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Wo endete geheimnisvoller Tunnel wirklich?

Ribnitz-Damgarten Wo endete geheimnisvoller Tunnel wirklich?

Im April 1958 wurde in Ribnitz ein uralter Stollen entdeckt: Zeitzeugen erinnern sich nach 60 Jahren.

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Von dem im April 1958 entdeckten unterirdischen Gang sind nur ganz wenige Fotos bekannt, dieses ist eines davon.  Ebenso wie auf dem Foto in unserem am 20. März veröffentlichten Beitrag ist auf diesem Arno Schumann zu sehen.

Quelle: Wiebusch, Karl-Heinz/bernsteinmuseum

Ribnitz-Damgarten. Unterirdische Gänge in Ribnitz (Vorpommern-Rügen) – spätestens seit April 1958 war klar, dass an den alten Erzählungen zumindest zum Teil etwas dran ist. Vor 60 Jahren wurde ein solcher Gang im Zusammenhang mit den Bauarbeiten am neuen Ribnitzer Kino in der Damgartener Chaussee entdeckt. In unserem Beitrag am 20. März (Rätselraten um geheimen Gang) erinnerten wir daran und riefen Zeitzeugen auf, sich zu melden. Zu denen, die dem Aufruf gefolgt sind, gehört Arno Schumann. Er ist der junge Mann, der auf dem Foto zu sehen ist, das wir in unserem Beitrag veröffentlicht hatten. Der heute 75-Jährige lebt jetzt in Sanitz und erinnert sich sehr gut an das Jahr, als der Gang entdeckt worden war. „Ich war damals 15 Jahre alt und Mitglied im Schul-Fotozirkel, der von unserem Physiklehrer Herrn Wiebusch geleitet wurde. Eines Tages im April 1958 forderte er mich auf, zur Baustelle des neuen Kinos mitzukommen. Ich dachte erst, dass es darum geht, hier Aufnahmen von den Bauarbeiten zu machen. Aber dann standen wir vor einem Loch und mein Lehrer forderte mich auf, da reinzusteigen. Das tat ich dann auch, allerdings mit einem sehr mulmigen Gefühl. Aber als ich dann sah, dass der Gang offenbar recht solide gebaut worden war, wurde ich ruhiger. Außerdem folgte mir mein Lehrer mit seinem Fotoapparat auf dem Fuße. Eingestiegen sind wir in Höhe des heutigen Eingangs vom Netto-Markt, dem ehemaligen Kino, das wurde ja bekanntlich auf dem Gelände eines ehemaligen Friedhofes errichtet. Vorgedrungen sind wir bis zum Beginn der Damgartener Chaussee. Hier war der Gang eingebrochen, sodass es kein Weiterkommen gab. Als ich mich dann umdrehte, um den Rückweg anzutreten, ist das Foto entstanden, auf dem ich zu sehen bin.“

 

Tunnel war völlig leer

Irgendwelche Gegenstände habe er nicht gefunden, der Gang sei völlig leer gewesen, so berichtet Arno Schumann weiter. Das wird von Wolfgang Rohde aus Ribnitz bestätigt. Er hatte als Mitglied der Brigade Hans Westendorf von Anfang an am Kino mitgearbeitet und gehörte zu denen, die im Gang waren. „Der war wie leergefegt. Nach seiner Entdeckung hat es nicht lange gedauert und er wurde dichtgemacht“, erinnert er sich. Auch Uwe Ahrens, damals 17 Jahre alt, konnte einfach nicht widerstehen: „Wir sind zu Zweit eingestiegen. Die anderen passten oben auf, dass uns der Bauleiter nicht erwischt. Es war sehr spannend und geheimnisvoll, wir hofften natürlich, einen Schatz zu finden. Aber da war nichts.“ Irgendwann sei dann der Bereich des Ganges, wo sich das Loch befand, zugeschüttet worden, so Uwe Ahrens. Aber es sei nicht alles verfüllt worden. „Ich bin überzeugt, dass Teile des Ganges immer noch vorhanden sind.“  Von der Bauweise her sah der Tunnel so aus, als ob er mit der Spitzhacke aus dem sehr festen Untergrund herausgehauen worden sei.

Unterirdischer Gang endete möglicherweise innerhalb der Stadtmauer

Zu denen, die ihn mit eigenen Augen gesehen haben, gehört auch unser Leser Bernd Szymkowiak. Er schreibt: „Mit viel Freude nahm ich den Artikel ’Rätselraten um geheimen Gang’ zur Kenntnis. Auf Anhieb waren die Erinnerungen bei mir da. Als Schüler habe ich mit zwei Freunden diesen Gang betreten. Wir waren furchtbar aufgeregt, und wir spürten die Gefahr, und wir hatten auch Angst. Die im Artikel angegebenen Maße kann ich bestätigen.“ Der unterirdische Gang wies nach der zweiten Biegung auf die Post. Jahrhunderte hindurch befand sich dort eine Gaststätte, das sogenannte „Eckschapp“. „Sollten von dort aus die Schmuggler in dem Gang ihre Waren versteckt haben?“, so fragte Karl-Heinz Wiebusch in seinem OZ-Beitrag im April 1958. Oder habe doch sein Kollege Richard Suhr recht, „dass der Stollen nach einer weiteren Biegung seinen Anfang beim Marlower Tor nahm?“ Bernd Szymkowiak hält Letzteres für wahrscheinlich: „Als ich damals mit meinem Opa über unser Abenteuer sprach, war er gleich der Meinung, dass der Gang bis in die Stadt führte. Er meinte, der Gang endete im Keller der ehemaligen Ribnitzer Kneipe ’Tannenbaum’, die sich ungefähr dort befand, wo sich heute das Geschäft von Frau Bauschke befindet, also gegenüber vom Kaufhaus Stolz und somit innerhalb des Stadtgebiets hinter dem ehemaligen Marlower Tor. Der ’Tannenbaum’, so mein Opa, wäre schon im Mittelalter eine Kneipe gewesen.“Vieles an dem Gang bleibt geheimnisvoll. Wofür er tatsächlich gebaut wurde, das wird wohl niemals zu klären sein. Völlig ungewiss ist auch, wann er eigentlich gegraben wurde. Möglicherweise bereits vor 400 oder 500 Jahren, wie Wiebusch vermutete? In den Chroniken jedenfalls wird der Gang jedenfalls an keiner Stelle erwähnt.

Edwin Sternkiker

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