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Ribnitz-Damgarten Tonnenweise Munition im Boden
Vorpommern Ribnitz-Damgarten Tonnenweise Munition im Boden
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00:19 13.01.2015
Ein Teil der Munition, die 2012 auf dem ehemaligen Flugplatz Barth gefunden werden konnte.

Gewehrmunition, Panzerfäuste, Werfergranaten sowie jede Menge Waffen und Waffenteile. Von 2010 bis 2014 wurden bei 137 Einsätzen im Kreis Vorpommern-Rügen 4,9 Tonnen Kampfmittel und Munitionsfragmente aus dem Boden geholt. „Geborgen wurden auch Granaten größerer Kaliber. Von 8,8 bis 10,5 Zentimeter Sprenggranaten ist alles dabei“, erläutert Torsten Hauk. Er ist Leiter der Luftbildauswertung beim Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern.

Fündig wurden die Bergungsspezialisten in der hiesigen Region unter anderem auf dem ehemaligen Flugplatz Pütnitz, der von 1935 bis 1945 von der Wehrmacht und von 1952 bis 1994 von der Roten Armee genutzt wurde. „In den Jahren 2000 und 2012 gab es dort partielle Kampfmittelräumarbeiten. Geborgen wurden dabei unter anderem englische Brandbomben, Flakmunition sowie Waffen und Waffenteile“, informiert Torsten Hauk.

Jede Menge Munition wurde auch auf dem ehemaligen Flugplatz Barth gefunden. Vor dem Bau der Photovoltaikanlage wurden in den Jahren 2012 und 2013 rund 52 Hektar Fläche abgesucht, dabei konnten 346 Kilogramm Kampfmittel und Munitionsfragmente entdeckt werden. Auch hier reiche das Spektrum von Bordwaffen- bis hin zu Flakmunition, sagt Hauk.

Die in Mecklenburg-Vorpommern gefundene Munition wird in einem der beiden Munitionszerlegebetriebe des Bergungsdienstes gebracht, dort zwischengelagert und teilweise auch dort vernichtet. Der andere Teil der geborgenen Kampfmittel wird in einer Verbrennungsanlage der Bundes bei der Gesellschaft zur Entsorgung von chemischen Kampfstoffen und Rüstungsaltlasten (Geka) in Niedersachsen zerstört.

Manchmal entpuppt sich das, was als Munitionsfund gemeldet wird, aber auch als harmloser Gegenstand, sagt Hauk. „Das ist nicht zu vermeiden. Da der Bürger aber von einer Gefahr ausgeht — sonst hätte er den Fund ja nicht gemeldet — hat er grundsätzlich alles richtig gemacht. Denn Sicherheit geht vor.“

Besonders spektakulär sei natürlich meist der Fund großer Bomben und deren Entschärfung, sagt der Leiter der Luftbildauswertung. Das dürfe dennoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade „die kleinen Dinger“, wie er sie nennt, oft unterschätzt würden. Dabei könnten auch sie absolut tödlich sein, da der Sprengstoff auch nach all den Jahren immer noch voll funktionsfähig sei. Wer nicht sicher ist, was er da auf dem Feld, beim Pilzesammeln oder im Garten gefunden hat, dem gibt Hauk folgenden Rat: „Zunächst einmal: Finger weg! Nicht umdrehen, nicht saubermachen, und das ‘Finger weg‘

bezieht sich auf jedes Körperteil. Bei der möglicherweise ausgelösten Detonation einer Granate ist es in den Auswirkungen unerheblich, ob sie ‘bloß ein wenig mit der Fußspitze‘ berührt wurde.“

Jeder Bürger sei zudem gesetzlich verpflichtet, Funde von Kampfmitteln unverzüglich der jeweiligen Ordnungsbehörde anzuzeigen, erläutert Torsten Hauk. Alternativ könne er den Fund auch der nächsten Polizeidienststelle melden.

Ob es sich dabei dann tatsächlich um Munition handele oder doch nur um einen harmlosen Gegenstand, spielt erst mal keine Rolle. Der Bürger brauche keine Angst zu haben, einen Einsatz bezahlen zu müssen, auch wenn der Gegenstand sich nach Untersuchung als harmlos herausstellt. „Man kann sich den Fall ja auch mal so vorstellen“, betont Hauk die mögliche Gefahr bei Nichtmelden: „Ein Bürger findet etwas, mutmaßt, dass es Munition sein könnte, lässt es aber bewusst im Wald liegen und meldet es auch nicht. Am nächsten Tag finden kleine Kinder den Gegenstand, spielen damit herum und es kommt zu einer Explosion. Am Tag darauf erfährt der Bürger davon dann aus der Zeitung. . .“

Bis zu 450 Einsätze im Jahr
Der Munitionsbergungsdienst des Landes Mecklenburg-Vorpommern hat im Schnitt 400 bis 450 Einsätze pro Jahr. Seit dem Jahre 2000 wird jeder Einsatz zur so genannten unmittelbaren Gefahrenabwehr („Soforteinsatz“) in Mecklenburg-Vorpommern im Kampfmittelkataster des Munitionsbergungsdienstes kartiert.


Jeder Bürger hat die Pflicht, undefinierbare Metallteile dem Ordnungsamt oder der Polizei zu melden. Der Munitionsbergungsdienst Mecklenburg-Vorpommern ist mit insgesamt 34 Mitarbeitern auf vier Standorten verteilt für die Kampfmittelräumung im Bundesland verantwortlich.



Edwin Sternkiker

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