn Kinder lächeln, ist es immer ernstgemeint.“ Jones’ Blick strahlt selbst etwas Kindliches aus, wenn er von seiner Arbeit erzählt. Der 33-Jährige ist der Chef-Kinder-Animateur auf der Ferienanlage auf dem Darß. Mädchen und Jungen aus Nah und Fern kommen zu ihm, um im Urlaub Spaß zu haben. „Der Job ist anstrengend. Aber ein Kinderlächeln reicht aus, um das zu vergessen.“

Alles ganz einfach

2013 wandten sich zwei Freunde an den gebürtigen Nordrheinwestfalen mit englischen Wurzeln. Deren Mutter war an Blutkrebs erkrankt. Die beiden Freunde riefen zum Blutspenden auf. Mehr als 1000 Menschen ließen sich für die Frau typisieren. Darunter auch Andrew Jones. „Selbstverständlich habe ich sofort ja gesagt. Das ist ganz einfach, entweder Blut abnehmen oder, noch einfacher: das berühmte Wattestäbchen.“

Was aus der Frau geworden ist, wisse Jones leider nicht. Da er keine Nachricht bekommen hat, weiß er zumindest, dass er als Spender nicht in Frage kam. Das änderte sich jedoch schneller als gedacht.

Normalerweise dauert es bis zu sechs Monate, bis potenzielle Spender in den verschiedenen, weltweiten Datenbanken mit allen notwendigen Daten registriert sind. „Aber schon nach zwei Monaten bekam ich einen Brief“, erinnert sich Jones. Es gibt einen Zwilling, stand darin. Zwilling bedeutet, dass jemand gefunden wurde, der tödlich erkrankt ist und dessen genetische Daten zu denen von Andrew Jones passen. „Ich bin sofort am nächsten Tag zum Arzt.“ Bei der Voruntersuchung erfuhr er, dass nicht sein Blut, sondern Knochenmark benötigt wird. „Ich wusste nicht, wer es bekommen soll. Ich wusste nur, ich will helfen“, sagt Jones.

Krank zur OP

Dabei wäre es zu der lebensrettenden Operation beinahe nicht gekommen. 40 Grad Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, und das ausgerechnet am OP-Tag. „Ich bin trotzdem gefahren.“ Und zwar ins Krankenhaus nach Köln. Die Ärzte gaben einen Tag lang alles, um Andrew Jones wieder fit zu machen. „Ich habe nur gedacht: Mist, warum bin ich nur krank geworden.“

Doch einen Tag später fühlte er sich gut genug. 900 Milliliter Knochenmark sollten entnommen werden, am Ende waren es 1,1 Liter. „Je mehr, desto besser“, so Jones. An den Moment des Aufwachens erinnert er sich noch genau. Nicht an Schmerzen, die hatte er nicht, nur so etwas wie einen leichten Muskelkater. An die Müdigkeit. Vor allem aber an die Frage der Ärztin neben seinem Bett und das Gefühl von Stolz. „Ich dachte: Wow, ich habe etwas Gutes getan.“ Es war der 27. März 2014.

Wer ist es?

Bis dahin wusste er immer noch nicht, wem er das Leben gerettet hat. „Es ist schon komisch, das nicht zu wissen.“ Erst nach der OP durfte er die DKMS (siehe Info-Kasten) anrufen und nachfragen.

Vielleicht würde man sich ja bald sehen, sich in die Augen schauen, mit einem dankbaren Lächeln, so wie er es von den Kindern kennt, die er in seinem Job unterhält. In Deutschland gilt für die Spendenempfänger zwei Jahre Anonymität. Grunddaten wie Alter und Geschlecht gibt es, mehr nicht. Erst nach 24 Monaten dürfen Spender und Empfänger Kontakt aufnehmen. „Ich stand vorm Kölner Dom, war auf dem Weg zum Bahnhof, als ich angerufen habe. Ich hatte Gänsehaut.“

Ein elfjähriges Mädchen aus Italien.

„Das machte alles noch größer, ein kleines Mädchen, das sein ganzes Leben noch vor sich hat.“ Das sollten alle erfahren. Bei Facebook postete er regelmäßig Fotos und Texte von seinem Weg zur Spende.

Nicht, um zu prahlen, sondern weil er so stolz war und andere dazu bewegen wollte, selbst zum Spender zu werden. „Viele haben sich daraufhin typisieren lassen, zum Beispiel hat meine ganze Familie danach mitgemacht“, berichtet Andrew Jones. Doch einige Fragen blieben: Hat es gereicht? Hat der Körper des Kindes die Spende angenommen? Hat sie den Kampf gegen die tödliche Krankheit gewonnen?

Regelmäßig bekam er Nachricht von der DKMS. „Es geht ihr gut, aber sie ist noch nicht über den Berg“, stand in einer davon, sechs Monate nach der OP.

Nach zwei Jahren . . .

Und dann endlich, nach zwei Jahren, ein erneuter Brief von der DKMS: „Sie hat die Krankheit besiegt.“ Die Krankheit besiegt, ein junges Leben gerettet, noch mehr Stolz, noch mehr Glücksgefühle. Und zwei Jahre sind vorbei.

Doch treffen können sich die beiden nicht. Das italienische Gesetz verbietet die persönliche Kontaktaufnahme komplett. „Es geht ja nicht darum, dass eine tiefe Freundschaft entsteht. Aber wenn ich der Patient wäre, ich würde wenigstens Danke sagen wollen“, sagt Jones. Er könnte schreiben, doch das sei zu unpersönlich, da in Deutschland und in Italien jemand den Brief zuvor lesen würde und alle Hinweise, die eine Kontaktaufnahme ermöglichen, streichen würde. „Ich bin aber nicht traurig, ich wollte nur helfen. Und es ist ein mega Gefühl.“

Doch wer weiß. Das Regenbogen-Camp in Prerow ist international bekannt. Menschen aus ganz Europa kommen hierher. Vielleicht spielt zwischen den Kindern, die Andrew Jones dort täglich unterhält, irgendwann in diesem Sommer dieses Mädchen aus Italien, das ihm ihr Leben verdankt und mittlerweile 14 Jahre alt ist, und lächelt ihn an.

Hier kann man spenden

Die DKMS gemeinnützige GmbH (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Tübingen. Haupttätigkeitsfeld ist es, mit Knochenmarkspenden die Heilungschancen von Menschen mit Leukämie und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des blutbildenden Systems zu verbessern.

Die DKMS-Datei potenzieller Knochenmark- und Stammzellspender enthält weltweit über sechs Millionen Personen, davon über 4,3 Millionen in Deutschland. Bezogen auf den Anteil der in Deutschland lebenden Spender verfügt die DKMS über etwa 60 Prozent aller in Deutschland typisierten Spender und über etwa 18 Prozent aller weltweiten Spender. Die DKMS betreibt damit die weltweit größte Spenderdatei.

Täglich werden weltweit durchschnittlich 18 Stammzelltransplantate, die von bei der DKMS registrierten Spendern stammen, an Patienten vermittelt.

Internet: www.dkms.de

Robert Niemeyer

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