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Ribnitz-Damgarten Test-Förderung: Jetzt soll in Saal Erdöl fließen
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Test-Förderung: Jetzt soll in Saal Erdöl fließen
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11:00 03.04.2014
Arbeiten zur Vorbereitung der Probebohrung in Saal. Am Dienstag wurden die Container aufgestellt. Quelle: Elisabeth Woldt

Auf dem Bohrgelände am Rande von Saal herrscht reges Treiben: Ein Kran platziert mehrere Container aufeinander. Neue Hinweisschilder werden aufgebaut, Scheinwerfer angeliefert, das Gelände weiter erschlossen. Ein Techniker schaltet die Internetleitung frei.

Seit etwa einer Woche laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. „Bis Mitte April soll der Bohrturm aufgebaut werden“, sagt Jens Müller. Er ist der Pressesprecher des deutsch-kanadischen Erdölunternehmens Central European Petroleum (CEP), das etwa 2,7 Kilometer unter der Erdoberfläche von Saal 40 Millionen Barrel Erdöl fördern will. Jetzt soll getestet werden, wie gut das schwarze Gold tatsächlich fließt. Daraus ergeben sich dem Unternehmen zufolge weitere Informationen über das Förderverhalten des Öls. Für diese Informationen investiert CEP nochmals elf Millionen Euro. Das Bergamt Stralsund hatte die Testförderung im März genehmigt.

In einem Schreiben wurden die Saaler in der letzten Woche über den Ablauf der Förderungen informiert. Noch im April soll gebohrt werden. „Leider sind wir bereits etwa eine Woche in Verzug“, erklärt Müller. Doch er zeigt sich zuversichtlich, dass im Juni der etwa fünftägige Fließtest beginnen kann. Parallel zu den Vorbereitungen wird der Untergrund im Umkreis von etwa drei Kilometern außerdem mikroseismisch vermessen. Abhängig von den Ergebnissen nach der Bohrung könnte im Juni dann noch mal ein mehrmonatiger Fließtest folgen.

Vertreter von Umweltschutzorganisationen, wie der BUND und Greenpeace, hatten das Vorhaben in Vorpommern zuvor kritisiert. CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter sieht hingegen keinen Grund zur Sorge.

Das Förderverfahren sei bewährt, Landschaft und Tourismus würden nicht beeinträchtigt, versicherte er mehrfach.

Während der Testförderung wird etwa 2,7 Kilometer tief gebohrt — danach nochmals etwa einen Kilometer weit horizontal. In dieser Tiefenschicht befindet sich — vereinfacht gesagt — die Ölquelle: In das poröse Ölspeichergestein Straßfurt-Karbonat will das Unternehmen in der Testphase einmalig etwa 150 Kubikmeter Flüssigkeit hineinpumpen. Dadurch öffnen sich die Poren des Gesteins in einem Umkreis von etwa 75 Metern rund um das Bohrloch. Das ermöglicht das Fließen des Öls. Die hineingepumpte Flüssigkeit sei explizit nicht umweltgefährdend, betont das Unternehmen. Vielmehr bestehe sie zu 99,5 Prozent aus Wasser und Keramiksand. Hinzu kämen Stoffe, die aus der Lebensmittelproduktion stammen.

Absenkungen des Bodens seien ebenfalls nicht zu befürchten, da das Ölspeichergestein durch Hundert Meter dichte Salz- und weitere Gesteinsschichten überlagert und dadurch geschützt sei. Zur Sicherung des Grundwassers werde das Bohrloch durch drei Stahl- und zwei Betonummantelungen von der Umgebung abgetrennt.

Anwohner befürchten Lärmstörungen, aber das Unternehmen bemüht sich auch hier zu beruhigen. So soll es während der Bohrung nur maximal sechs Stunden laut sein, sagt Müller. Erdbebenähnliche Vibrationen während der Förderung, schließt das Unternehmen aufgrund der Beschaffenheit des Bodens aus. Allerdings werden während der Arbeiten etwa 400 Lkw-Bewegungen auf der Strecke Neuendorf, Hermannshof und Bartelshagen II zur B 105 notwendig sein, gibt CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter in dem Schreiben an die Saaler zu. Das sei aber nur etwa die Hälfte des Aufkommens während der sogenannten Explorationsbohrungen im Jahr 2011. Wenn alle Ergebnisse der Förderung vorliegen, könnten 2015 weitere Bewertungsbohrungen folgen. 2016 könnte dann der Antrag auf Gewinnung gestellt werden, erklärt Müller. Frühstmöglich könnte dann wahrscheinlich ab 2017 oder sogar erst 2018 gefördert werden.

Schätzungen zufolge lagern allein in der Region Barth in einer Tiefe von rund 2700 Metern etwa 250 Millionen Barrel Erdöl. Prognosen zufolge sind davon rund fünf Millionen Tonnen förderbar.



Elisabeth Woldt

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